Misshandelt: Grönländische Tierärztin packt aus
Die Qualen der Schlittenhunde
KOPENHAGEN. Schätzungsweise 21 000 Schlittenhunde leben in Grönland. Viele von ihnen fristen jedoch ein so schreckliches Dasein, dass nun Tierschützer und Tierärzte Alarm schlagen. Eine von ihnen ist die Amtstierärztin Marit Holm. Zusammen mit einer Kollegin betreut sie die Hunde entlang der grönländischen Ostküste. Sie ist sich sicher: "Die große Zeit der Schlittenhunde ist vorbei." Der Lebensstil der Grönländer hat sich geändert. Der Respekt vor dem Hund ist dabei auf der Strecke geblieben. Allein im vergangenen Sommer musste sie 62 Hunde einschläfern, weil sie am Verhungern waren.
Die Grönländer hatten schon immer ein sehr unsentimentales Verhältnis zu ihren Tieren. Früher waren die Hunde jedoch ein wichtiger Teil im Leben der Menschen. Heute ist das anders: In vielen Familien sind die Schlittenhunde heute nur noch ein Hobby, das sie sich im Grunde gar nicht leisten können. "Ich weiß, sie sind keine Schmusetiere. Trotzdem sind diese Zustände inakzeptabel."
Die Tierärztin berichtet von einer ganzen Reihe von Grausamkeiten, die sie gesehen und erlebt hat. Es gibt Hunde, denen mit einem Hammer die Zähne ausgeschlagen werden, damit sie ihre Leinen nicht durchbeißen können. Es gibt Hunde, die nie aus ihrem Geschirr kommen und offene blutende Wunden haben, es gibt Hunde, die angebunden zurückbleiben und langsam verhungern und verdursten. Marit Holm: "Ich habe mehrere Hundegespanne gefunden, die die Besitzer einfach zum Sterben zurückgelassen haben. Einmal fand ich drei tote Hunde, daneben lag ein vierter, der noch lebte. Er lag nur da, und er konnte nur noch seine Augen bewegen. Es war grauenhaft."
Die Tierärztin schätzt, dass zwischen 60 und 70 Prozent der Schlittenhunde misshandelt werden. Sie arbeitet zwar eng mit der Polizei zusammen, erreicht aber nur wenig. Leider gibt es so viele Fälle, dass die ohnehin überlastete Polizei nur die schlimmsten strafrechtlich verfolgen kann.


Branchenbuch Hamburg
100. Geburtstag
Axel Springer






Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages



