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Aus aller Welt

. . . und draußen tobt die Natur

BLITZE: Die grellen Zuckungen der Atmosphäre üben eine eigenartige Faszination auf den Menschen aus. Der Wissenschaft geben sie immer noch Rätsel auf.

Hamburg. Es ist ein Himmelsschauspiel, elektrisierend und elementar. Immer dunkler türmte sich die Gewitterwand an den Abenden der letzten beiden Tage. Beängstigt und fasziniert zugleich standen Tausende Menschen an ihren Fenstern und beobachteten. Fast aus dem Nichts kommend machte die Gewitterwand dann die Nacht zum Tage. Blitze in Serie zuckten gestern durch den Himmel über der Stadt. Erst im Osten, dann in ganz Hamburg. In der schwülwarm aufgeladenen Atmosphäre waren es vorgestern allein bis 17 Uhr mehr als 5000. Donnerwetter, sagten sich selbst abgebrühte Meteorologen, die mit allem rechnen müssen. Voll gelaufene Keller, umgestürzte Bäume und dazu ein Blitzeinschlag in ein Einfamilienhaus am Königskinderweg in Schnelsen - das jähe Ende eines heißen Sommertags. Blitze - faszinierend schön sind sie in ihren oft bizarren Verästelungen und bedrohlich zugleich, selbst aus sicherer Entfernung geeignet, Ur-Ängste zu wecken. Eine unheimliche Wirkung geht von diesen grellen Zuckungen der Atmosphäre aus; nicht nur schreckhafte Hunde verkriechen sich dann am liebsten in die hinterste Ecke, auch sensible Menschen überkommt schon mal das Zittern angesichts der großen Lightshow mit dem Donnerhall. Fast alle glauben es dunkel zu ahnen: Treffen kann es jeden. Das stimmt so zwar nicht, denn gewisse Standard-Vorkehrungen - sich nicht im Freien aufhalten, einzelne Bäume (auch Buchen!) meiden, um Gottes willen nicht ins Wasser gehen, nicht Fahrrad fahren - mindern das Blitz-Risiko beträchtlich. Noch am sichersten ist es in den eigenen vier Wänden, fast jedes Haus ist durch Blitzableiter geschützt. Wer gerade Auto fährt, dem kann auch nichts passieren, denn hier leitet die Metallhaut die elektrische Spannung ab (Faraday-Käfig, Physikunterricht Unterstufe!). Und noch immer gilt die alte Regel: Je mehr Zeit zwischen Blitz und Donner liegt, desto sicherer darf man sich fühlen - erst einmal. Außerdem, was sind schon die statistisch erfassten zehn Blitz-Opfer im Jahr gegen die Tausenden von Verkehrstoten? Die Chance auf einen Sechser im Lotto ist auch nicht geringer. Hilft bloß alles nichts, die Ängste kommen in manch einem hoch, wenn es am Himmel mal wieder grell aufblitzt, seien diese Ängste noch so irrational. Und gebrannte Kinder im Wortsinn gibt es auch so genug. Acht Millionen Blitze überziehen die Erde jeden Tag, bis zu 1000 Gigawatt Energie kann freigesetzt werden, nahezu 30 000 Grad wird es schon mal heiß bei einem Einschlag. Die Wirkung ist buchstäblich durchschlagend. Durch das plötzliche Verdampfen der Feuchtigkeit explodieren selbst Betonmauern. Und gnade dem, der auf engstem Raum hoch technisierte Anlagen stehen hat, da kann es richtig teuer werden: Kurzschlüsse in Computeranlagen mit ihren hoch sensiblen Mikroprozessoren etwa sind der Albtraum eines jeden Firmenchefs, die Versicherungsschäden gehen in die Milliarden. Solche Zahlen elektrisieren denn auch die Blitzforscher aus verschiedenen Disziplinen, weltweit inzwischen mehr als 1000. In Deutschland werden Blitze und ihre Folgen seit 1886 erforscht, und eine alte Erkenntnis lautet: Bei Menschen trifft der tödliche Schlag meist den Kopf, schießt durch den Körper in den Boden. Nicht neu ist auch, dass es im Norden Deutschlands und zumal an der Waterkant tendenziell weniger oft (und weniger laut) kracht als im Süden, denn wegen der Meeresnähe ist das Klima hier in der Regel ausgeglichener, die Luft am Boden heizt sich also meist weniger stark auf. Aber genau das ist nötig, damit sich ein ausgewachsenes Gewitter überhaupt erst bilden kann, Blitze inklusive. Bei Wärmegewittern wie vorgestern steigt dann feuchte Luft über dem erhitzten Erdboden auf und erzeugt erst einmal die klassische, oft ambossförmige Gewitterwolke. Die Verwirbelungen der Aufwinde laden Wassertropfen und Eisteilchen im Inneren der Wolke elektrisch auf, Entladungen in Form von Blitzen sind die Folge. Je größer das Temperaturgefälle zwischen unteren und oberen Luftschichten, desto dramatischer wird es an der Gewitterfront. Rätsel geben Blitze bis heute auf. Ein Klassiker ist dabei der sprichwörtliche Kugelblitz - gibt es ihn überhaupt? Lange Zeit wurde er von seriösen Forschern als Fiktion abgetan. Mittlerweile gilt er als zwar als Realität, immerhin sind rund 10 000 Sichtungen während der letzten Jahre registriert, sogar die britische Royal Society gab ihm die wissenschaftlichen Weihen. Doch alles Nähere entzieht sich der Kenntnis. Chemische Reaktionen vielleicht oder auch physikalische Plasma-Bälle - wer weiß? Auch nach dem Hamburger Blitz-Inferno ist jedenfalls eines sicher: Aber schön war es auch. Acht Millionen Blitze überziehen jeden Tag die Erde. Bis zu 1000 Gigawatt Energie können freigesetzt werden, die 30 000 Grad heiß werden.

 

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