17.08.12

Norwegen

Polizeichef wegen Breivik-Anschlägen zurückgetreten

Nach der Kritik einer Kommission am Einsatz gegen Massenmörder Anders Behring Breivik ist der Polizeichef des Landes zurückgetreten.

Foto: dpa/DPA
Norway chief of police resigns in wake of critical report
Der norwegische Polizeichef Oeystein Maeland ist zurückgetreten

Frankfurt/Main. Der norwegische Polizeichef Oeystein Maeland hat aus der scharfen Kritik am Krisenmanagement bei dem Massaker in Oslo und Utöya die Konsequenzen gezogen und seinen Rücktritt erklärt. Er habe nicht länger den Rückhalt der Regierung gespürt, teilte Maeland am Freitag in einer Stellungnahme mit. Daher lege er mit sofortiger Wirkung seinen Posten nieder.

Vier Tage zuvor hatte eine unabhängige Expertenkommission der Polizei in ihrem Bericht vorgeworfen, dass der geständige Attentäter Anders Behring Breivik vermutlich viel eher hätte gestoppt werden können. Sein Bombenattentat im Osloer Regierungsviertel mit acht Toten hätte demnach verhindert werden können, wenn bereits bestehende Sicherheitsmaßnahmen effektiver umgesetzt worden wären. Hätte die Polizei schneller reagiert, hätte sie zudem Breiviks Amoklauf auf der Ferieninsel Utöya früher Einhalt gebieten können. Dort tötete der Rechtsextremist 69 Menschen. Anschuldigungen erhob die Kommission auch gegen den norwegischen Geheimdienst. Dieser hätte mehr tun können, um Breivik noch vor der Tat aufzuspüren.

+++ Schwere Fehler der Polizei in Oslo +++

Justizministerin Grete Faremo hatte den Rücktritt Maelands laut der britischen BBC am Donnerstagabend während einer norwegischen Fernsehdebatte bekanntgegeben. "Falls das Ministerium und andere politische Autoritäten diese Angelegenheit nicht eindeutig klären, wird es für mich unmöglich, weiterzumachen", erklärte Maeland.

Der Vorsitzende des norwegischen Polizistenverbands, Arne Johannessen, bedauerte die Entscheidung Maelands. Sein Rücktritt komme für die Polizei zum ungünstigsten Zeitpunkt, sagte Johannessen laut einem Bericht der Zeitung "The Norway Post." Mit dem Vakuum in ihrer Führung stehe der Polizei in dieser wichtigen Zeit nun eine sehr schwierige Lage bevor.

Nach der Veröffentlichung des Kommissionsberichts am Montag waren in Norwegen auch Forderungen nach personellen Konsequenzen im Kabinett von Ministerpräsident Jens Stoltenberg laut geworden. Das Urteil im Prozess gegen Breivik soll am 24. August verkündet werden. (dapd)

