Test der Briten: Deutsche zu vermieten
"Rent A German" begann als Witz im Internet. Jetzt macht sich die Londoner "Times" über das Angebot Gedanken.
London. Es begann als Künstlerscherz und wurde zu einem Internet-Phänomen: Rentagerman.de, eine Website, auf der Deutsche gemietet werden können (wir berichteten), hat seit ihrer Gründung im März Tausende von Besuchern registriert und mehr als 200 Anfragen aus aller Welt bearbeitet.
Es ist noch nie so leicht gewesen, einen Deutschen zu mieten, verspricht die englischsprachige Website des Konzeptkünstlers Johannes Blank aus München, die eine breitgefächerte Auswahl von Bundesbürgern für private und soziale Bedürfnisse anbietet. Gewählt werden kann zwischen Angeboten wie dem Business-Package (1200 Euro, der Deutsche nimmt an Konferenzen teil oder hört einfach bei der Kaffeepause zu), dem Family-Package (800 Euro, der Deutsche kocht, spielt mit den Kindern, redet über Sport und Politik) oder dem Holiday-Package (750 Euro, der Deutsche sorgt für glückliche Momente).
Der Slogan der Seite lautet "What can Germans do for you?" (Was können Deutsche für Sie tun?): Ben Hoyle, Journalist bei der angesehenen britischen Zeitung "The Times", hat jetzt beschlossen, genau dies herauszufinden, und mietete für einen Tag den freiberuflichen Radioproduzenten Martin Heindel (29) aus Berlin. Nach der Unterzeichnung eines Vertrages (kein Sex oder Diskriminierungen) wechselten umgerechnet 1200 Euro den Besitzer, und Heindel wurde ins Flugzeug nach London gesetzt. Er ist groß, blond und blauäugig, doch darüber hinaus entspricht er nur wenigen deutschen Klischees, so Hoyle.
Heindel mag englischen Fußball, ist noch nie im Stechschritt marschiert und hat einen Sinn für Humor.
Hoyle nahm Heindel, der über die Konsequenzen seiner Bewerbung bei "Rentagerman" nie richtig nachgedacht hatte, mit nach Hause und zwang ihn, Deutschlands 5:1 Niederlage gegen England vor vier Jahren in München auf Video anzugucken. "Er jammerte überzeugend, doch bekam er wieder gute Laune, als ich ihn mit einem Staubwedel losschickte", so Hoyle. "Vielleicht ist er ein heimlicher Schweizer."
Noch immer jedoch war weder dem Mieter noch dem Gemieteten der wirkliche Grund eines gemieteten Deutschen klar. "Ich habe meine Qualitäten", versuchte es Heindel. "Ich bin gut in Mathe. Ich kann renovieren und Kinderfeste organisieren." Nicht zufrieden, stellte Hoyle seinen Angestellten auf die Oxford Street - mit einem Schild "German for Hire" (Deutscher zu mieten).
Nach einer halben Stunde kam Graham Dimmock (33) vorbei, der wußte, was er mit Martin machen würde: "Der Grund, Deutsche zu mieten, ist, daß wir jemanden haben, über den wir uns lustig machen können", verriet er. "Es scheint, daß es keinen Grund für einen teuren gemieteten Deutschen gibt", schließt Hoyle. "Deshalb lud ich Martin zum Dinner mit meinen Freunden ein. Die Frauen fanden ihn toll. Die Männer versuchten herauszufinden, wie sie sich selbst für 800 Pfund vermieten können und dazu einen Flug und drei Mahlzeiten bezahlt bekommen."



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