"Als Patrone enden"
US-Firma stellt Munition mit Menschenasche her
Wer möchte gerne einmal als Patrone enden? Jäger aus dem US-Südstaat Alabama erfüllen diesen skurrilen Bestattungswunsch - mit Erfolg.
Stockton. Wenn die Trauer sie wieder einmal übermannt, greift Priscilla Isler oft zum Gewehr. Seit einem halben Jahr ist sie Witwe. Ihr Ehemann Glen fiel einfach um, als er aus dem Garten kam – Herzinfarkt mit 53 Jahren. Er war ein Bär von einem Mann, ein Waffennarr und Jäger, und er hatte einen ungewöhnlichen letzten Wunsch: Seine Asche sollte zu Patronen verarbeitet werden. "Ich glaube, dass er mir gerade von oben zusieht, und er ist bestimmt stolz auf mich", sagt Priscilla, nachdem sie die Überreste ihre Mannes in eine Baumkrone geschossen hat.
Die Geschäftsidee dazu hatten Thad Holmes und Clem Parnell, und sie kam ihnen – wo sonst – auf der Jagd, der liebste Zeitvertreib für viele Männer in Stockton im US-Südstaat Alabama. Eine Handfeuerwaffe im Holster gilt hier eher als Kleidungsstück denn als Mittel der Selbstverteidigung. "Ich gehe nie ohne meine Pistole raus, weder zum Supermarkt noch in die Kirche", sagt Parnell.
"Wir gehen so oft auf die Jagd", bekräftigt Geschäftspartner Holmes, "da ist es einfach folgerichtig, dass wir einmal als Patrone enden wollen. Wenn mein Sohn noch Jahre nach meinem Tod auf Entenjagd gehen wird, soll er immer an mich denken, wenn er eine der Patronen mit meiner Asche abfeuert." Der Name ihrer Firma: "My Holy Smoke", zu deutsch "Mein heiliger Rauch".
Patronen sind Handarbeit
850 Dollar (700 Euro) kosten 250 Schrot- oder 100 Gewehrpatronen, dazu gibt es noch Schmuck: Ein Geschoss mit der Asche vom verstorbenen Ehemann baumelt um den Hals von Priscilla Isler. Die Patronen sind alle von Hand befüllt worden. Das ist der Job von Tony Landenwish, dem örtlichen Munitionshersteller in Stockton.
Er bekommt die Asche geliefert und stopft damit den Hohlraum zwischen Schwarzpulver und Kugel. "Ich muss ganz vorsichtig sein, um ja nichts zu verschütten", sagt der stämmige Südstaatler. "Die Asche ist schließlich etwas Heiliges für die Hinterbliebenen." Besondere Sicherheitsvorkehrungen, etwa dicke Steinwände zum Schutz vor Explosionen, braucht man in Alabama nicht zu beachten, erklärt der Tony. Seine Munition entsteht in einer Holzscheune im Garten.
Das Geschäft von "My Holy Smoke" ist gut angelaufen, berichten Holmes und Parnell. Hunderte Bestellungen seien schon eingegangen, erzählen sie, auch aus Südamerika und Europa.


















