Familiendrama in Neuss
Mutter und Kinder erschossen - Haftbefehl gegen Vater
Der 35 Jahre alte Fallah S. stehe unter dringendem Tatverdacht. Er sei der Polizei bereits wegen häuslicher Gewalt gegen seine Frau bekannt.
Neuss. Nach der Tötung einer Mutter und ihrer beiden Kinder in Neuss wird der Vater mit Haftbefehl wegen Totschlags gesucht. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Der 35 Jahre alte Fallah S. stehe unter dringendem Tatverdacht. Er sei der Polizei bereits wegen häuslicher Gewalt gegen seine Frau bekannt, sagte der Leiter der Düsseldorfer Mordkommission, Guido Adler.
Er bestätigte, dass die 26 Jahre alter Mutter Saskia S., ihr vierjähriger Sohn Ismael und die acht Jahre alte Tochter Samara erschossen worden sind. Die Polizei sei am Montagabend von Verwandten gerufen worden, die zu einem Besuch an der Wohnungstür der Familie klingelten. Obwohl Radio- oder Fernsehgeräusche aus der Wohnung drangen, sei den Verwandten nicht geöffnet worden. Sie hätten sich Sorgen gemacht, weil die Frau immer zuverlässig gewesen sei und der Besuch verabredet war.
Die ersten eingetroffen Polizisten hätten noch keinerlei Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gehabt und deshalb den Schlüsseldienst abgewartet, um die Tür öffnen zu lassen. Dann seien die Toten entdeckt worden, berichtete der Ermittler.
Vom Ehemann der Frau fehlt jede Spur. Die Fahnder überlegen, den Mann öffentlich zur Fahndung auszuschreiben. "Uns interessiert der Aufenthaltsort des Ehemanns", sagte ein Sprecher der Polizei Neuss. Ob die Tatwaffe in der Wohnung lag, wollten die Ermittler zunächst nicht preisgeben. Auch weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.
In den vergangenen Wochen hatten mehrere Familiendramen bundesweit für Aufsehen gesorgt, darunter drei in Nordrhein-Westfalen. "Gewalt ist in der Regel ein Beziehungsdelikt. Es ist wahrscheinlicher, innerhalb der Familie Gewalt zu erleiden, als das Opfer eines Unbekannten auf der Straße zu werden", sagte Kriminologe Andreas Ruch von der Universität Bochum am Dienstag auf Anfrage. Einen statistisch belastbaren Zusammenhang wie etwa die Ferienzeit sieht der Experte nicht.
Erst Anfang August (3.8.) waren nach einem Wohnungsbrand in Dortmund drei tote Kinder entdeckt worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 29 Jahre alte Freundin des Vaters die zwei Jungen und ein Mädchen ermordet hat. Knapp eine Woche später (9.8.) hatte ein 27 Jahre alter Mann in Oberhausen einen acht Jahre alten Jungen mit einem Messer erstochen. Zwei Tage später (11.8.) kam in Essen ein siebenjähriges Mädchen um – seine Mutter soll zuerst das Mädchen und dann sich selbst getötet haben.
In der vergangenen Woche hatte im oberbayerischen Emmering eine Mutter ihre beiden kleinen Söhne und sich selbst umgebracht. Wenige Tage zuvor hatte im Allgäu ein Familienvater seine vier und zehn Jahre alten Söhne getötet, dann hatte sich der 44-Jährige an einem Bagger erhängt.
Mit Material von dpa















