12.09.12

Pakistan

Textilfabrik wird zur Todesfalle für rund 300 Arbeiter

In den Flammen der Textilfabrik in Karachi kamen fast 300 Arbeiter um. Behörden und Angehörige erheben schwere Vorwürfe gegen Besitzer.

Foto: dpa/DPA

Tote und Verletzte des Großbrandes in der Fabrik in Karachi werden von den Helfern abtransportiert

13 Bilder

Karachi/Islamabad. Fassungslos stehen Angehörige und Rettungskräfte vor der ausgebrannten Fabrik in einem staubigen Industriegebiet im Westen Karachis. Noch vor kurzem hatten hier mehrere Hundert Pakistaner Wäsche und andere Textilien produziert. Nun sind nach offiziellen Angaben mindestens 289 ihnen tot - verbrannt oder erstickt in einem Inferno, dessen Flammen stundenlang wüteten. Ihr Arbeitsplatz, ein dreistöckiges Gebäude ohne Notausgänge und mit vergitterten Fenstern, war zur tödlichen Falle geworden.

Ausgebrochen war das Feuer in der Nacht zum Mittwoch. Die Ursache wird noch von der Polizei untersucht. Doch Medien spekulierten schon über einen defekten Generator. Der Funkenschlag habe möglicherweise Baumwollballen und Färbemittel entzündet. Fest steht: Das Feuer breitete sich rasend schnell in der Fabrik aus.

+++Fast 300 Textilarbeiter sterben bei Fabrikbrand in Pakistan+++

"Wir haben gearbeitet als plötzlich überall Feuer und Rauch waren", berichtet eine Überlebender im pakistanischen Fernsehen. "Die Hitze war so groß, dass wir zu den Fenstern stürmten und die (davor angebrachten) Eisengitter herausrissen." Beim rettenden Sprung aus der zweiten Etage habe er sich dann ein Bein gebrochen. Andere hatten weniger Glück. Ihnen gelang es nicht, die schweren Sicherungsgitter abzureißen. Sie blieben in der Fabrik gefangen.

"Mein Schwager war im Keller eingeschlossen", weiß Mohammad Ismail. Nach Ausbruch des Feuers habe er immer wieder angerufen und mit verzweifelter Stimme gefleht, ihn und seine Kollegen zu retten. Doch es kam keine Hilfe. "Seit dem Morgen hatten wir nichts mehr von ihm gehört", sagt Ismail vor der Fabrik. "Erst als wir hierherkamen, haben wir erfahren, dass er tot ist." In den Kellerräumen fanden die Bergungsmannschaften nach eigenen Angaben die meisten Opfern.

Im Laufe des Tages versammelten sich immer mehr Menschen vor der Fabrik des Unternehmens Ali Enterprises. Fast alle haben den Verlust von Angehörigen zu beklagen. "Mein jüngerer Bruder hatte vor wenigen Wochen hier angefangen und war nach langer Arbeitslosigkeit wirklich glücklich über diesen Job", sagt ein Mann. "Jetzt ist er tot." In der Nähe beklagt eine Mutter lautstark den Tod ihres Sohnes.

+++Bereits viele Brände mi Sicherheitsmängeln in Fabriken+++

Die Regierung der Provinz Sindh, dessen Hauptstadt Karachi ist, hat den Überlebenden und Hinterbliebenen inzwischen Entschädigungen in Aussicht gestellt. Ein bärtiger Alter winkt jedoch verzweifelt ab: "Wir wollen keine Entschädigungen, wir wollen unsere Leute zurück."

Wer für die Katastrophe verantwortlich ist, wird offiziell noch ermittelt. Die Polizei ist jedoch auf der Suche nach den Besitzern der Fabrik, gegen die nach Medienberichten auch ein Ausreiseverbot verhängt wurde. Den Geschäftsleuten, von denen seit dem Brand jede Spur fehlt, werden schwere Versäumnisse vorgeworfen.

"Wir prüfen, weshalb die Eigentümer die Sicherheitsstandards, darunter Brandschutz und Fluchtpläne, nicht erfüllt haben", sagt ein Sprecher der Provinzregierung. Gleichzeitig kündigt er eine strenge Überprüfungen aller Fabriken Karachis an. Für die Opfer des Brandes und ihre Hinterbliebenen kommt dieser Aktionismus zu spät.

Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Gewitter in Hannover
Aktualisiert vor 13 MinutenUnwetter im Norden
Blitzeinschläge, Dacheinsturz und Ampelausfälle

Auf die Rekordhitze folgten in weiten Teilen Norddeutschlands heftige Gewitter. In Hamburg fielen bis zu 332 Ampeln aus, zwei Dachstühle brannten. In Brunsbüttel stürzte das Dach eines Supermarktes… mehr...

-
20.06.13 HABerlin-Besuch
Obama als Welterklärer am Brandenburger Tor

Barack Obamas Berliner Rede war inhaltlich zwar keine historische Großtat, doch sie hat eines deutlich gezeigt: Die USA brauchen Deutschland als Partner. mehr...

Junge mit Ruderboot auf der Alster gekentert
07:53Schiffsunfall auf der Elbe
Sportboot rammt Polizeiboot – drei Verletzte

Der Fahrer eines Sportbootes übersah ein Polizeischiff auf der Elbe in der Nähe von Blankenese und rammte es. Dabei wurden die drei Insassen des Sportbootes schwer verletzt. mehr...


Auch er traf in Recife: Superstar Mario Balotelli brachte Italien mit einem Elfmetertreffer gegen Japan auf die Siegerstraße
07:35Confederations Cup
Schützenfest bei Italien-Sieg - Bundesliga-Stars im Pech

Die "Squadra Azzurra" steht nach einem verrückten Spiel im Halbfinale des Confed Cups. Gegen Japan siegte der Vize-Europameister mit 4:3. Für die Asiaten traf Okazaki ins richtige Tor, Uchida ins… mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Britische Royals
Prinz Philip verlässt nach OP das Krankenhaus

Der Ehemann der britischen Königin Prinz Philip hat nach elf Tagen das Krankenhaus nach einer Bauch-Operation verlassen. Für den 92-Jährigen…mehr »

Top Bildergalerien mehr

Barack Obama in Berlin

Massenproteste in Brasiliens Großstädten

Erin Brady

Das ist die neue "Miss USA"

87. Geburtstag

Queen Elizabeth feiert offiziell ihren Geburtstag

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr