Silvester 2010
Deutsche geben Millionen für Feuerwerk aus - Böllerverbote
Deutschland will es zu Silvester richtig krachen lassen. Doch etliche Städte haben Feuerwerk verboten, um historische Bauten zu schützen.
Nach ersten Schätzungen werden die Deutschen wieder mehr als 110 Millionen Euro für Feuerwerk ausgeben. Doch in einigen Städten herrschen Böllerverbote.
Foto: dapd
Berlin/Straßburg. Mit dem Verkauf von Böllern und Raketen hat der Countdown für die letzte Party des Jahres begonnen. Nach ersten Schätzungen machen die Deutschen dafür wieder mehr als 110 Millionen Euro locker. Während die Kunden verstärkt zu professionellem Feuerwerk greifen, haben viele Städte Böllerverbote erlassen. Das soll Fachwerkhäuser und Reetdächer vor Bränden bewahren.
Beim Kassensturz nach dem letzten Jahreswechsel haben in der Branche die Sektkorken geknallt: Silvester 2009 gaben die Deutschen rund 113 Millionen Euro für ihr Feuerwerk aus, knapp 4 Millionen Euro mehr als im Vorjahr und so viel wie noch nie. Die Erfahrung zeige, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten besonders ausgiebig gefeiert werde, um die Alltagsprobleme für eine Weile zu vergessen, heißt es beim Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) in Ratingen. „Dieses Mal hoffen wir auf ein ähnlich gutes Geschäft“, sagt VPI-Geschäftsführer Klaus Gotzen.
In der Altstadt von Rudolstadt (Thüringen) mit dem imposanten Schloss Heidecksburg müssen die Bürger erstmals auf Raketen und Böller zur Begrüßung des neuen Jahres verzichten. Das Erzbistum Bamberg (Bayern) erinnerte an das Feuerwerksverbot auf dem Bamberger Domplatz. Schon eine fehlgeleitete Rakete genüge, um einen der Dachstühle des Doms in Brand zu setzen und eine Katastrophe einzuleiten. Einschränkungen gelten auch in einigen Städten im Norden Deutschlands. Und auch in der Tübinger Altstadt dürfen keine Raketen oder Böller abgebrannt werden, das Verbot werde in der Silvesternacht von der Polizei und der Stadt kontrolliert. Hintergrund: Zum Jahreswechsel 2008/2009 geriet ein Fachwerkhaus in Brand.
Auch das südhessische Bensheim sorgt sich um seine historischen Altstadtbauten. Die Stadt setzt auf eine große Silvesterparty in der Innenstadt. Der Zugang wird kontrolliert, das Mitbringen und Abfeuern von Raketen und Böllern ist nicht gestattet. Das betrifft auch Schloss Nymphenburg in München, die Kaiserburg in Nürnberg oder den Residenzplatz in Würzburg.
Wenn aber geballert wird, dann zunehmend mit Batteriefeuerwerken, die einmal gezündet werden und verschiedene Raketen und Fontänen nacheinander abfeuern. „Die normalen Feuerwerke werden denen der Profis immer ähnlicher“, sagte der Sprecher des Bayerischen Einzelhandels, Bernd Ohlmann, am Mittwoch in München. Verkauft werden dürfen die Feuerwerke bis Silvester.
Das bayerische Landeskriminalamte (LKA) warnte am Mittwoch vor dem Abbrennen illegaler Pyrotechnik. Diese Böller und Raketen enthielten beispielsweise Blitzknallsätze auf Chloratbasis anstatt des in Deutschland zugelassenen Schwarzpulvers.
+++ Feuerwerksverbot: Hier darf nicht geböllert werden +++
Gegen Silvesterfeuerwerk für Arbeitslose hatte sich zuvor die rechtspolitische Sprecherin der CDU Berlin, Cornelia Seibeld, ausgesprochen. „Arbeitslosengeld, das vom Staat bezahlt wird, sollte jedenfalls nicht in Raketen und Blitzknaller verschleudert werden“, sagte Seibeld der Zeitung „B.Z.“ (Mittwochausgabe). Der Berliner FDP-Fraktionsvize Björn Jotzo ergänzte: „Es wäre doch sinnvoller, in ausgewogene Ernährung zu investieren, statt in Böller.“
Trotz der aktuellen Terrorwarnungen werden Polizei und Feuerwehr in Berlin keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, auch nicht auf der Partymeile am Brandenburger Tor. Dort werden erneut mehrere hunderttausend Gäste zur größten Silvesterfeier des Landes erwartet. Die Zahl der Einsatzkräfte liegt auf dem Niveau des Vorjahres. „Silvester ist ein vorbereiteter Ausnahmezustand“, sagte ein Feuerwehrsprecher.
Damit der Müll am Neujahrsmorgen nicht ausufert, sollten die Verbraucher zu Knallern und Raketen mit möglichst hohem Papieranteil greifen - dazu riet Rüdiger Rosenthal vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Verantwortlich für die Entsorgung sei der Verursacher - auch wenn mancherorts die Stadt die Reinigung erledige.
Französische Polizei beschlagnahmt Feuerwerkskörper aus Deutschland
Zwei Tage vor Silvester haben französische Polizisten an der deutschen Grenze zahlreichen feierfreudigen Franzosen ihre in Deutschland gekauften Feuerwerkskörper abgeknöpft. Auf der Europabrücke bei Straßburg und an anderen Grenzübergängen im Elsass durchsuchten Beamte am Mittwoch die Autos von aus Deutschland zurückkehrenden Franzosen, dabei beschlagnahmten sie bis zum Mittag allein auf der Europabrücke mehrere tausend Knaller.
In Frankreich sind nur bestimmte Typen von relativ kleinen Feuerwerksartikeln erlaubt. Diese dürfen nur am 31. Dezember verkauft werden und sind zudem teurer als in Deutschland. Trotz aller Mahnungen der Behörden fahren daher jedes Jahr zahlreiche Elsässer zwischen den Feiertagen über den Rhein, um sich in Deutschland mit größeren Feuerwerkskörpern einzudecken. Die deutschen Händler sind darauf vorbereitet und locken - auch in französischer Sprache - mit Sonderangeboten aller Art.
In Kehl versuchten deutsche und französische Polizisten gemeinsam, potenzielle Käufer von ihrem Vorhaben abzubringen. „Vergessen Sie das“, riet ein Polizist aus dem Elsass drei jungen Franzosen, die in einem Drogeriemarkt Knaller begutachteten. „Sie dürfen die Ware zwar kaufen, aber nicht über die Grenze bringen“, sagte der Beamte, der gemeinsam mit einem deutschen Kollegen auf Streife war.
Die Einfuhr nicht erlaubter Feuerwerkskörper kann in Frankreich theoretisch hart bestraft werden - mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe und bis zu 15.000 Euro Bußgeld. In Deutschland ist der Kauf dieser Feuerwerkskörper dagegen nicht strafbar, wie der Kehler Hauptkommissar Markus Braun sagte. „Wir helfen nur den französischen Kollegen, ein französisches Problem zu lösen.“



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