Kinderporno: Polizei sucht Missbrauchsopfer aus dem Internet
Wer kennt dieses Mädchen?
Es ist zwischen elf und 13 Jahre alt. Staatsanwalt: "Fotos können überall in Deutschland entstanden sein." Fahndung auch in "Aktenzeichen XY . . . ungelöst".
Gießen. Missbraucht, gequält und im weltweiten Netz zu sehen - unter den zahllosen Kinderporno-Opfern im Internet ist offenbar auch ein deutsches Mädchen. Jetzt fahndet das Bundeskriminalamt (BKA) mithilfe des Fernsehens nach dem Kind, um dem Täter das Handwerk zu legen. Das BKA hat zudem "sehr konkrete Hinweise darauf, dass das Kind einem noch immer andauernden, schweren Missbrauch ausgesetzt sein könnte". Die Bilder des Mädchens, das auf einschlägigen Fotos seit 2005 im Internet zu sehen ist, zeigte das ZDF gestern Abend in seiner Sendung "Aktenzeichen XY . . . ungelöst". Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Gießen ist das unbekannte Mädchen zwischen elf und 13 Jahre alt. Insgesamt gibt es sechs Fotos von dem Kind, auf zweien ist es bekleidet.
Auf Deutschland als Ursprungsort deuteten Gegenstände hin, die auf den Bildern zu sehen seien, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Reinhard Hübner. Genauer könnten die Ermittler den Ort aber nicht eingrenzen. Hübner: "Die Fotos können überall in Deutschland entstanden sein." Die Ermittlungen in dem Fall laufen seit September 2006.
Für Hinweise, die zur Festnahme des Täters führen, winkt eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro (BKA Wiesbaden, Zentralstelle für Kinderpornografie, Tel. 0611/551 31 01).
Schon zweimal, in den Jahren 2000 und 2003, war mithilfe der ZDF-Sendung nach Opfern von Kinderpornos im Internet gefahndet worden - jeweils mit unterschiedlichem Erfolg.
Gestern ging es in "Aktenzeichen XY" zum wiederholten Male auch um einen Sextäter, der vor einem Jahr im Raum Dresden zwei Mädchen verschleppt und vergewaltigt hatte. Die Polizei konnte neue Details präsentieren: Bei dem Logo auf der Bundjacke, die der Täter nach Angaben des Opfers der zweiten Tat getragen hatte, handele es sich "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" um den Schriftzug "Kenvelo."
Die Dresdner Kripo fahndet seit Monaten nach dem Unbekannten. Ihr einziges eindeutiges Indiz ist eine DNA-Spur des Mannes. Er hatte im September 2005 und im Januar 2006 im Raum Dresden ein neun und ein elf Jahre altes Mädchen vergewaltigt.
Es folgte ein fast beispielloser Massen-Gentest: Seit Sommer 2006 wurden in Coswig und dem Raum Dresden mehr als 7000 Männer zwischen 25 und 45 Jahren und einer Körpergröße von 1,65 bis 1,85 Meter um eine DNA-Probe gebeten. Die Aktion könnte sich zum größten Massentest in der deutschen Kriminalgeschichte ausweiten. Die Behörden haben sich bereits auf einen Extremfall von 100 000 Teilnehmern eingerichtet.
Der jüngste spektakuläre Schlag gegen die Kinderporno-Szene im Internet (Aktion "Mikado"), der durch eine beispiellose Auswertung von Millionen von Kreditkarten-Daten möglich wurde, wird nun gerichtlich überprüft. Beim Amtsgericht Halle gingen mehrere sogenannte Anträge auf Feststellung ein. "Ziel der Anträge ist eine richterliche Entscheidung darüber, ob das Vorgehen der Ermittler rechtmäßig war", sagt ein Gerichtssprecher. Die Fahnder des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt und der Staatsanwaltschaft Halle hatten, wie berichtet, 322 Pädophile ermittelt, die von einem illegalen Internetportal gegen Bezahlung Kinderpornos herunterluden und per Kreditkarte bezahlten.
Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Udo Vetter: "Mit diesem Vorgehen haben die Ermittler etwa ein Viertel der Bevölkerung unter Generalverdacht gestellt."


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