06.07.12

Unterricht im Netz

Sechs Millionen Klicks: Das ist Deutschlands beliebtester Prof

Im Hörsaal in Bielefeld hat er 32 Zuhörer, doch auf Youtube verfolgen Millionen weitere Studenten den Unterricht des Mathelehrers – ein Erfolgskonzept.

Foto: dapd
Der beliebteste Mathe-Professor Deutschlands, Jörn Loviscach
Der beliebteste Mathe-Professor Deutschlands, Jörn Loviscach

Bielefeld. Eigentlich hat Professor Jörn Loviscach seine Vorlesung nur für die 32 Studenten im Hörsaal der Fachhochschule Bielefeld vorbereitet. Sie sollen die Funktionsflächen einer Hügellandschaft berechnen. Fünf Stunden später stehen drei Videos aus der Vorlesung aber bereits auf der Online-Video-Plattform Youtube. Loviscach erreicht auf diesem Weg weit mehr als 32 Bielefelder Studenten. Rund sechs Millionen Mal klickten User fast 2000 seiner Videos an. Sie machten ihn zu Deutschlands beliebtesten Mathe-Professor.

Schon bevor der Naturwissenschaftler mit den runden Brillengläsern und kurzen Bartstoppeln vor drei Jahren aus Bremen nach Bielefeld zog, hatte er unter den Studenten der hanseatischen Hochschule den Ruf, Mathematik auf eine andere Art und Weise zu vermitteln. Als der gebürtige Ostwestfale aber vor drei Jahren in Bielefeld anfing, seine Vorlesungen als Video bei Youtube online zu stellen, hätte er niemals erwartet, dass sie einmal so beliebt werden könnten.

Zunächst produzierte Loviscach die Videos eigentlich nur, damit Nachzügler älteren Semesters sich unabhängig von Vorlesungszeiten auf die Prüfungen vorbereiten konnten. "Youtube war da die einfachste und billigste Lösung, die Videos zur Verfügung zu stellen", sagt der 47-Jährige. Aus der kostenlosen Verbreitung seines Unterrichtsmaterials wurde inzwischen nicht nur ein Hobby, sondern sogar "eine kleine Sucht", wie er einräumt. Jede Vorlesung, die er an der Fachhochschule Bielefeld hielt, ist seither online. "Das ist wie mit Facebook. Man schreibt etwas, damit die Leute es anklicken", sagt Loviscach.

Außerdem habe er ein gutes Gefühl dabei, wenn er mit dem Material, das er so akribisch vorbereite, ein größeres Publikum als nur die Bielefelder Studenten der Mathematik oder der Ingenieurswissenschaften erreiche. Seine eigenen Studenten profitierten von seinem Konzept, weil er Übungsaufgaben bereits vor jeder Vorlesung als Video bei Youtube einstellt. "So können wir die gemeinsame Zeit maximieren", freut sich Loviscach.

+++ Tagesschau-App als Publikumssieger ausgezeichnet +++

Die Studenten können sofort mit den Aufgaben anfangen, wenn die Vorlesung beginnt. Als eine Vorlesung für die Studenten des zweiten Semester im Studiengang "Regenerative Energien" beginnt, fragt der 21-jährige Philipp Dill seinen Nebenmann: "Und, hast du dir die Videos angeguckt?" Dill jedenfalls hat sich mit dem rund einstündigen Material vorbereitet und beginnt sofort mit dem Berechnen von Funktionsflächen einer Hügellandschaft.

Währenddessen geht Loviscach durch die Reihen und überprüft den Rechenweg. Er erklärt Dill dabei, dass er die Brüche zu kompliziert rechnet und zeigt einfachere Lösungswege auf. "Er erkennt schnell den Fehler und gibt gute Hilfestellungen", sagt Dill, nachdem Loviscach weitergegangen ist. Der Professor begründet: "So wird bei mir selbst eine Vorlesung zum Seminar." Er ist überzeugt, dass seine Studenten nur über diesen Weg die Mathematik wirklich verstehen. Die eigentliche Vorlesung hätten sie sich dabei bereits vorab per Video angeschaut. Im Unterricht wenden sie das Erlernte direkt an. "So habe ich den Frontalunterricht abgeschafft", sagt Loviscach.

