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Aus aller Welt

Gewalt: Auch Männer sind Opfer

Tabu: Das Thema wird gern totgeschwiegen. Neue Studie des Familienministeriums

Berlin. Gewalt gegen Frauen ist ein viel diskutiertes Thema. Gewalt gegen Männer ist dagegen noch immer ein Tabu. Im Rahmen einer Studie des Bundesfamilienministeriums zu diesem Thema, die Ministerin Renate Schmidt (SPD) gestern in Berlin vorstellte, wurden 266 Männer zu ihren Erfahrungen mit Gewalt befragt.

Bei ihnen richten sich die Aggressionen meist gegen das eigene Geschlecht. "Jeder Mann mit 20 hat größere Chancen, ein Gewaltopfer zu werden als jede Frau", sagte der Sozialwissenschaftler und Studienleiter Hans-Joachim Lenz. So wurden drei von fünf Männern in der Kindheit oder Jugend geschlagen, geohrfeigt, oder getreten, jeder Sechste erlitt dabei Knochenbrüche oder Quetschungen. Ebenfalls drei von fünf Männern beklagten sich, früher schikaniert, eingeschüchtert oder gedemütigt worden zu sein. Jeder Achte der 266 befragten Personen gab an, schon einmal erpresst worden zu sein. "Die Gewalt von Männern gegen Männer wird bislang weitgehend ignoriert", sagte der Berliner Geschlechterforscher Peter Döge.

Gewalt gegen Frauen sei seit 30 Jahren ein Thema, sagte Lenz, "der Skandal der alltäglichen Gewalt gegen Männer" jedoch nicht. Der Grund dafür liege auch bei den Männern selber: "Sie halten sich aus Scham bedeckt. Aus Angst, von anderen Männern gedemütigt zu werden, wenn sie sich verletzlich zeigen." Schließlich heiße es schon im Elternhaus: "Ein Indianer kennt keinen Schmerz." Aber auch erwachsene Männer müssen viel einstecken, in psychischer Hinsicht und vor allem im Arbeits- und Liebesleben. Im Job litt jeder Vierte in den vergangenen fünf Jahren unter Verleumdungen von Kollegen oder wurde schon lächerlich gemacht. Und in der Partnerschaft sieht sich etwa jeder Fünfte von der Frau mit sozialer Kontrolle unter Druck gesetzt. Nicht wenige Männer geben die von ihnen erlebte Gewalt an Frauen weiter.dpa/afp

 

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