Tongas König ist tot
Ein Playboy und Reformer - Nachruf zu George Tupou V.
Die Feudalherrschaft auf Tonga währte 165 Jahre. Erst vor kurzem brachte König George Tupou V. die Demokratie in das Südsee-Reich - unfreiwillig. Dennoch bleibt sie das Vermächtnis des Verstorbenen.
Wellington/Nuku'alofa. Als Kronprinz trug er Monokel und Tropenhelm. Aber Tongas König hinterlässt seinen 106.000 Untertanen ein bedeutsameres Erbe als bunte Uniformen: die Demokratie. George Tupou V., der am Sonntag mit 63 Jahren verstarb, regierte das Südsee-Inselreich nur sechs Jahre lang. In dieser Zeit beendete er die Feudalherrschaft und reformierte das politische System. Zwar kamen die Reformen nicht ganz freiwillig, und König und Adel genießen in der letzten Monarchie des Pazifiks noch immer großen Einfluss. Aber es ist mehr, als viele Insulaner unter seinen Vorfahren jemals zu träumen gewagt hatten.
Am Mittwoch kommender Woche wird George Tupou V. von Tonga mit einem Staatsbegräbnis in der Hauptstadt Nuku'alofa beigesetzt. Zu der Trauerfeier würden tausende Bewohner des pazifischen Inselstaats sowie Würdenträger aus dem Ausland erwartet, sagte Regierungssprecher Paula Mau. In Tonga wurde eine dreimonatige Trauerperiode ausgerufen.
Während der jahrzehntelangen Regentschaft seines Vaters erschien der spätere George Tupou V. beinahe wie die Karikatur eines exzentrischen Jetset-Playboys. Er hatte einen Hang zu bunten Militärunformen, schwer behängt mit Orden, die er sich selbst verliehen hatte. Wenn er nicht um die Welt jettete, um mit den Reichen und Berühmten zu feiern, ließ sich der Kronprinz in einem schwarzen Londoner Taxi durch die Hauptstadt Nuku'alofa chauffieren.
Der Kronprinz genoss seine Zeit an der Militärakademie in Sandhurst in England, wo er sich einen vornehmen britischen Akzent zulegte, passend zu Anzug und Zylinder. Die bitterarmen Tonganer zu Hause kritisierte er für ihren Mangel an gutem Geschmack. Auch an der Wesleyanischen Kirche, der im Inselreich vorherrschenden Konfession, ließ er kein gutes Haar. Er übernahm Regierungsmonopole – den Stromkonzern, die Fluglinie, eine Brauerei und eine Mobilfunkfirma - und bereicherte sich an ihnen.
König George war "im Herzen kein wirklicher Demokrat" schrieb ein neuseeländischer Diplomat in einem an die Öffentlichkeit gelangtem Bericht. "Er will Macht und bevorzugt sie ungeteilt." Allerdings war der Inselherrscher klug genug, die Zeichen der Zeit zu erkennen. "Verschwinde oder wir werfen Dich raus", stand auf Protestbannern, als 10.000 Demonstranten von seinem Vater politische Reformen verlangten. Nach dem Tod von König Tupou IV. 2006 eskalierten die Proteste. Bei gewaltsamen Unruhen wurde ein Teil der Hauptstadt in Schutt und Asche gelegt. Acht Menschen starben.
Der Ausnahmezustand verzögerte die Krönungszeremonie von George V. und der neue König wandelte sich vom absoluten Herrscher, der Premier und Minister ernennt, zum Reformer. Bei den ersten Wahlen im November 2010 fuhren die Demokratieaktivsten einen großen Sieg ein. Der König und der Adel gaben die Zügel aber nicht wirklich aus der Hand. Die adeligen Abgeordneten auf ihren reservierten Sitzen konnten mit der Hilfe einiger unabhängiger Parlamentarier eine Reformregierung verhindern.
Tonga ist die letzte Monarchie im Pazifik. Die königliche Familie ist für Reichtum und Extravaganz bekannt. Zur Krönung von George V. flogen 5000 Gäste ein. Nach Angaben des Demokratieaktivisten Akilisi Pohiva führten die enormen Kosten für Beisetzung und Krönung beinahe zum Staatsbankrott. Die Nachfolge von George V. soll sein jüngerer Bruder Ulukalala Lavaka Ata antreten. Wie er die Reformen seines Bruders weiterführen wird, ist nicht bekannt. (dpa/dapd)

















