Bluttat in den Alpen
Fahnder untersuchen Haus der ermordeten Familie
Noch wirft der Vierfachmord in den Alpen Rätsel auf. Die überlebenden Mädchen stehen unter Polizeischutz. Fahnder durchsuchen Villa der Mordopfer.
Paris/London. Britische und französische Polizisten haben am Sonnabend in London die gemeinsame Durchsuchung des Hauses der in Frankreich ermordeten Familie vorbereitet. Fernsehaufnahmen zeigten, wie die Ermittler in dem Vorort Claygate Fotos von dem Haus der britisch-irakischen Familie machten. Beamtinnen trugen Kisten mit Ausrüstung und Tüten für Beweismaterial in ein Zelt, das vor dem Haus errichtet worden war. Polizisten waren in weiße Anzüge gekleidet, wie sie bei der Spurensicherung getragen werden. Die Autopsie ergab, dass allen Opfern des Vierfachmordes zwei Mal in den Kopf geschossen wurde, wie der Staatsanwalt in Annecy, Eric Maillaud, am Samstag mitteilte.
+++ Ermittler nehmen erste Fährten zum Vierfachmord auf
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+++ Vier Jahre altes Mädchen überlebt mysteriösen
Mehrfachmord +++
Das am Mittwoch ermordete Ehepaar hatte mit seinen zwei Kindern Urlaub in der Nähe von Annecy gemacht. Hauptzeuge der Tat ist vermutlich die vierjährige Tochter, die sich unter dem Rock der Mutter versteckt hatte. Ihre drei Jahre ältere Schwester lag noch am Freitag im künstlichen Koma. Bei einem weiteren Opfer soll es sich Medienberichten zufolge um die Großmutter handeln. Dies wurde von den Behörden bislang aber nicht bestätigt. Das vierte Opfer war ein 45-jähriger französischer Radfahrer, der offenbar zufällig am Tatort vorbeikam.
Auf die meisten Journalisten-Fragen antwortet der Staatsanwalt nicht
Die Autopsie der Leichen habe ergeben, dass auf die Opfer mehrfach geschossen und allen zwei Mal in den Kopf geschossen worden sei, erklärte Maillaud. Zwei der Toten seien als Saad al Hilli und seine Frau Ikbal identifiziert worden. Die Identifizierung der Leichen beruhe in Teilen auf der Aussage deren vierjähriger Tochter Zeena, die sich in dem Auto unter dem Rock ihrer Mutter versteckt und die Tat überlebt hatte. Auf die meisten Fragen bei der Pressekonferenz am Samstag antwortete Maillaud nicht. Dass sei das Äußerste, was er preisgeben könne, erklärte er.
Mittlerweile seien Verwandte der Getöteten in Frankreich eingetroffen, um sich um die beiden Schwestern zu kümmern, sagte der Staatsanwalt. Um wen es sich dabei genau handelt, wollte er nicht sagen. Die Leichen würden der Familie sobald wie möglich übergeben. Die französischen Behörden haben bislang nur wenige Angaben zu den laufenden Ermittlungen zu dem Verbrechen in den französischen Alpen abgegeben, bei dem rund 25 Schüsse abgegeben worden sein sollen. Die Polizei in der englischen Grafschaft Surrey teilte mit, die französischen Behörden bei ihren Ermittlungen zu unterstützen.
Die britische Polizei hatte über einen möglichen Streit zwischen dem getöteten Familienvater, der als Ingenieur tätig war, und einem Bruder über Geld berichtet, wie Maillaud zuvor mitgeteilt hatte. Der betroffene Bruder habe jedoch am Freitag gegenüber den britischen Behörden Berichte über einen Streit zurückgewiesen.
Möglicher Erbschaftsstreit in Brief angedeutet
Eine Freundin der Brüder aus Kindheitstagen, Mae Faisal El-Wailly, beschrieb die Familie als wohlhabend. Der Vater der Brüder sei vor kurzem gestorben, sagte sie. In einem Brief, den ihr der getötete Familienvater im vergangenen Jahr geschrieben haben soll, finden sich Andeutungen auf einen möglichen Erbschaftsstreit.
So heißt es in dem von Saad al Hilli im September vergangenen Jahres geschriebenen Brief, dass sein Bruder "ein Kontrollfreak ist, und hinterlistige Dinge versucht hat, selbst als mein Vater noch lebte". Und weiter heißt es: "Er hat versucht die Kontrolle über das Vermögen von Vater zu erlangen." Aus öffentlichen Unterlagen geht hervor, dass der Bruder vergangenes Jahr aus dem Unternehmen des Getöteten ausschied. El-Wailly sagte, sie glaube aber nicht, dass der Bruder des Opfers etwas mit dem Verbrechen in den Alpen zu tun habe. Auch Maillaud sagte, er habe nichts über eine mögliche Erbschaftsangelegenheit gehört.
(dapd)
















