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Prozessbeginn in Nürnberg

Sadistischer Vergewaltiger gibt umfassendes Geständnis ab

Der 49-jährige Angeklagte überfiel und quälte im Oktober 2010 zwei junge Frauen. Sein Motiv: Er wollte sich daran sexuell befriedigen.

Der 49-jährige Angeklagte sitzt im Landgericht Nürnberg-Fürth im Verhandlungssaal
Foto: dpa/DPA

Nürnberg. Mit einem umfassenden Geständnis des Angeklagten hat am Freitag in Nürnberg ein Prozess wegen Vergewaltigung mit Geiselnahme sowie sexueller Nötigung und vorsätzlicher Körperverletzung von zwei jungen Frauen begonnen. Der 49-jährige vorbestrafte Mann sagte vor dem Landgericht, alle in der Anklage aufgeführten Übergriffe auf die damals 20 und 22 Jahre alten Frauen stimmten. Als Motiv gab er an, er habe sich durch das Schlagen der Frauen sexuell befriedigen wollen. Dies sei ihm aber nicht gelungen.

Mit rauer Stimme sagte der 49-Jährige, er habe seine Opfer am 12. und 18. Oktober 2010 jeweils mit einer ungeladenen Softairpistole in seine Gewalt gebracht, geschlagen und gedemütigt und sich an ihnen vergriffen. Die 22-Jährige verschleppte er bis nach Glücksburg an die Ostsee. Dort habe er geplant, sich mit ihrer Hilfe umzubringen.

Der jungen Frau, die fast zwei Tage und eine Nacht in seiner Gewalt war, war in Glücksburg die Flucht gelungen, nachdem sie einen Asthmaanfall vorgetäuscht und Passanten den Rettungsdienst alarmiert hatten. Sie nimmt an dem Prozess als Nebenklägerin teil.

Während seiner Aussage schaute die dunkelhaarige Frau den übergewichtigen Angeklagten offen an. Dieser vermied indes jeden Augenkontakt. Anwältin Andrea Kühne erklärte, ihre Mandantin glaube, dass es ihr bei der Bewältigung des Geschehens helfe, wenn sie ihrem Peiniger noch einmal in die Augen schauen könne. Die heute 23-Jährige sei froh gewesen, den ersten Verhandlungstag durchgestanden zu haben.

Das zweite Opfer ist nur anwaltlich als Nebenklägerin vertreten. Anwältin Dagmar Beck erklärte, ihre Mandantin sei psychisch nicht zu einer Teilnahme in der Lage. Beide Frauen sind seit den Übergriffen schwer traumatisiert und arbeitsunfähig.

Der 49-Jährige war bereits zwei Mal wegen Sexualverbrechen verurteilt worden, zuletzt 2001. Bis November 2009 war er in der Psychiatrie in Erlangen untergebracht, wurde dann aber nach drei positiven Gutachten unter der Auflage, sich weiter therapieren zu lassen, auf Bewährung entlassen.

Vor Gericht sagte er aus, er habe bei der Therapie „halt mitgespielt“, weil er gewusst habe, was „die hören wollten“. Als er freigelassen worden sei, habe er ein ganz gutes Gefühl gehabt und gedacht, seine Gewaltfantasien im Griff zu haben.

Den Kontakt zu seinem Therapeuten und seinem Bewährungshelfer habe er dann aber im Sommer 2010 abgebrochen, weil er Geldprobleme gehabt habe und nicht darüber reden wollte. „Ich hatte Angst, dass ich sonst wieder in die Forensik muss“, sagte er. Lieber wäre er gestorben.

Drei bis vier Tage vor den Überfällen habe er erstmals wieder den Wunsch verspürt, eine Frau zu schlagen. Seine beiden Opfer habe er zufällig ausgewählt. Die einer echten Waffe täuschend ähnliche Softairpistole habe er wegen eines geplanten Bankraubs besessen.

Der Prozess wird am 2. Februar mit Zeugenaussagen fortgesetzt. Ein Urteil will die Kammer am 17. Februar verkünden. Dem 49-Jährigen droht Sicherungsverwahrung.

Da der 49-Jährige nach einem Selbstmordversuch in der JVA Nürnberg im November wochenlang im künstlichen Koma lag, ist er nur eingeschränkt verhandlungsfähig. Die Kammer hat deshalb für die sechs Prozesstage nur jeweils drei Stunden angesetzt.

Ein Gutachter der Staatsanwaltschaft hatte ihm eine schwere seelische Abartigkeit bei voller Schuldfähigkeit bescheinigt. Bei seinen Taten habe er eine rücksichtslose, menschenverachtende und für die Opfer besonders erniedrigende sadistische Vorgehensweise angewandt und sei für die Allgemeinheit gefährlich. (dapd)

 

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