25.11.11

Papst Benedikt der XVI.

Kein Gurt im Papamobil: Anzeige gegen den Pontifex

Papst Benedikt XVI. sei in Freiburg im Papamobil nicht angeschnallt gewesen. Ein Dortmunder hat das Kirchenoberhaupt angezeigt.

Von abendblatt.de
Foto: dpa
Papst Benedikt XVI. muss kein Bußgeld zahlen, obwohl er im Papamobil nicht angeschnallt war
Muss Papst Benedikt XVI. mit einem Bußgeld rechnen? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Anwaltskanzlei, nachdem ein Dortmunder Bürger Anzeige gegen Papst Benedikt XVI. eingereicht hatte

Dortmund/Freiburg. Muss der "Stellvertreter Jesu Christi" mit einem Bußgeld rechnen? Weil er bei seiner Fahrt im Papamobil im September in Deutschland nicht angeschnallt war, hat ein Mann aus Dortmund Papst Benedikt XVI. bei der Stadt Freiburg angezeigt, wie dessen Anwalt Johannes Christian Sundermann aus Unna am Freitag sagte.

Gilt die Anschnallpflicht auch für Papst Benedikt XVI.? Mit dieser Frage beschäftigt sich daher nun die Anwaltskanzlei Sundermann aus dem westfälischen Unna. Die Kanzlei bestätigte am Freitag einen Bericht der "Westfälischen Rundschau".

Ein Mandant aus Dortmund stehe hinter der Anzeige bei der Stadt Freiburg. Der biete nicht nur zwei eigene Zeugen auf, sondern verweise auch noch auf den Erzbischof von Freiburg, den Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, und Baden-Württemberg Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne). Sie könnten die Ordnungswidrigkeit sicher ebenfalls bezeugen, erklärte die Kanzlei Sundermann.

Je nach Schwere des Verstoßes und den Einkommensverhältnissen des Papstes könnte die Stadt nach seinen Angaben wegen Verletzung der Gurtpflicht ein Bußgeld zwischen 30 und 1.000 Euro verhängen.

Die Kanzlei hat für sich noch nicht herausgefunden, ob Papst Benedikt XVI. ein deutscher Bürger oder ein Staatsoberhaupt sei, das diplomatische Immunität genieße. In Freiburg müssen ebenfalls die Rechtsgelehrten ran. Die Stadt bestätigte aber zunächst einmal den Eingang der Anzeige.

Hintergrund der Anzeige ist nach Aussagen der Kanzlei ein Schreckerlebnis des Mandanten. Nach dem Papstbesuch habe sich ein Unfall mit Toten ereignet. Die Insassen seien nicht angeschnallt gewesen. Der Mandant, selbst nicht Kirchenmitglied, denke aber auch an die Sicherheit des Papstes. Selbst bei Schrittgeschwindigkeit könne sich der Heilige Vater bei einem Aufprall schwer verletzen. Anschnallen wäre durchaus möglich, meinte der Anwalt. Das Papstmobil verfüge über Sicherheitsgurte. Wie Sundermann sagte, habe sich Mercedes als Hersteller des Papamobils bereits bei ihm gemeldet und darauf hingewiesen, "dass das Papamobil auf allen Plätzen mit funktionstüchtigen Sicherheitsgurten ausgestattet sei". Nun sei es also an der Stadt Freiburg, den Tatbestand zu prüfen und möglicherweise sogar den Papst anzuhören. "Dort wird mit Hochdruck an der Sache gearbeitet", sagte Sundermann, der damit rechnet, dass der Fall schnell entschieden wird. (abendblatt.de/dpa)