Seine Videos werden täglich bis zu 17.000 Mal gesehen

Der positive Aspekt seines pädagogischen Konzepts sei, dass sich mehr Studenten für die Prüfung anmeldeten. Allerdings stehe diese in seinem Unterricht nicht im Vordergrund, weshalb die Durchfallquote bei ihm auch nicht besser sei. "Die Klausuren sind für mich ein Drama", sagt er. Sie seien Teil eines Systems, dem er den Kampf angesagt habe. Er nennt dieses System "Bulimielernen" und erklärt: "Wie Bulimiekranke sich ernähren, so lernt man. Nach der Klausur ist alles weg."

Mit seinen Online-Vorlesungen hat er bereits erreicht, dass zumindest das Netz seinen Unterrichtsstoff nicht mehr vergisst. Ihn fasziniert, dass Studenten in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland seine Vorlesung angucken, obwohl sie seine persönliche Betreuung gar nicht erfahren. Er vermutet, dass gerade das veraltete System des Frontalunterrichts dafür verantwortlich ist. Viele Studenten an einer Universität seien nur Frontalunterricht gewohnt und könnten seine Youtube-Videos daher auch so gut verstehen.

Die Qualität dieser Videos, seine sonore Stimme und seine lockere Art trugen dazu bei, dass sich die Aufrufe seiner Videos von Jahr zu Jahr steigerten. Während es im Wintersemester 2009 mit 1.800 Klicks täglich begann, waren es 2010 bereits 10.000 und im vergangenen Jahr bis zu 17.000 Klicks pro Tag. Loviscach ist überzeugt, dass er auch diesen Rekord in diesem Jahr noch brechen wird. Seine Videos werden immer beliebter. Loviscach sagt: "Inzwischen verweisen sogar Professoren anderer Universitäten auf meine Youtube-Vorlesungen."

