15.08.12

Überlebenskampf im Eis

70-Jähriger harrt eine Woche lang in Gletscherspalte aus

Der deutsche Bergsteiger, der sechs Tage und Nächte in einer Gletscherspalte in den Tiroler Alpen überlebte, ist nach Aussage seiner Ärzte kaum verletzt.

Foto: dapd
Bergretter versorgen einen 70-Jährigen nach der Bergung aus einer Gletscherspalte. Der deutsche Bergsteiger hatte nach einem Sturz fast eine Woche in den österreichischen Alpen überlebt
Bergretter versorgen einen 70-Jährigen nach der Bergung aus einer Gletscherspalte. Der deutsche Bergsteiger hatte nach einem Sturz fast eine Woche in den österreichischen Alpen überlebt

Innsbruck. Nach seiner Rettung aus einer Gletscherspalte in den österreichischen Alpen erholt sich ein deutscher Bergsteiger offenbar schnell von den Strapazen. Nach einer Woche in der Gletscherspalte war der 70-Jährige aus dem oberpfälzischen Schmidmühlen "in erstaunlich gutem Zustand" und ansprechbar, sagte Hansjörg Knoflach von der Alpinpolizei im Bezirk Innsbruck Land am Mittwoch auf dapd-Anfrage. "Er war natürlich sehr, sehr erschöpft und gezeichnet" und völlig durchnässt, schilderte Knoflach seine Eindrücke von dem Verunglückten bei der Bergung am Dienstag.

Knoflach, der den Verunglückten am Mittwoch im Krankenhaus besuchte, berichtete, der 70-Jährige sei "voll wach und ansprechbar". Erst jetzt, nach seiner Rettung, begreife er, was passiert sei. "Am Anfang war der Überlebenskampf im Vordergrund", habe der Deutsche in der Klinik erzählt, wo er noch bis mindestens Freitag auf der Intensivsation bleiben muss. Der Oberpfälzer geht laut Knoflach schon seit 30 Jahren in die Berge und ist meist allein unterwegs.

Auch diesmal war der Bergsteiger nach Angaben der Polizei allein und ohne Sicherung im Bereich des Längentaljoches in Tirol unterwegs. Am 8. August gegen 7.30 Uhr brach er vom Westfahlenhaus zu einer Wanderung auf. "Er wollte Richtung Amberger Hütte", berichtete Knoflach. Als der Bergsteiger über eine Schneebrücke ging, brach er ein und stürzte etwa 15 bis 20 Meter in die Tiefe. Dort hatte er eine Fläche von anderthalb bis zwei Quadratmetern, auf der er sich bewegen konnte.

"Links und rechts wäre es weiter runtergegangen", beschrieb Knoflach. Von oben drohte ein eingeklemmter Eisklotz herabzustürzen. Der Mann sei in "einer sehr misslichen Situation" gewesen. Die knappe Woche habe der Bergsteiger überlebt, weil er in seiner Trinkflasche Schmelzwasser sammelte. Und: "Er hatte ein paar Kekse dabei", sagte der Alpinpolizist. Hin und wieder döste der Verunglückte auf seinem kleinen Vorsprung vor sich hin.

Am Dienstag schließlich hörte eine 28 Jahre alte Frau aus Deutschland, die mit zwei Begleitern wanderte, die Hilferufe des Bergsteigers und verständigte die Einsatzkräfte. Bergretter zogen den Mann aus der Spalte, ein Hubschrauber brachte ihn in eine Innsbrucker Klinik.

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