Die schlimmsten Terroranschläge nach dem 11. September
Mumbai, Madrid, London, Frankfurt und weitere
2001 kaperten islamistische Terroristen vier US-Verkehrsflugzeuge und steuerten zwei davon in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York und eines ins Pentagon. Die letzte Maschine stürzte auf freiem Feld ab. Fast 3000 Menschen starben, Tausende wurden verletzt. Die Flugzeugentführer gehörten zur Terrororganisation al-Qaida, deren damaliger Anführer Osama Bin Laden im Mai 2011 von einer US-Eliteeinheit in Pakistan aufgespürt und erschossen wurde. Das waren die schwerwiegendsten Terroranschläge seitdem:
September/Oktober 2001: In den Wochen nach 9/11 erhalten US-Kongressabgeordnete Briefe mit Milzbranderregern. Fünf Menschen sterben an Lungenmilzbrand. Das FBI prüft einen terroristischen Hintergrund. Später erhärtet sich der Verdacht, dass die Bakterien aus Labors des amerikanischen Biowaffenprogramms stammen. 2008 wird dem US-Biologen Bruce Ivins vorgeworfen, für die Versendung verantwortlich zu sein. Bevor es zur Anklage kommt, nimmt sich der Wissenschaftler das Leben.
11. April 2002: Mit einem Lastwagen voller Flüssiggas verübt ein Tunesier einen Anschlag auf die Al-Ghriba-Synagoge auf der tunesischen Insel Djerba. 21 Menschen sterben, darunter 14 deutsche Touristen. 2009 wird der Duisburger Islamist Christian G. in Paris als Komplize verurteilt – er hatte Zugang zum Al-Qaida-Führungszirkel in Afghanistan.
23. Oktober 2002: Tschetschenische Rebellen besetzen ein Musical-Theater in Moskau und nehmen 800 Geiseln. Russische Spezialkräfte stürmen zwei Tage später das Gebäude und erschießen 41 Geiselnehmer. 129 Geiseln werden getötet: zwei durch Schüsse, die übrigen durch das Narkosegas der Sicherheitskräfte. Die Täter forderten ein Ende der russischen Militäraktionen in ihrer Heimat.
16. Mai 2003: Fünf Sprengsätze detonieren fast gleichzeitig im Zentrum der marokkanischen Hafenstadt Casablanca und beschädigen ein jüdisches Gemeindezentrum, das belgische Konsulat, ein Hotel und ein spanisches Restaurant. 41 Menschen werden getötet, rund 100 Menschen verletzt. Innenminister Mustapha Sahel macht Selbstmordattentäter für die Tat verantwortlich und spricht von der "wohlbekannten Handschrift internationaler Terroristen".
15. November 2003: Zwei Selbstmordattentäter reißen bei Anschlägen auf zwei Synagogen in Istanbul 23 Menschen mit in den Tod. Etwa 300 Menschen werden bei den Explosionen der Autobomben verletzt.
20. November 2003: Bei Bombenanschlägen auf das britische Konsulat und eine britische Bank in Istanbul werden mindestens 30 Menschen getötet, darunter auch der britische Generalkonsul Roger Short. Rund 400 Menschen werden verletzt.
11. März 2004: Der islamistische Terror kommt nach Westeuropa: Sprengstoffattentäter greifen überfüllte Nahverkehrszüge in Madrid an. Sie haben zehn Sprengsätze in ihren Rucksäcken versteckt. 191 Menschen werden in den Tod gerissen, etwa 1800 verletzt. Der Anschlag wurde nicht direkt von al-Qaida geplant, ein Drahtzieher erklärt 2004 aber, im Namen der Organisation gehandelt zu haben.
1. September 2004: Tschetschenische Rebellen besetzen eine Schule im russischen Beslan und nehmen mehr als 1.200 Schulkinder und deren Angehörigen in ihre Gewalt. Die Geiselnahme endet nach drei Tagen in einem Inferno aus Explosionen und Schüssen. 330 der Geiseln sterben, fast die Hälfte von ihnen Kinder. Bei der Erstürmung des Gebäudes durch Sicherheitskräfte werden auch 31 der 32 Täter getötet.
7. Juli 2005: Bei nahezu zeitgleichen Anschlägen auf Londoner Busse und U-Bahn-Stationen kommen 52 Menschen ums Leben. Hunderte werden verletzt. Die islamistisch motivierten Täter wohnten in England.
31. Juli 2006: Nach den Attacken in Spanien und England wollen islamistische Terroristen auch in Deutschland einen Terroranschlag verüben: Auf dem Kölner Hauptbahnhof deponieren sie zwei Kofferbomben in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz, die aber nicht explodieren. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft verhinderten nur die mangelhaften Chemiekenntnisse des später verurteilten Attentäters ein Blutbad unter den Reisenden.
10. August 2006: Die britische Polizei verhindert nach eigener Darstellung eine Serie von Terroranschlägen auf Flugzeuge und damit einen "Massenmord von unvorstellbarem Ausmaß". 24 Verdächtige sollen geplant haben, Sprengstoff in flüssiger Form auf Transatlantikflügen in die USA zu schmuggeln und in der Luft zur Explosion zu bringen.
30. Juni 2007: Einen Tag nach der Entdeckung zweier Autobomben in London rast ein Geländewagen in die Abfertigungshalle des Flughafens Glasgow und geht in Flammen auf. Fünf Menschen werden verletzt. Die Behörden rufen die höchste Terroralarmstufe aus.
14. August 2007: Vier irakische Selbstmordattentäter zünden fast zeitgleich Sprengsätze in Wohnvierteln der religiösen Minderheit der Jasidis im Nordwesten des Landes. 175 Menschen sterben bei dem Attentat im Irak. Etwa 200 werden nach Militärangaben verletzt. Der Bürgermeister von Sindschar, einer Stadt unweit der Anschlagsorte, macht Al-Kaida im Irak für die Bluttat verantwortlich.
