27.08.12

Tiger tötet Pflegerin im Kölner Zoo

Tiger-Attacke wird untersucht – Debatte über Wildtierhaltung

Ein Sibirischer Tiger hatte seine Pflegerin angefallen und totgebissen. Die Frau hatte bei der Reinigung ein Sicherheitstor offen gelassen.

Foto: dpa

Der Tiger "Altai". Das Tier war nach dem Angriff erschossen worden

7 Bilder

Köln/Hamburg. Nach der tödlichen Tiger-Attacke auf eine Tierpflegerin im Kölner Zoo untersucht die Staatsanwaltschaft die genauen Umstände des Unfalls. Dazu gehöre die Obduktion der Leiche, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Daniel Vollmert, am Montag. Dies geschehe immer, wenn die genaue Todesursache ungeklärt sei. Die Pflegerin hatte wohl vergessen, eine Tür zu schließen, und war dadurch von der Raubkatze überrascht und angegriffen worden.

+++ Sibirischer Tiger tötet Pflegerin im Kölner Zoo +++

Dass Zoodirektor Theo Pagel den Sibirischen Tager daraufhin erschoss, ist nicht Gegenstand der Ermittlungen. In Internetforen hatte das teilweise zu empörten Reaktionen geführt. Der Zoo begründete Pagels Handeln damit, dass der Tiger unmittelbar neben der schwerverletzten Pflegerin gesessen habe und es zu viel Zeit gekostet hätte, ihn zu betäuben. Die Ärzte konnten das Leben der Frau jedoch nicht mehr retten. Am Montag verweigerte der Kölner Zoo jede weitere Stellungnahme.

+++ Dompteur nach Tiger-Attacke im Koma - linke Hand amputiert +++

Einige Tierschützer fordern nun ein Verbot der Tigerhaltung in Zoos. Ein hundertprozentig sicheres Gehege gebe es nicht, sagte Peter Höffken von der Organisation Peta. "Wenn ein Tiger die Möglichkeit hat, einen Menschen anzufallen oder zu entkommen, dann nutzt er diese auch. Allein in diesem Jahr sind schon drei mal Geparden aus ihrem Gehege entkommen, einmal im Kölner Zoo, zwei mal im Tiergarten Nürnberg. Daran sieht man doch: Diese Tiere wollen einfach nur raus."

"Absoluter Blödsinn!", sagte dazu Peter Dollinger, Generalsekretär des Verbands Deutscher Zoodirektoren in Bern. "Wir führen keine Statistik, aber ich denke, wenn es in den letzten zehn Jahren zwei, drei Unfälle mit tödlichem Ausgang in Deutschland gab, dann ist das viel. Und das gibt es natürlich in anderen Branchen genauso."

+++ Roy: Tigerangriff bleibt rätselhaft +++


Hier befindet sich der Kölner Zoo:

