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Aus aller Welt

Hurrikan "Rita" lähmt Amerika

Schock: Neuer Deichbruch in New Orleans - Unfall bei Massenflucht: 24 Tote. Zwei Millionen Menschen suchen Schutz. Am heutigen Sonnabend trifft der Monster-Sturm auf die US-Küste.

Houston. Die Naturgewalten lähmen den Riesen Amerika. Hurrikan "Rita" ließ das Land schon vor seiner Ankunft in Ohnmacht erstarren. Zwei Millionen Menschen sind vor dem Monster-Sturm auf der Flucht. Rund um Houston, Dallas und Austin (Texas) brach am Freitag ein Verkehrschaos aus - die Staus erreichten eine Länge von bis zu 150 Kilometern.

Dabei kam es nahe Dallas zu einem Horrorunfall, bei dem 24 Rentner ums Leben kamen. Die Bremsen des mit 43 Senioren aus Houston besetzten Schulbusses hatten bei 40 Grad Hitze Feuer gefangen und einen Sauerstofftank an Bord zur Explosion gebracht. Krankenschwester Tina Jones: "Ich fuhr direkt hinter dem Bus, als es passierte. Ich habe versucht, den Verletzten zu helfen. Ich kann nur noch weinen."

Schock auch in New Orleans. Die ersten Regenausläufer des heranrasenden Hurrikans haben drei große Brüche in einen notdürftig reparierten Deich gerissen. Ein Sprecher der Nationalgarde: "Das Wasser steigt und steigt. Mindestens 30 Straßenzüge stehen schon wieder unter Wasser." Dabei war "Rita" noch mehr als 300 Kilometer von der Küste entfernt. Das leidgeprüfte New Orleans ist erneut zur Geisterstadt geworden. Außer den technischen Einheiten der US-Army, die fieberhaft gegen die Löcher in den Dämmen ankämpfen, sind alle geflohen. Niemand will wie bei "Katrina" auf dem Dach auf Hilfe warten. Quentrell Jefferson, der im Fernsehen sah, wie sein Haus erneut überflutet wurde: "Ich will nur noch weg . . . "

Katastrophenstimmung auch in Texas. Hunderttausende Menschen, die aus den tiefgelegenen Gebieten in Houston geflohen waren, standen bei brütender Hitze mit Kindern und Haustieren im Stau. Vielen war das Benzin ausgegangen. Andere waren frustriert umgekehrt, um den Hurrikan zu Hause zu erwarten.

Die deutsche Ärztin Ute Eisele: "Unsere Nachbarn bleiben, wir bleiben und hoffen auf das Beste", sagt sie. Viele Kollegen im Krankenhaus, in dem sie als Anästhesistin arbeitet, haben die Stadt verlassen. Die Ärztin: "Die sitzen nun alle auf den Autobahnen nach Dallas und St. Antonio fest. Wir haben uns mit Lebensmitteln, Wasservorräten und Batterien versorgt und unsere Häuser vernagelt. Außerdem ist an Flucht jetzt ohnehin nicht mehr zu denken. Es gibt kein Benzin mehr an den Tankstellen."

Inzwischen versprach US-Präsident George W. Bush, daß er Tanklaster mit rund einer Million Liter Benzin in die kleinen Ortschaften am Rande der Highways schicken werde. Und Houstons Bürgermeister Bill White appellierte im Radio: "Wir wissen, daß ihr da draußen seid. Wir wissen, daß Benzin knapp ist. Hilfe ist unterwegs." Die Wahrheit ist für viele, daß Amerika nicht auf einer der größten Fluchtwellen in seiner Geschichte vorbereitet war. "Das ist die schlechteste Planung, die ich je gesehen habe", sagte Judie Anderson aus Houston. "In zwölf Stunden bin ich ganze 72 Kilometer vorangekommen."

Kleiner Lichtblick am Freitag abend: Hurrikan "Rita"hatte sich von Kategorie 5 (280 km/h) auf Kategorie 3 abgeschwächt, brachte es "nur" noch auf 210 km/h. Ein Experte: "Möglicherweise verliert der Sturm weiter an Energie und trifft am Sonnabend Houston und Galveston nur noch mit seinen Ausläufern."

 

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