4. September 2007: Nach umfassenden Ermittlungen und Observationen nehmen deutsche Polizisten drei Terroristen der sogenannten Sauerland-Gruppe fest. Zwei Monate später geht den Fahndern in der Türkei der vierte Verdächtige ins Netz. Die selbst gebastelten Autobomben der Mitglieder der al-Qaida-nahen Islamischen Dschihad-Union sollten vor US-Einrichtungen in Deutschland im Namen des Islams Hunderte von Menschen in den Tod reißen. Im März 2010 werden die Terroristen, darunter zwei deutsche Konvertiten, zu Haftstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren verurteilt.
20. September 2008: Eine Autobombe verwüstet das Marriott-Hotel in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Mindestens 54 Menschen sterben, mehr als 250 werden verletzt.
26. November 2008: Vermutlich aus Pakistan stammende Terroristen überfallen im indischen Mumbai unter anderem das Luxushotel Taj Mahal. Unter den 164 Toten sind auch Deutsche.
25. Dezember 2009: Am Weihnachtstag scheitert der Selbstmordanschlag eines Nigerianers an Bord eines US-Passagierflugzeugs nach Detroit; der in seiner Unterhose versteckte Sprengsatz zündet nicht. Der Al-Qaida-Zweig auf der arabischen Halbinsel übernimmt die Verantwortung, später stellt sich auch Bin Laden selbst dahinter.
1. Mai 2010: Ein aus Pakistan stammender US-Bürger will in einem von ihm auf dem New Yorker Times Square abgestellten Geländewagen drei Bomben zünden. Alle drei Sprengsätze werden aber rechtzeitig entschärft. Der in Pakistan ausgebildete Taliban-Kämpfer wird zu lebenslanger Haft verurteilt.
11. Juli 2010: Bei einem Doppelanschlag auf Fußballfans in Uganda kommen 76 Menschen ums Leben. In der Hauptstadt Kampala explodieren während der Übertragung des WM-Finales in einem äthiopischen Restaurant und einem Rugby-Klub Sprengsätze. Die islamistische somalische Al-Shabab-Miliz bekennt sich zu den Anschlägen und erklärt, sie seien die Rache für die Beteiligung Ugandas an der Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) in Somalia.
29. Oktober 2010: Paketbomben aus dem Jemen sorgen für Aufregung. Sie sind an Synagogen im Großraum Chicago adressiert. Eine der Paketbomben wird per Luftpost über Deutschland transportiert. Sie kann nach einem Hinweis der deutschen Sicherheitsbehörden in Großbritannien abgefangen werden. Die Al-Qaida-Filiale auf der arabischen Halbinsel bekennt sich zu dem Anschlagsversuch. Er löst eine Diskussion über die Sicherheit im Luftfrachtverkehr aus.
31. Oktober 2010: Selbstmordattentäter nehmen Gläubige in einer katholischen Kirche in Bagdad als Geiseln und bringen Stunden später ihre Sprengstoffgürtel zur Explosion. 68 Menschen sterben. Eine Gruppe mit Verbindungen zu al-Qaida bekennt sich später zu der Tat. Ein Dreivierteljahr nach der Geiselnahme verurteilt ein irakisches Gericht drei Angeklagte als Drahtzieher der Bluttat zum Tode.
11. Dezember 2010: In der Innenstadt von Stockholm detoniert zunächst ein Auto, kurz darauf kommt ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter bei einer weiteren Explosion in der Nähe ums Leben. Zwei Menschen werden verletzt. Medienberichten zufolge deutet ein Bekennerschreiben auf einen islamistischen Hintergrund hin. Die schwedische Polizei geht davon aus, dass die Explosionen auf der Einkaufsstraße von einem Einzeltäter verübt wurden.
24. Januar 2011: Bei einem Terroranschlag mit Sprengstoffgürtel auf einem Moskauer Flughafen sterben 36 Menschen. 180 weitere werden nach Regierungsangaben verletzt, unter ihnen auch ein Deutscher. Präsident Dmitri Medwedew spricht von einem Terrorakt. Der Selbstmordattentäter soll russischen Ermittlern zufolge ein 20-jähriger Mann aus dem Kaukasus gewesen sein. Später bekennt sich der tschetschenische Rebellenführer Doku Umarow zu dem Anschlag.
2. März 2011: Zum ersten Mal endet ein islamistisch motivierter Terroranschlag in Deutschland tödlich: Ein 21-jähriger Kosovare mit Wohnsitz in Frankfurt schießt am Flughafen der Stadt zwei US-Soldaten nieder und verletzt zwei weitere. Es soll sich um einen Einzeltäter handeln, der sich im Internet radikalisiert haben soll.
29. März 2011: Bei einer Geiselnahme in einem Regierungsgebäude im Irak sterben mindestens 56 Menschen. Am Ende des mehrstündigen Dramas mit heftigen Feuergefechten in der Stadt Tikrit werden 15 Geiseln durch Kopfschüsse hingerichtet, bevor sich die Täter selbst in die Luft sprengen. Mindestens 98 weitere Menschen wurden verletzt. Die Behörden machen den irakischen Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida für die Tat verantwortlich.
11. April 2011: In Weißrussland sterben bei einem Terroranschlag auf eine U-Bahn-Station im Zentrum von Minsk 13 Menschen. Mehr als 200 werden verletzt.
28. April 2011: Bei einem Bombenanschlag auf ein Café in Marrakesch kommen 16 Menschen um, darunter 14 Ausländer. Die marokkanische Regierung vermutet al-Qaida dahinter.
29. April 2011: Die Bundesanwaltschaft lässt drei mutmaßliche Al-Qaida-Mitglieder in Bochum und Düsseldorf festnehmen. Die Männer seien beim Bau eines Sprengsatzes "noch in der Experimentierphase" gewesen, hätten aber den Auftrag gehabt, einen Anschlag in Deutschland zu begehen.
22. Juli 2011: Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik verübt einen Doppelanschlag. Durch die Explosion einer selbst gebauten Bombe am Osloer Regierungssitz sterben acht Menschen. Anschließend erschießt Breivik in einem Jugendlager auf der norwegischen Insel Utöya 69 Menschen. Der 32-Jährige gesteht die Taten und erklärt, sie seien Teil einer Kulturrevolution gegen eine "Islamisierung" Europas.
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