27.02.04

Fluglotse: Mord aus Rache

Skyguide: Der Tatverdächtige verlor bei der Katastrophe von Überlingen seine ganze Familie.

Zürich. Verzweiflung und Rache war offenbar sein Motiv: Nach dem Mord an dem ehemaligen Lotsen der Schweizer Flugsicherung Skyguide, Peter Nielsen (36), ist gestern ein Verdächtiger festgenommen worden. Der 48-Jährige hatte bei dem Zusammenstoß einer Maschine der Bashkirian Airlines und einer Frachtmaschine der DHL (71 Tote) seine Frau und zwei Kinder verloren. Die Polizei nannte zwar keinen Namen. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll es sich um den Russen Wladimir S. handeln. Er hatte schon bei der Trauerfeier für seine Frau Irina (» 38) und die Kinder Wladislaw (» 13) sowie Veronika (» 15) in Überlingen vor eineinhalb Jahren die Kontrolle über sich verloren.

Auch bei seiner Festnahme habe sich der Verdächtige auffällig benommen, sagte Staatsanwalt Pascal Gossner. "Er verhielt sich so, dass man den Eindruck hatte, dass er den tragischen Verlust . . . noch nicht verarbeitet hat und noch nicht verkraften kann." Ein Alibi, das der Mann angab, werde noch überprüft.

Obwohl er zunächst kein Geständnis ablegte, zeigten sich die Schweizer Ermittler überzeugt, dass der Mann aus Rache den Lotsen tötete. Schon direkt nach dem Mord hatte die Polizei deshalb beim Flughafen und in allen Hotels Listen mit den Namen der Hinterbliebenen vorgelegt. So kam man auf die Spur des jetzt Verhafteten, der am Flughafen Zürich festgenommen wurde. Gossner: "Verschiedene Indizien weisen auf ihn als möglichen Täter hin." Der Verdächtige habe sich zudem wiederholt nach den während des Unglücks verantwortlichen Fluglotsen erkundigt. Derzeit bestünden keine Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Mannes. Ermittler Marcel Suter: "Sämtliche bisherigen Ermittlungsergebnisse rücken den Verhafteten als Tatverdächtigen ins Zentrum."

Das Opfer, Peter Nielsen, hatte in der Nacht der Katastrophe Dienst und war in der Öffentlichkeit schwerer Fehler beschuldigt worden. So hatte er einen Kollegen zur Pause geschickt, obwohl die Lage unübersichtlich war und er nur noch allein vor den Bildschirmen saß. Gleichzeitig warfen zahlreiche Berichte über die Sparmaßnahmen bei Skyguide und den enormen Arbeitsdruck ein negatives Licht auf die Flugsicherung in der Schweiz. Der Untersuchungsbericht zur Katastrophe liegt aber noch nicht vor. Nielsen arbeitete zuletzt nicht mehr als Fluglotse.

Eine arglose Nachbarin hatte dem mutmaßlichen Täter den Weg zum Haus des Lotsen in Zürich gewiesen, als der Unbekannte ihr einen Zettel mit dem Namen des Dänen vorhielt. Nielsens Frau Mette öffnete dem Mann ahnungslos die Tür. Auf der Terrasse stieß der Russe auf sein Opfer. Nielsen wurde durch zahlreiche Stich- und Schnittwunden auch in Herz und Lunge getötet. Die Todesursache war Verbluten. Seine Frau musste alles mit ansehen. Sie steht unter Schock. Der Täter flüchtete zu Fuß. Die Tatwaffe wurde in der Nähe sichergestellt. Es handelt sich um ein Klappmesser mit einer 14 Zentimeter langen Klinge.

Unterdessen geht bei den Fluglotsen in der Schweiz die Angst vor möglichen weiteren Racheakten um. Skyguide hat verschiedene Schutzmaßnahmen für ihre Angestellten ergriffen. Chef Alain Rossier wird ebenso bewacht wie der zweite Fluglotse, der in der Unglücksnacht zusammen mit dem nun Ermordeten Dienst hatte und eine Pause machte.

dpa/afp/rtr/HA/raa
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