Die wichtigsten Fakten zum Papst-Besuch
Von seiner Mission, über die Sicherheit bis zur Live-Übertragung
Am Donnerstag schwebt er nach Berlin ein: Papst Benedikt XVI., formerly known as Joseph Ratzinger, wird um 10.30 von Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin-Tegel erwartet. Es ist sein erster Staatsbesuch in Deutschland, seiner Heimat. Doch es ist nicht seine erste Visite, seit er der Pontifex maximus ist, der größte Priester, der Nachfolger des Apostels Petrus, das Oberhaupt der katholischen Kirche. Vier Tage soll Benedikt in Deutschland sein. Auf abendblatt.de finden Sie hier wichtige Fakten und überraschende Details.
Als Papst ist Benedikt XVI. zum dritten Mal in Deutschland. Anders als 2006 steht diesmal kein Abstecher in die bayerische Heimat von Joseph Ratzinger auf dem Programm. 2005 war er bereits beim Weltjugendtag in Köln.
Die Gottesdienste werden Massenveranstaltungen mit insgesamt rund einer Viertelmillion Besuchern. Am Donnerstagabend wird das Berliner Olympiastadion mit 70.000 Gläubigen wohl bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Ursprünglich sollte die Messe vor dem Schloss Charlottenburg stattfinden, dort wurde es jedoch zu eng. Am Sonnabend wird Benedikt XVI. in der Nähe der Wallfahrtskirche Etzelbach bei Erfurt auf einem rund 20 Hektar großen Feld eine Marienvesper mit mehr als 50.000 Menschen feiern. Weitere große Gottesdienste finden am Sonnabend auf dem Erfurter Domplatz sowie am Abend mit Jugendlichen auf dem Freiburger Messegelände statt. Zehntausende Pilger werden am Sonntag zur Heiligen Messe auf dem City Airport Gelände in Freiburg erwartet.
Mit Spannung wird die Rede des Papstes am Donnerstag im Bundestag erwartet. Es ist das erste Mal, dass ein Religionsführer vor dem Parlament spricht. Einige Oppositionsabgeordnete haben angekündigt, die Rede zu boykottieren, da sie die religiöse Neutralität des Staates verletzt sehen. Politisch geprägt sein soll auch die Rede zum Abschluss der Reise am Sonntagabend im Konzerthaus Freiburg.
Bundespräsident Christian Wulff wird den Papst im Schloss Bellevue mit militärischen Ehren willkommen heißen und an den meisten Programmpunkten teilnehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft den Papst zum Gespräch für eine halbe Stunde in der Katholischen Akademie in Berlin. Auch mit den Richtern des Bundesverfassungsgerichts sowie mit Ex-Kanzler Helmut Kohl wird der Papst zusammenkommen.
Immer mehr Mitglieder kehren der katholischen Kirche den Rücken. Im vergangenen Jahr waren es 181.000 und damit so viele wie noch nie. Ende 2010 gehörten der katholischen Kirche 24,6 Millionen Menschen an. Noch immer hängen ihr die Folgen des Missbrauchsskandals nach, bei dem sich Würdenträger an Kindern und Jugendlichen vergriffen. Die Kirche erhofft sich durch den Papstbesuch somit positive Impulse und neuen Zulauf.
Die Kirche rechnet mit Kosten von 25 bis 30 Millionen Euro. Für jeden Katholiken ist dies etwa ein Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Sicherheitsvorkehrungen und den Schutz des Papstes, für die die Bundesrepublik aufkommt. Sie lassen sich laut Innenministerium noch nicht beziffern.
Wie bei früheren Reisen wird der Papst Vertreter des Judentums, des Islams und der orthodoxen Kirchen treffen. Mit 35 Minuten die längste Zeit ist für die Begegnung mit der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vorgesehen.
Aus Protest gegen die Papstrede im Bundestag wollen rund die Hälfte aller Abgeordneten der Linksfraktion sowie Parlamentarier von Grünen und SPD der Rede fernbleiben. Parallel findet eine Demonstration gegen den Papstbesuch statt, dem sich viele der Abgeordneten anschließen wollen. Die Demo, zu der bis zu 20.000 Teilnehmer erwartet werden, richtet sich gegen die Geschlechter- und Sexualpolitik des Papstes.
Die Behörden des Bundes kommen zu dem Ergebnis, dass für den Papst eine "hohe Gefährdung" besteht. Zuständig für die Sicherheit des neben US-Präsident Barack Obama best bewachten Menschen der Welt sind das Bundeskriminalamt und die Sicherheitsbehörden der Länder. Aus Rom reisen vier vatikanische Gendarmen und zwei Schweizer Gardisten mit. Strenge Vorgaben gelten für eine Demo in Berlin, die per laut nicht am Brandenburger Tor starten darf.
