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Aus aller Welt

Atomalarm in Japan

Kernschmelze - wie es dazu kommt und was genau passiert

Hamburg. Nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan droht nun eine Atom-Katastrophe. Offenbar steht die Kernschmelze kurz bevor oder ist bereits im Gange. Doch was passiert bei einer Kernschmelze? Bei einer Kernschmelze in einem Atomreaktor überhitzen sich die Brennstäbe. Dies Überhitzung ist dabei so hoch, dass sich die Brennstäbe verflüssigen und in eine unkontrollierbare, radioaktive Schmelze verwandeln. Daher sind die Folgen einer Kernschmelze scher zu kalkulieren. Eine Möglichkeit ist, dass ein bis zu 2000 Grad Celsius heißes Gemisch aus Spaltmaterial und Metall sich durch die Schutzhülle des Reaktorkerns fressen könnte und dann in die Umwelt gelangen würde. Auch heftige Explosionen sind möglich. Tobias Münchmeyer, ein Atomexperte bei Greenpeace, sagt: "Bei der Kernschmelze kommt es zu physikalischen Prozessen, die nicht mehr zu stoppen sind."

Doch wie kommt es zu einer Kernschmelze? Eine Kernschmelze tritt auf, wenn das Reaktor-Kühlsystem ausfällt. Durch den Ausfall steigt die Temperatur in den Brennstäben, die Uran oder Uran-Plutonium-Mischungen enthalten, unaufhaltsam an. Hat die Temperatur eine kritische Höhe erreicht, schmelzen die radioaktiven Materialien ebenso wie die stählernen Brennstab-Umhüllungen und fallen auf den Boden des Reaktorbehälters. Dabei verdampft das zur Kühlung eingesetzte Wasser oder wird durch die Hitze in Wasserstoff und Sauerstoff getrennt. Beide Stoffe bilden zündfähige sogenannte Knallgasgemische, was zu Explosionen mit immenser Wucht führen kann.

Zwar haben Atomkraftwerke um den Reaktorbehälter einen weiteren Schutzmantel aus Stahl oder Stahlbeton, das sogenannte Containment. Aber auch der kann durch Explosionen zerstört oder von der extrem heißen atomaren Suppe durchbrochen werden. Experten wie die der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW halten es für kaum denkbar, dass gängige Akw-Containments die gewaltigen Belastungen bei einem Kernschmelz-Unfall auch tatsächlich aushalten können.

Die Folgen für Menschen und Umwelt bei einer Kernschmelze wären verheerend: Der geschmolzene Reaktorinhalt besteht unter anderem aus hochradioaktivem Uran sowie dem extrem strahlendem, hochgiftigem Plutonium – einem der gefährlichsten bekannten Stoffe. Hinzu kommen diverse weitere radioaktive Isotope wie Cäsium 137, das während sich des Reaktorbetriebs in Inneren der Meiler bildet. Diese Stoffe würden sich durch eine Explosion in der Umgebungsluft verteilen oder sich mit der Kernschmelze durch den Schutzbehälterboden in das Erdreich vorfressen. Bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wurden 1986 große Mengen Cäsium 137 freigesetzt, die bis nach Nord- und Westeuropa kamen, sich auf Feldern und Weiden ablagerten und dort bis in die menschliche Nahrungskette gelangten. (abendblatt.de/afp)

 

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