"Anna"-Darstellerin
Stille Trauer um Silvia Seidel - Beerdigung in Müchener Vorort
Die Schauspielerin, die vor 25 Jahren als Star der Ballett-Fernsehserie "Anna" bekannt wurde, soll fernab jeder Öffentlichkeit beigesetzt werden. Die genaue Todesursache ist weiter unklar, die Polizei geht von Selbstmord aus.
München. Die letzte Ehre wurde der toten Schauspielerin Silvia Seidel an diesem Mittwoch in einem Münchener Vorort erwiesen. Sie sollte dort in aller Stille beigesetzt werden. Die Angehörigen hätten um Diskretion gebeten, hieß es beim zuständigen Bestattungsinstitut. Die Schauspielerin wurde vergangene Woche tot aufgefunden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Mit 17 hatte Seidel als blonde Primaballerina "Anna" in der gleichnamigen ZDF-Serie ein Millionen-Publikum begeistert. Glücklich wurde Seidel mit ihrem Ruhm nicht. Der Erfolg machte der als sensibel geltenden Schauspielerin in den Folgejahren sehr zu schaffen. "Die Rolle hat mir mein Leben versaut", klagte Seidel einst in einem Interview. In ihrer Münchner Wohnung setzte die 42-Jährige ihrem Leben ein Ende.
+++ Schauspielerin Silvia Seidel stirbt mit nur 42 Jahren +++
Ihre besten Jahre als Schauspielerin hatte die gebürtige Münchnerin in den 80er Jahren. Bereits 1984 wirkte sie als eine Fee in der Verfilmung von Michael Endes "Die unendliche Geschichte" mit. 1987 übernahm Seidel schließlich die Hauptrolle in der ZDF-Serie "Anna", mit der viele ZDF-Zuschauer auch heute noch ihren Namen in Verbindung setzen. "Anna" war ein Erfolg, ein Millionen-Publikum verfolgte damals die Weihnachtsserie. Es folgte der Kinofilm, in dem Patrick Bach an ihrer Seite die männliche Hauptrolle spielte. Seidel erhielt für den Film mit 18 Jahren den Bambi. Es blieb der Höhepunkt in ihrer Filmkarriere.
Mit dem Suizid ihrer Mutter 1992 erlitt Seidel einen Schicksalsschlag. Statt großer Filmrollen übernahm die Schauspielerin seitdem nur noch kleine Auftritte. Unter anderem war Seidel in den Serien "Soko Leipzig", "Siska" und "Die Rosenheim-Cops" zu sehen. Auch privat klagte sie über Probleme. "Ich bin oft arbeitslos und weiß dann nicht, wovon ich die Miete bezahlen soll", gab die Schauspielerin einst zu.
Zuletzt soll Seidel häufiger in einer Münchner Eckkneipe zu Gast gewesen sein. Als sie dort zuletzt nicht mehr auftauchte, hatte die Wirtin die Polizei verständigt. Die Beamten fanden die Leiche von Silvia Seidel schließlich in ihrer Münchner Wohnung. "Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden gibt es nicht", bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München am Dienstag. Treffend beschreibt der Titel ihres letzten Fernsehauftrittes als Judith Petersen im Forsthaus Falkenau den tragischen Lebensverlauf von Silvia Seidel: "Verloren gegangen".
Schauspielerin Isabell Gerschke (33) hat traurig auf den Tod ihrer Kollegin reagiert. "Die Nachricht hat mich sehr betroffen gemacht, weil sie natürlich ein Teenie-Idol von mir war. Das finde ich sehr hart", sagte die Hallesche "Polizeiruf"-Kommissarin am Dienstag in Berlin.
Gerade im Schauspielerberuf sei es sehr wichtig, bei seiner Familie oder bei Freunden ein stabiles Fundament zu haben, zu dem man immer zurückkehren könne. Dies müsse man sich aber auch ein bisschen selbst bauen. "Jeder braucht irgendwas, wo er mal loslassen kann, wo er auch aufgefangen wird", sagte sie. "Das ist besonders wichtig in einem Beruf, in dem man mal Erfolg hat und mal nicht, in dem man nicht weiß, ob man im nächsten Jahr Arbeit bekommt und genug Geld zum leben hat. All das kann einen natürlich unsicher machen und vielleicht auch instabil."
"Anna"-Autor Justus Pfaue erinnert sich an seine Hauptdarstellerin Silvia Seidel als Menschen, der weder am Filmset noch im Leben je Ellenbogen eingesetzt hat. "Silvia gab mehr Liebe, als sie annehmen konnte", schreibt Pfaue, Jahrgang 1942, in einem in der Berliner "B.Z." (Mittwochsausgabe) veröffentlichten Nachruf.
"Um in diesem Beruf aber über Jahre erfolgreich zu sein, muss man auch seine Ellbogen einsetzen können. Und das wollte oder konnte Silvia nicht", so Pfaue. "Jemand hätte sie in den letzten Jahren anrufen sollen. Jemand hätte fragen sollen, wie es ihr geht. Jemand hätte Silvia Hilfe anbieten sollen", schreibt der "Anna"-Erfinder. "Dafür schäme ich mich heute: Dieser Jemand hätte ich sein können."
Mit Material von dapd und dpa















