Mordprozess in Potsdam
Vater für Feuertod seiner beiden Töchter vor Gericht
Unfall oder Mord? Laut Anklage tötete der 40-Jährige die Kinder im August 2011 während des gemeinsamen Urlaubs in einem Wald bei Börnicke (Havelland). Der Däne soll die Mädchen mit einem Schlafmittel betäubt und dann den Wagen angezündet haben, in dem sie saßen. Hintergrund soll ein Sorgerechtsstreit gewesen sein.
Potsdam. Der grausame Fall sorgte für Schlagzeilen: Ein Däne soll seine beiden Töchter betäubt und anschließend in einem Auto verbrannt haben. Rund sechs Monate nach dem qualvollen Tod der Mädchen hat am Dienstag in Potsdam der Mordprozess gegen ihren Vater begonnen. Laut Anklage tötete der 40-Jährige die Kinder im August 2011 während des gemeinsamen Urlaubs in einem Wald bei Börnicke (Havelland). Der Däne soll die Mädchen mit einem Schlafmittel betäubt und dann den Wagen angezündet haben, in dem sie saßen. Hintergrund soll ein Sorgerechtsstreit gewesen sein. Die Mutter der Mädchen tritt in dem Verfahren vor dem Landgericht Potsdam als Nebenklägerin auf.
Zahlreiche Medienvertreter aus Dänemark verfolgten den Prozessauftakt. Um die Hintergründe der Tat aufzuklären, hat das Gericht etwa ein Dutzend Zeugen aus dem Heimatland des Angeklagten geladen. Zu den Kernthemen des Verfahren gehört die Frage, in welcher psychischen Verfassung der Angeklagte zum Tatzeitpunkt war. In ihrem vorläufigen Gutachten hat eine Sachverständige den Vater als schuldfähig eingestuft, sagte Staatsanwalt Peter Petersen am Rande des Prozesses.
Denn der Fall war äußerst mysteriös: An der Autobahn 24 (Hamburg-Berlin) stießen Polizeibeamte im August vergangenen Jahres in einem ausgebrannten Auto auf zwei verkohlte Kinderleichen. Zuvor hatte ihnen ein Mann, der in der Nähe mit schweren Brandverletzungen umherirrte, einen Hinweis gegeben. Es stellte sich heraus, dass in dem Fahrzeugwrack Line Sofie (9) und Marlene Marie (10) aus Dänemark starben.
Die Anklage wirft dem 40-Jährigen aus Nordjütland zweifachen Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Er soll seine Kinder wegen eines Sorgerechtsstreits getötet haben, weil er sie nicht seiner von ihm geschiedenen Frau gönnte. Am 12. August 2011 gegen 3.00 Uhr betäubte der Däne laut Staatsanwaltschaft seine Töchter zunächst mit Schlafmitteln, dann zündete er das Auto mit einem Brandbeschleuniger an. Die Mädchen saßen angeschnallt und schlafend auf der Rückbank.
Was zunächst wie ein dramatischer Unfall wirkte, wurde für die Ermittler schnell zu einem komplizierten Kriminalfall. An der Darstellung des Vaters, dessen Brandverletzungen im Berliner Unfallkrankenhaus behandelt wurden, kamen Zweifel auf. Der Mann hatte zunächst angegeben, seine Kinder seien bei einem Unfall ums Leben gekommen und er habe noch vergeblich versucht, sie zu retten.
Verwertbare Spuren im Auto gab es kaum, weil es vollständig ausgebrannt war. Wichtige Beweise lieferte schließlich die Obduktion der Leichen: Ein toxikologisches Gutachten belegte Schlafmittel im Körper der Kinder. Der Mann wurde verhaftet, noch bevor er nach Dänemark zurückkehren konnte. Seit vergangenen September befindet er sich in Untersuchungshaft in Brandenburg/Havel.
"Er ist froh, dass es losgeht und wird vor Gericht umfassend aussagen", sagt sein Verteidiger Thomas Arndt. Ohne Medikamente sei die Situation für den gelernten Landwirt nicht durchzustehen. So oft es geht besuche ihn seine Mutter in der Haft. Zudem werde sein Mandant vom Konsulat in Hamburg betreut.


