Fast jeder Schritt des Papstes wird im Fernsehen live übertragen. Insgesamt berichten über 3600 Journalisten aus mehr als 30 Nationen über das Ereignis.
Vom 21. bis 23. Juni 1996 kam der 1978 zum Papst gewählte Johannes Paul II. zum letzten Mal nach Deutschland. Stationen waren Paderborn und Berlin. In der Hauptstadt durchschritt das Kirchenoberhaupt das Brandenburger Tor. Bei einem Gottesdienst im Olympiastadion sprach er die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ums Leben gekommenen Priester Bernhard Lichtenberg und Karl Leisner selig.
Seine zweite Pastoralreise nach Deutschland vom 30. April bis 4. Mai 1987 führte Johannes Paul II. zunächst nach Köln, wo er die von den Nationalsozialisten ermordete Ordensschwester Edith Stein seligsprach. Es folgten Stationen in Bonn, Münster, Kevelaer, Bottrop, Essen, Gelsenkirchen, München, Augsburg und Speyer. In München sprach er den Jesuitenpater Rupert Mayer selig, der Widerstand gegen das Hitler-Regime geleistet hatte.
Der erste Besuch von Johannes Paul II. im Jahr 1980 war dessen achte Pastoralreise. Die Reise war vor allem deswegen eine Sensation, weil zuletzt 1782 ein Papst Deutschland bereist hatte. Stationen des gebürtigen Polen waren Bonn, Brühl, Osnabrück, Mainz, Fulda, Altötting und München.
Vor Johannes Paul II. war zuletzt mit Pius VI. am 22. Februar 1782 ein Papst zu Gast in Deutschland. Bei Neunkirchen traf er mit Kaiser Joseph II. zusammen. Von dort fuhren beide nach Wien. Der vorherige Papstbesuch wiederum lag 350 Jahre zurück. So weilte Papst Martin V. im Jahr 1417 in Deutschland. Der erste Besuch eines Papstes auf deutschem Boden ist aus dem Jahr 799 überliefert. Damals weihte Leo III. in Paderborn eine Kirche. Vor allem aber suchte er bei Frankenkönig Karl Hilfe gegen die Aufständischen in Rom, die Anhänger seines Vorgängers, Hadrian I., waren. Mit Benedikt VIII. war im Jahr 1020 in Bamberg und Würzburg auch schon ein Namensvorgänger des heutigen Papstes zu Gast.
Beim jetzigen Papstbesuch geben im Fernsehen die Programme der öffentlich-rechtlichen Sender den Ton an. ARD und ZDF wollen sich vom 22. bis 25. September in der Live-Berichterstattung abwechseln und nicht wie kürzlich bei der Hochzeit von Prinz William und Kate in England zum Teil identische Bilder übertragen. Auch die Nachrichtensender Phoenix, n-tv und N24 werden zeitweilig live dabei sein.
Am Sonnabend sprach Benedikt XVI. bereits "Wort zum Sonntag". Am 22. September überträgt das ZDF von 10.03 Uhr bis 13 Uhr live aus Berlin die Ankunft des Pontifex auf dem Flughafen Tegel, den Empfang durch Bundespräsident Christian Wulff in Schloss Bellevue und die Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Vor dem Schloss Bellevue moderieren Michaela Pilters, ZDF-Chefredakteur Peter Frey und Hauptstadtstudio-Chefin Bettina Schausten.
Am Nachmittag um 15.55 Uhr übernimmt die ARD die Berichterstattung mit der Rede des Papstes im Bundestag. Danach feiert Benedikt XVI. im Berliner Olympiastadion eine zweistündige Messe, zu der 70.000 Gläubige erwartet werden. Auch der Nachrichtensender N24 ist im Bundestag ab 16 Uhr dabei und begleitet das geistliche Oberhaupt anschließend ins Olympiastadion. Auch der Ereigniskanal Phoenix will ausführlich live vom Papstbesuch berichten – insgesamt rund 17 Stunden: Am 22. September von 10 bis 18 Uhr, am 23. September von 10 bis 13 Uhr, am 24. September von 18 bis 20.15 Uhr und am 25. September von 16.30 bis 19.30 Uhr.
Multimedia

2011: Papstbesuch in Deutschland

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Video Alle Videos
Massenpanik in GuineaBrightcove Videos

Bei einem Rap-Konzert an einem Strand in Guineas Hauptstadt Conakry ist es zu einer Massenpanik gekommen. Dabei wurden 34 Menschen getötet. Dutzende werden noch im Krankenhaus behandelt.mehr »

Top Bildergalerien mehr
EM-Titel

DFB-Nachwuchs feiert wie die Großen

Straßen überflutet

Überschwemmungen in Oberbayern

Baugrube

Verletzte bei Einsturz in Winterhude

Bayern München auf US-Werbetour

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr