Berlin-Gatow
Familiendrama: Vier Tote, Mädchen überlebt in Babyklappe
Ein Mann hat vermutlich seine Frau und zwei Söhne getötet, bevor er sich selbst umbrachte. Ein Kind wurde vorher in Sicherheit gebracht.
Berlin. Ein kleines Mädchen hat die Familientragödie mit vier Toten in Berlin-Gatow überlebt. Die knapp Einjährige sei zuvor in der Babyklappe des Waldkrankenhauses in Spandau abgegeben worden, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Mittwoch. Damit wurden Informationen der "Bild"-Zeitung bestätigt. Ob der Mann das Mädchen anonym ins Krankenhaus brachte und wann, wurde nicht mitgeteilt.
In dem Mehrfamilienhaus im Ortsteil Alt-Gatow am westlichen Rand der Hauptstadt waren am Dienstagabend der 69 Jahre alte Mann, seine 28-jährige Ehefrau sowie die beiden kleinen Söhne tot entdeckt worden.
Die Staatsanwaltschaft vermute einen "erweiterten Suizid", sagte Steltner der Nachrichtenagentur dpa. Es sei anzunehmen, dass der Mann erst seine junge Frau und die beiden Söhne im Alter von drei und sechs Jahren tötete, bevor er sich selbst umbrachte.
Der Mann habe einen Abschiedsbrief hinterlassen, sagte Steltner. Demnach könnten hohe Schulden Auslöser des tödlichen Dramas gewesen sein.
Die Todesursache werde jetzt durch die Obduktion der Leichen geklärt, sagte der Sprecher. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler wurde nicht geschossen, möglicherweise erstickte der Mann seine Familie. Wann sie starb, war ebenfalls noch unklar.
Anwohner des dreigeschossigen Mehrfamilienhauses zeigten sich am Mittwoch geschockt. Am Haus lagen Blumen. Ein Rentner berichtete, er habe den Vater noch am Montag gesehen, als dieser am Ufer der Havel allein unterwegs gewesen sei. "Das war irgendwie komisch, denn eigentlich war die Familie immer zusammen am Wasser." Erst in der vergangenen Woche habe die Familie die Einschulung des Sohnes gefeiert.
Polizeisprecher Stefan Redlich hatte am Dienstagabend gesagt: "Es gibt keine Hinweise, dass die Frau die Tötung gewollt hat." Wahrscheinlich habe sich der Mann nicht unmittelbar nach der Tat das Leben genommen, sondern noch etliche Zeit vergehen lassen, hieß es.
Nachbarn hatten am Dienstagabend kurz nach 20.00 Uhr die Feuerwehr alarmiert, weil der Wagen der Familie schon länger an der selben Stelle geparkt und ein Fenster der Wohnung tagelang offen gestanden habe, erklärte der Polizeisprecher. Die Feuerwehrleute brachen daraufhin die Wohnungstür auf und fanden die Leichen. Die Kinder wurden in ihrem Zimmer entdeckt.
In den vergangenen Wochen hatten mehrere Familiendramen bundesweit für Entsetzen gesorgt. Dabei wurden in Nordrhein-Westfalen in diesem Monat sieben Kinder getötet. Erst am Montag waren in Neuss die Leichen einer Mutter und ihrer beiden Kinder entdeckt worden. Der als gewalttätig bekannte Familienvater soll sie erschossen haben.
Hier spielte sich das Familiendrama ab:















