25.07.12

Prozess

"Pulver-Kurt" ist zu Prozessbeginn geständig

Waffennarr aus Becherbach hortete Unmengen an Waffen und Sprengstoff auf seinem Anwesen in Becherbach. Ihm drohen jetzt fünf Jahre Haft.

Foto: dapd/DAPD
Prozessauftakt gegen "Pulver-Kurt"
Der als "Pulver-Kurt" bekannt gewordene Rentner Kurt N. (r.) sitzt am Mittwoch neben seinem Anwalt Ulrich Stange in einem Verhandlungssaal im Landgericht in Bad Kreuznach. Die Polizei hatte vor anderthalb Jahren zahlreiche Gewehre, Waffen sowie mehr als 40 Kilogramm Sprengstoff bei ihm sichergestellt - bundesweit der groesste Waffenfund bei einer Privatperson

Bad Kreuznach. Es war der größte Fund von Waffen und Munition, den es bundesweit seit Langem bei einer Privatperson gegeben hatte: Im vergangenen Jahr stellte die Polizei auf dem Anwesen eines Rentners im rheinland-pfälzischen Becherbach unter anderem sechs Maschinengewehre, sechs Maschinenpistolen, zwölf Gewehre, achtzehn Pistolen, sieben Handgranaten und jede Menge Sprengstoff sicher. Seit Mittwoch muss sich der als "Pulver-Kurt" bekannt gewordene Mann vor dem Landgericht Bad Kreuznach verantworten.

Kurt N. werden Verstöße gegen das Sprengstoff-, das Kriegswaffen- sowie das Waffengesetz angelastet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Ob es seine beinahe unheimliche Sammelleidenschaft oder gar Hilfsbereitschaft war, die "Pulver-Kurt" zum Horten der Waffen verleitete, ist unklar. Vermutlich war es beides, gepaart mit einem großen Maß an Naivität.

Seit den 1970er Jahren Waffen gesammelt

In der Verhandlung wirkt N. am Mittwoch klar und macht einen gefestigten Eindruck – auch wenn zunächst sein Verteidiger das Wort für den ehemaligen Werkzeugmacher übernimmt. Seit den 1970er Jahren sammelte N. Waffen, auch aus dem Zweiten Weltkrieg – für die meisten hat er keine Waffenbesitzkarte. Häufig seien Bekannte oder Freunde zu ihm gekommen und hätten ihn gebeten, ihre alten Waffen aufzubewahren, erzählt der Senior. Er habe nicht mehr gewusst, was er machen solle. Dabei setzte sich N. ganz bewusst über die rechtlichen Bestimmungen hinweg – eine Sammlergenehmigung war ihm vor einigen Jahrzehnten verweigert worden.

Anfang 2011 stellte die Polizei nach einer Anzeige aus der Dorfbevölkerung das teilweise ungesicherte Waffenarsenal im Wohnhaus und einer Scheune sicher. Der Sprengstoff wurde gezielt von Sachverständigen gesprengt, ein ganzes Dorf musste zwischenzeitlich evakuiert werden. Die Räumungsaktion kostete mehr als 40.000 Euro.

N. soll für Filmprojekt in SS-Uniform erschienen sein

N. ist nicht vorbestraft, fiel jedoch schon einmal in einem ähnlichen Zusammenhang auf. 2006 nahm er an einem sogenannten Reenactment-Treffen von Amerikanern in Baumholder teil, die den Häuserkampf im Krieg nachstellten und zur "Offiziersausbildung" filmten. N. soll dabei in SS-Uniform erschienen sein. Das Verfahren gegen ihn wurde gegen eine Geldspende an eine wohltätige Organisation eingestellt. Ein Nazi sei er nicht, auch wenn viele Leute versuchen würden, ihn "in die braune Ecke zu drängen", betont der Rentner. Sein Anwalt nennt den Vorfall einen "Zwischenfall".

Ein Urteil fällt am Mittwoch nicht; der Prozess soll voraussichtlich am 15. August fortgesetzt werden. Dann sollen ein Sachverständiger und der Hausarzt des Rentners angehört werden. Grund ist ein Antrag seines Anwalts, die Schuldunfähigkeit oder zumindest die verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten festzustellen. Schließlich seien N. die Waffen zur Verwahrung angeboten worden und er habe diese Bitten nicht zurückweisen können, argumentiert der Verteidiger.

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