Die Liste aller Videos von Professor Jörn Loviscach HIER

10 Goldene Regeln zur Internetnutzung für Kinder
1. Internetkenntnis: Unterstützen Sie die positive Einstellung Ihres Kindes zum Internet. Surfen Sie selbst, um Ihrem Kind interessante, möglichst werbefreie Seiten zeigen zu können. Den Umgang mit dem Internet sollten Eltern mit Ihren Kindern gemeinsam erlernen.
2. Gemeinsam surfen: Begleiten Sie Ihr Kind beim Surfen. Dies bedeutet nicht, dass Sie es durchgängig beaufsichtigen oder kontrollieren müssen. In Rufweite zu sein genügt, um dem Kind gegebenenfalls Hilfestellung geben zu können. Kinder, die noch nicht richtig lesen und schreiben können, sollten nicht allein ins Internet gehen.
3. Über Probleme sprechen: Verabreden Sie mit Ihrem Kind, dass es Ihnen die Dinge im Internet zeigt, die ihm unbehaglich sind oder Angst machen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über gute und schlechte Seiten im Netz. Melden Sie problematische Seiten.
4. Zeitplan: Vereinbaren Sie mit Ihren Kindern feste Surfzeiten. Achten Sie darauf, dass diese eingehalten werden. Berücksichtigen Sie bei der Festlegung der Zeiten auch die Nutzung von anderen Medien wie Fernsehen oder Computerspiele. Trotz Internetflatrate, die eine zeitlich unbegrenzte Nutzung des Internets ermöglicht, sollte Ihr Kind nicht endlos im Internet surfen.
5. Jugendschutzsoftware installieren: Installieren Sie zusätzlich eine Jugendschutzsoftware, entsprechend der Altersgruppe Ihres Kindes. Verlassen Sie sich jedoch nicht allein auf solche technischen Hilfsmittel. Eine Jugendschutzsoftware ist nur in Kombination mit aktiver Medienerziehung sinnvoll und kann nie einen vollständigen Schutz vor nicht-altersgerechten Inhalten bieten.
6. Adressenverzeichnis anlegen: Erstellen Sie Ihrem Kind ein eigenes Verzeichnis mit Lesezeichen bzw. Favoriten, das gemeinsam gepflegt und erweitert werden kann. So kann Ihr Kind seine Lieblingsseiten direkt anwählen und muss nicht wahllos im Netz herumsuchen.
7. E-Mail-Konto: Richten Sie Ihrem Kind eine E-Mail-Adresse ein, bei der sein wirklicher Name nicht erkennbar ist. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es seine E-Mail-Adresse nicht achtlos weitergeben darf, da sonst "Junk-Mails" (Werbung) im Postfach landen könnten.
8. Persönliche Daten: Machen Sie Ihr Kind mit den Sicherheitsregeln im Internet vertraut. Dazu gehört, dass es persönliche Daten über sich und die Familie nicht online weitergeben darf. Kinder müssen wissen, dass sie sich niemals allein mit einem "Cyberfreund" treffen dürfen.
9. Downloads und Bestellungen: Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es Sie fragen muss, bevor es etwas herunterlädt oder an Gewinnspielen teilnimmt. Darüber hinaus sollten Sie Ihrem Kind keine Kreditkartennummern zugänglich machen. Diese ermöglichen den Einkauf per Mausklick!
10. Erfahrungsaustausch: Erkundigen Sie sich über den Internet-Einsatz in der Schule. Sprechen Sie mit anderen Eltern über Ihre "Kinder im Netz".
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
title
Aktualisiert vor 16 MinutenLiveticker zu Obama-Besuch
Küsschen für Merkel als Ausgleich für Gauck-Überziehung

Das Gespräch des US-Präsidenten mit dem Bundespräsidenten dauerte länger als geplant. Im Berliner Kanzleramt handeln Obama und Merkel jetzt wichtige Themen ab. Am Nachmittag spricht Obama am Brandenbu… mehr...


Noch scheint die Sonne in Hamburg: Bereits am Nachmittag und frühen Abend werden schwere Unwetter erwartet
11:36Sommerintermezzo
Wetterexperte: Am Abend drohen im Norden Tornados

Auf die drückende Hitze in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen folgen schwere Gewitter mit Hagel, Starkregen und Sturmböen. Auch die Ausbildung einzelner Tornados ist möglich. mehr...

Nordfriesische Inseln - Sylt
19.06.13 HAMissbrauch auf Sylt?
Lehrer wollte Schüler mit Energy-Drinks gefügig machen

Der Pädagoge des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Sinstorf wurde sofort beurlaubt. Die Schulbehörde spricht von "ernst zunehmenden Vorwürfen". Das Landeskriminalamt ermittelt. mehr...


Bundestrainer Joachim Löw will an den neuen DFB-Sportdirektor keine Kompetenzen abgeben
10:50Nationalmannschaft
Löw will keine Kompetenzen an neuen Sportdirektor abgeben

Die Deutsche Fußball Liga forderte, dem künftigen Sportdirektor mehr Macht einzuräumen. Doch der Bundestrainer will sich nicht reinreden lassen. mehr...

Multimedia

Google stellt seine Neuheiten vor

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Britische Royals
Prinz Philip verlässt nach OP das Krankenhaus

Der Ehemann der britischen Königin Prinz Philip hat nach elf Tagen das Krankenhaus nach einer Bauch-Operation verlassen. Für den 92-Jährigen…mehr »

Top Bildergalerien mehr

Massenproteste in Brasiliens Großstädten

Erin Brady

Das ist die neue "Miss USA"

87. Geburtstag

Queen Elizabeth feiert offiziell ihren Geburtstag

So zerbeult ist der ICE nach dem Baum-Unfall

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr