Internet-Blogger decken Umweltskandal in China auf
Peking. Der Umgang mit der Ölkatastrophe in der Bohai-Bucht am Gelben Meer hat in China einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die Betreiber des großen Offshore-Ölfelds, sondern auch gegen zaudernde Aufsichtsorgane. Die staatliche Ozean-Verwaltung (SOA) hatte wochenlang über die Lecks geschwiegen. Dann kam die Wahrheit auch nur langsam ans Licht - via Internet-Blogs. Erst als die Meereshüter zunehmend ins Kreuzfeuer gerieten, gingen sie in die Offensive und ordneten in der vergangenen Woche einen Förderstopp auf den zwei betroffenen Plattformen des Ölfelds Penglai 19-3 an.
Angeprangert werden ConocoPhillips China (COPC), die chinesische Tochter des US-Ölunternehmens aus Houston (Texas), sowie deren Partner vom staatlichen chinesischen Ölkonzern China National Offshore Oil Corporation (CNOOC). Beide versichern, dass die Lecks inzwischen gestopft seien. Das US-Unternehmen bestreitet zudem jede Vertuschung: ConocoPhillips habe schnell reagiert.
Inzwischen ist die Ölpest ohnehin nicht mehr zu vertuschen. In deren Folge hat sich eine heftige Algenplage entwickelt. Die chinesische Zeitung "Nanfang Dushibao" zitierte einen Experten, die Algen wüchsen massenhaft nahe der Förderplattformen.
Die Behörden gaben nun also zu, dass die Lecks am Grund der flachen Bucht an der nordostchinesischen Küste eine Fläche von 4250 Quadratkilometern verschmutzt haben. Weitere 3400 Quadratkilometer seien in geringerem Maße verunreinigt, berichtete die Meeresbehörde. ConocoPhillips musste inzwischen eine Geldstrafe von umgerechnet 22 000 Euro bezahlen. Es ist die höchste vom chinesischen Gesetz vorgesehene Strafe für solche Fälle.
Chinesische Beobachter der Ölpest zogen Vergleiche zu der Umweltkatastrophe von BP im vergangenen Jahr im Golf von Mexiko. Auch wurde daran erinnert, wie im Sommer 2010 das Ausmaß einer Ölkatastrophe an einer Pipeline nahe der Hafenstadt Dalian auch nicht offiziell mitgeteilt wurde.


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