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Tigerattacken in Deutschland
Tigerattacken in Deutschland
März 1992: Ein 33-jähriger Besucher des Heimattierparks in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) klettert über die Absperrungen vor einem Raubtierkäfig. Er wird von einem männlichen Sibirischen Tiger angegriffen und schwer verletzt. Zwei Tierpfleger retten den Verletzten.
Dezember 1992: Im Winterquartier des Zirkus Probst in Hohenerxleben (Sachsen-Anhalt) fallen fünf Tiger einen 20-jährigen Tierpfleger an und verletzen ihn lebensgefährlich.
August 1999: Ein Dompteur wird bei Dreharbeiten zu der Fernsehserie "Forsthaus Falkenau" von einem Tiger verletzt. Der 40-jährige Tiertrainer aus Berlin hatte das dreijährige Tigerweibchen Shandra mit einem Fleischköder gereizt. Unerwartet öffnete sich der Karabinerhaken der Kette, mit der das Raubtier an einer Säule festgebunden war. Der Tiger stieß den Dompteur so heftig mit der Pfote an die Brust, dass dieser rückwärts in eine Fensterscheibe fiel und sich an der Hand verletzte.
November 2000: Ein sogenannter Liger verletzt in einem Zirkus im bayerischen Amberg ein fünfjähriges Mädchen schwer: Das Raubtier, eine Mischung aus Löwe und Tiger, schlägt aus einem Gittertunnel heraus mit der Tatze durch die Gitterstäbe und erfasst den linken Fuß des Kindes.
September 2004: Ein 45-Jähriger wird in Querfurt (Sachsen-Anhalt) von einem Königstiger angegriffen und verletzt. Der Freund des Zirkusgeschäftsführers will eine Schubkarre neben dem Tigerkäfig holen. Das Raubtier langt mit der Pranke durch die Gitterstäbe und schlitzt den Oberarm des Mannes auf.
Dezember 2005: In Gießen (Hessen) wird eine Raubtierdompteurin lebensgefährlich verletzt. Die 26-Jährige ist zum Käfig mit vier ausgewachsenen Tigern gegangen, hatte die Klappe zum äußeren Käfig geöffnet und ihren Arm in den inneren Teil zu den Raubtieren gesteckt. Eines oder mehrere Tiere beißen zu und zerrten so stark an ihr herum, dass sich die Dompteurin nicht befreien kann.
September 2009: Ein 46-jähriger Zirkusmitarbeiter will einen Tiger im rheinland-pfälzischen Rennerod füttern. Nach dem Öffnen der Futterklappe beißt der Tiger ihm in den Oberarm. Der Mann wird schwer verletzt.
Dezember 2009: Im Hamburger Tierpark Hagenbeck stürzt ein Dompteur beim "Dinner-Zirkus" mit 200 Gästen in der Manege. Der 28-Jährige wird von mehreren Tigern angegriffen und lebensgefährlich verletzt.
Dezember 2009: Im Zoo von Aschersleben in Sachsen-Anhalt gelangt ein Tiger durch eine nicht geschlossene Schleuse in seinen Käfig, der gereinigt werden soll. Das Raubtier greift eine 30 Jahre alte Tierpflegerin von hinten an und zerrte sie in einen Freiraum. Sie wird schwer verletzt. Der stellvertretende Leiter des Tierparks drängt den Tiger weg und sperrt ihn in den Käfig ein.
Februar 2010: Ein Tiger fällt seinen Dompteur während einer Zirkusvorstellung in Solingen von hinten an und beißt ihm in die Schulter. Der 52-jährige Verletzte wird ins Krankenhaus gebracht.
Tödliche Zootier-Attacken auf Pfleger
Chronologie: Tödliche Zootier-Attacken auf Pfleger
Tödliche Unfälle in europäischen Zoos sind selten.
Doch auch erfahrene Pfleger sind vor plötzlichen Attacken ihrer Schützlinge nicht sicher. Manchmal sind auch missachtete Vorschriften Ursachen für die Unglücke...
Mai 2007: Im Berliner Tierpark Friedrichsfelde wird eine erfahrene Pflegerin von einem 350 Kilogramm schweren Moschusochsen erdrückt...
...Der Sicherungsbalken vor der Gehegetür war nicht korrekt vorgeschoben. Der Bulle gelangte so in das Vorgehege und drückte die 41-jährige Frau gegen ein Gitter...
Das Tier bleibt am Leben. "Es kann nichts dafür", urteilt der Tierpark-Chef.
Oktober 2007: In Frankreich tötet ein Zoo-Löwe einen Tierpfleger. Er greift den Mann im Tierpark von Haute-Touche im Westen des Landes an, als er ihn ins Nachtgehege bringen will...
... Der Leiter des Tierparks tötet den Löwen, der bereits 2001 im Zoo von Vincennes einen Pfleger tödlich verletzt hatte.
November 2006: Im Chemnitzer Tierpark fällt ein Leopard seine Pflegerin an und tötet sie mit einem Nackenbiss. Die Schieber zum Käfig waren nicht richtig verriegelt. Die 23-jährige Frau wollte das Gehege reinigen.
Februar 2005: Ein deutscher Tierpfleger wird im Wiener Zoo von einem Elefanten getötet. Er spießt den 39-jährige Mann auf, als er den vier Jahre alten Jungbullen duschen will.
März 2002: Bei der Fütterung im Jaguar-Gehege des Wiener Zoos vergisst eine 21-jährige Pflegerin, die Luke zu den Großkatzen zu schließen. Sie wird vor den Augen vieler Besucher von drei Jaguaren angefallen und durch einen Genickbiss getötet.
Oktober 2001: Im Londoner Zoo wird ein 44-jähriger Tierpfleger vor den Augen zahlreicher Besucher von Elefanten totgetrampelt. Das Unglück geschah, als der Pfleger die tägliche Elefantenshow vorbereitete, bei der die Tiere ihre Kunststücke zeigen.
Der Mann hatte die Tier 16 Jahre lang versorgt.
Quelle: dpa
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