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Aus aller Welt

Der Pyramiden-Thriller

TV-Ereignis im Cheops-Grab. Wurde ein Deutscher ausgebootet?

Kairo. Statt einer archäologischen Sensation gibt es einen handfesten Expertenstreit und den Vorwurf eines manipulierten Medienspektakels: Die weltweite TV-Übertragung aus der ägyptischen Cheops-Pyramide am Dienstagmorgen hat nach Meinung deutscher Experten wissenschaftlich wenig gebracht. Mit Hilfe einer Roboter-Miniaturkamera wurden in der Cheops-Pyramide von Gizeh ein bislang unbekannter 45 Zentimeter tiefer Hohlraum und eine versiegelte Tür entdeckt. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse seien "fast gleich null", sagte der Direktor des Ägyptischen Museums Berlin, Dietrich Wildung. Er behauptete außerdem, dass die Bohrung durch die Steinplatte nicht live gewesen sei, sondern die Bilder schon vor Tagen aufgezeichnet wurden: "Wir sind alle verarscht worden." Das ZDF räumte ein, dass die als Live-Übertragung aus Kairo angekündigten Bilder wegen diverser Werbepausen in den USA zunächst gesammelt und mit einstündiger Verzögerung ausgestrahlt wurden. Der Chefredakteur des "National Geographic" Deutschland, Klaus Liedtke, wies die Vorwürfe Wildungs zurück: "Das war kein Medienflop, sondern Forschung live." Auch der ägyptische Chefarchäologe Zahi Hawass feierte die Entdeckung als "wichtigen Fund". Die Forscher von "National Geographic" hatten die Kamera auf eine zweistündige Reise durch den engen Schacht geschickt, der - wie der deutsche Ingenieur Rudolf Gantenbrink 1993 festgestellt hatte - nach 60 Metern mit einer Steinplatte verschlossen ist. Gantenbrink wollte die Fortsetzung des Ganges eigentlich selbst erforschen, doch zerstritt sich mit Chefarchäologen Hawass. Der warf dem Ingenieur Eitelkeit und vorschnelle Medieninszenierungen vor. Hawass setzte die Erforschung nun statt mit dem deutschen Archäologischen Institut mit den Amerikanern fort. Damit die TV-Zuschauer miterleben konnten, wie die Kamera durch das Loch kriecht und die ersten Bilder von dem liefert, was dahinter liegt, hatte der Roboter zuvor ein Loch gebohrt. Um fünf Uhr morgens war es so weit. Die winzige Kamera zeigte, dass sich hinter der Tür ein kleiner Hohlraum und eine Steinplatte verbergen. Nach Ansicht von Wildung ist der unbehandelte Stein auf keinen Fall eine Tür. Hawass wollte dagegen nicht ausschließen, dass er eingesetzt wurde, um etwas zu verstecken. "Cheops hatte diese Angewohnheit, Dinge zu verbergen", meinte er. Ob und wann die zweite Tür untersucht werden soll, ist noch nicht entschieden. Der Hamburger Archäologe Professor Hartwig Altenmüller, Sachverständiger für die deutsche Ausgabe von "National Geographic", vermutet in dem entdeckten Hohlraum einen Luft- und Seelenschacht. "Der Schacht sorgte für Luftzufuhr für die Arbeiter und diente zugleich als Schacht für die Königsseele, die in den Himmel zum Sonnengott aufsteigen sollte."

 

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