15.08.12

Niederlande

Wenig Hoffnung für Prinz Friso: Seit sechs Monaten im Koma

Am 17. Februar wurde Prinz Friso von einer Lawine verschüttet. Seit sechs Monaten liegt er im Koma. Mit jedem Tag schwindet die Hoffnung auf Genesung.

Foto: dpa
Prinz Johan Friso aufgenommen kurz vor seinem Lawinen-Unfall. Er liegt im Wachkoma
Prinz Johan Friso aufgenommen kurz vor seinem Lawinen-Unfall. Er liegt im Wachkoma

Amsterdam. Für die kleinen Gräfinnen Luana (7) und Zaria (6) sollte der Geburtstag ihrer Mutter so unbeschwert wie möglich werden, traditionell mit Girlanden und Kuchen. Doch der 44. Geburtstag der niederländischen Prinzessin Mabel am vergangenen Sonnabend in London war kein Freudentag. Seit sechs Monaten liegt ihr Mann, Prinz Friso, nach einem Lawinenunglück mit schweren Hirnverletzungen im Koma. Täglich besucht Mabel ihren Mann im Londoner Wellington-Krankenhaus. Auch Königin Beatrix fliegt einmal in der Woche zu ihrem zweitältesten Sohn.

Seit dem 17. Februar ist für die königliche Familie nichts mehr wie früher. An jenem Freitag wurde der 43 Jahre alte Prinz im österreichischen Lech beim Skifahren von einer Lawine verschüttet. 25 Minuten lag er ohne Sauerstoff unter den Schneemassen, 50 Minuten lang musste er reanimiert werden. Zu lange.

Es folgten Tage zwischen Bangen und Hoffen. Würde der Prinz überleben und könnte er jemals wieder gesund werden? Der Chefarzt der Traumabteilung des Landeskrankenhauses Innsbruck, Wolfgang Koller, machte eine Woche nach dem Unfall wenig Hoffnung: "Es kann derzeit nicht gesagt werden, ob er jemals wieder das Bewusstsein erlangen wird." Seitdem ist der Zustand des Prinzen unverändert. Noch im Juli hatte sein Bruder, Kronprinz Willem-Alexander, erklärt: "Ich hoffe, dass wir in Zukunft mit einem positiven Bericht kommen können." Doch danach sieht es nicht aus.

+++ Im Koma oder sterben lassen? Das Drama um Prinz Friso +++

"Sechs Monate sind eine kritische Grenze", sagt der medizinische Ethiker am Erasmuskrankenhaus der Universität Rotterdam, Erwin Kompanje. "Bis dahin hofft man noch auf eine Besserung." In den Niederlanden wird nach einem halben Jahr von Ärzten und Angehörigen erwogen, die Behandlung zu beenden. Aber der Prinz liege in einer Londoner Klinik, betont Kompanje, der die niederländischen Richtlinien für die Behandlung von Komapatienten mitentwickelt hat. "Die königliche Familie wird vor schweren Entscheidungen stehen."

Dazu schweigt der Hof. In der vergangenen Woche gab es aber ein Indiz, dass die Oranjes das Unabänderliche akzeptiert haben. Frisos Biografie auf der königlichen Website wurde angepasst. "Prinz Friso wurde am 17. Februar Opfer eine Lawine im Skigebiet von Lech, Österreich", steht dort nun schwarz und weiß.

Schnell nahm Königin Beatrix nach dem Unglück ihre Aufgaben als Staatsoberhaupt wieder wahr. "Jeder hätte verstanden, wenn die Oranjes alles abgesagt hätten," meinte der Königshaus-Reporter des Privatsenders RTL, Antoin Peeters, voller Hochachtung. "Aber sie entschieden sich für den schweren Weg. Alle Termine wurden eingehalten."

Auch den Königinnentag am 30. April, den "koninginnedag", feierte die Familie mit Ausnahme von Prinzessin Mabel traditionell gemeinsam mit dem Volk. Eine Welle von Sympathie schlug ihr entgegen. "Sie ist eine tapfere Frau," sagt Janneke Visser aus Amsterdam. "Ich bin nicht für die Monarchie, aber das ist doch schrecklich für jede Mutter." Die meisten Niederländer hätten Verständnis, wenn Beatrix, die im Januar 75 Jahre alt wird, bald abdanken würde.

Jetzt erlebten Millionen auf den Bildschirmen auch wieder eine fröhliche Familie. Bei den olympischen Spielen in London jubelten Willem-Alexander, Prinzessin Maxima und ihre drei Töchter den niederländischen Sportlern zu. Und mit ihnen auf der Tribüne hopsten ausgelassen auch Luana und Zaria, die Töchter von Mabel und Friso.

Koma, Wachkoma, Hirntod – oft Folge von Sauerstoffmangel
Ein Wachkoma kann eintreten, wenn das Großhirn eines Patienten nach schwersten Unfällen ausfällt. Damit sind sein Bewusstsein, seine Erinnerung und viele weitere Funktionen zerstört. Weil das Stammhirn aber noch aktiv ist, werden Blutdruck, Atmung und viele Reflexe weiterhin geregelt.
Patienten im Wachkoma (apallisches Syndrom) haben zwar die Augen geöffnet, ihr Blick geht jedoch ins Leere. Normalerweise haben die Patienten nach Auskunft von Ärzten kein Bewusstsein und können weder emotionalen Kontakt aufnehmen noch Aufforderungen befolgen.
Das Wachkoma tritt meist als Folge eines schweren Sauerstoffmangels im Hirn auf. Zu den Ursachen zählen Hirnverletzungen oder -entzündungen, Vergiftungen, Herz- oder Atemstillstand und Schlaganfall.
Behandeln lässt sich nur die Grunderkrankung, die zum Wachkoma geführt hat. Darüber hinaus werden Wachkoma-Patienten künstlich ernährt und bekommen Krankengymnastik sowie einen Blasenkatheter.
Der Zustand des Patienten ist eine schwere Belastung für die Angehörigen. Er hat die Augen geöffnet, reagiert aber nicht auf Ansprache oder andere Versuche der Kontaktaufnahme.
Eine Rückkehr des Bewusstseins nach mehr als drei Monaten gilt als unwahrscheinlich. Die meisten Patienten sterben nach zwei bis fünf Jahren an Komplikationen wie Lungen- oder Harnwegsinfektionen.
Manchmal kann der Patient allerdings über Jahre hinaus in diesem Zustand bleiben.
Das Koma (griechisch für "tiefer, fester Schlaf") ist der schwerste Grad einer Bewusstseinsstörung.
Der Patient lässt sich durch äußere Reize nicht daraus erwecken. Selbst auf Schmerz reagiert er nicht mehr.
Aus einem Koma kann man aber wieder erwachen.
Bei Hirntoten sind die Gesamtfunktionen des Großhirns, Kleinhirns und Stammhirns unwiederbringlich erloschen.
Ursachen sind beispielsweise Schädel-Hirn-Verletzungen, Hirnblutungen oder Herz- Kreislauf-Stillstand.
Der Mensch atmet nicht mehr. Durch künstliche Beatmung kann der Blutkreislauf aber erhalten werden. Dies geschieht etwa, um ihm zu einem späteren Zeitpunkt Organe zu entnehmen.
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