Spektakuläre Befreiungsaktion
Vom Panzer zum Gabelstapler – Häftling scheitert mit Fluchtversuch
Seine spektakuläre Befreiungsaktion aus dem Gefängnis mit einem Panzer ist vielen noch in Erinnerung. Nun hat der Mann es wieder versucht, diesmal allerdings ohne Erfolg. Für seinen ausgeklügelten Ausbruchsplan wählte er erneut ein besonderes Gefährt.
Schwalmstadt. Einst donnerte er mit einem Panzer durchs Gefängnistor hinein, nun wollte er mit einem Gabelstapler raus: Ein Häftling hat im Gefängnis im nordhessischen Schwalmstadt einen Fluchtversuch mit einem Gabelstapler gestartet. Allerdings wurde er beim Kurzschließen des Gefährts erwischt, sagte ein Sprecher des hessischen Justizministeriums am Freitag. Zuvor hatte die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" (HNA) über den Vorfall vom Mittwoch berichtet.
Die Durchsuchung der Zelle offenbarte seinen ausgeklügelten Plan: Mit aufgestapelten Paletten und dem Stapler wollte er auf ein Dach der JVA gelangen, mit selbst gebauten Steigeisen die Mauer überwinden und sich mit einem Seil aus Wäschesäcken in die Freiheit herablassen. "Die Mauer hätte er nie überwunden", sagte der Ministeriumssprecher. Zudem fanden die Beamten unter anderem einen Stadtplan und eine Lebensversicherungspolice. Der Häftling kam in eine andere Anstalt.
Der Mann, dem laut "HNA" nach seiner Verurteilung wegen schweren Raubes und sexueller Nötigung die Sicherungsverwahrung in Aussicht steht, stand bereits 1993 mit einem spektakulären Ausbruch in den Schlagzeilen. Er stahl einen Panzer und befreite damit einen Mörder.
Rückblende: Ein 18 Tonnen schwerer Panzerspähwagen vom Typ "Fuchs" wird an einem Sonntag im April 1993 in der Herrenwald-Kaserne in Stadtallendorf gestohlen. Der Täter fährt über die Landstraße ins etwa 22 Kilometer entfernte Schwalmstadt, wo er mit dem Panzer in voller Fahrt zunächst die eiserne Außenpforte des Gefängnisses plattwalzt, sich von drei weiteren Toren nicht aufhalten lässt und schließlich bis in den Hof rollt. Das äußere Gefängnistor "knickte wie ein Streichholz ein", sagte der stellvertretende JVA-Leiter damals.
Ein Häftling – ein dreifacher Mörder – springt auf den Panzer auf und schon geht es rückwärts vom Hof. Die Befreiungsaktion am Südturm der Anstalt dauert keine fünf Minuten. Erst etwa 25 Kilometer weiter an der Autobahn Frankfurt – Kassel südlich von Alsfeld wird der Panzer gefunden. Von dem Duo keine Spur. Die beiden hatten sich 1991 in der Haftanstalt Butzbach kennengelernt, sie verband eine Freundschaft. Der Häftling wurde erst Monate später gefasst.
Zu spektakulären Ausbrüchen kommt es immer wieder: 2007 versteckt sich ein Häftling in Darmstadt in einem Karton mit Schuhspannern, der von einem Lastwagen aus der JVA gefahren wird. Drei Jahre zuvor gelingt einem Häftling zum dritten Mal die Flucht, als er in der als besonders sicher geltenden JVA Mannheim mit seinem Essbesteck den Mörtel von der Zellenwand kratzt und einen Steinquader aus der Mauer stemmt.
Unterdessen sind drei vor einer Woche entflohene Häftlinge noch nicht zurück in der Psychiatrie in Hadamar, wie das hessische Sozialministerium mitteilte. Die drogensüchtigen Männer, die wegen Raubes und räuberischer Erpressung mehrjährige Haftstrafen verbüßten, waren über einen Notbalkon der forensischen Klinik entkommen.












