Saudischer Prinz gesteht Tötung seines Sexdieners
Der Enkel von König Abdullah bestreitet aber den Vorwurf des Mordes
London. Der saudi-arabische Prinz, der seit einer Woche in England wegen Ermordung seines mutmaßlichen Sexsklaven vor Gericht steht, hat zugegeben, den Mann getötet zu haben. Die Anklage der schweren Körperverletzung und des Mordes streitet er jedoch weiterhin ab.
Saud bin Abdulasis ibn Nasser al-Saud, 34, ist ein Enkel des Saudi-Königs Abdullah, 85. Der milliardenschwere Herrscher soll mehr als 30 Ehefrauen gehabt haben. Prinzessin Faysa, die Mutter des Angeklagten, ist eines der angeblich 35 Kinder des Königs. Jetzt sitzt sie Tag für Tag im berühmten Londoner Schwurgericht Old Bailey neben einem Dolmetscher, blickt abwechselnd von ihrem fast kahl geschorenen Sohn zu den zwölf Geschworenen.
Doch im Gegensatz zu seinem Großvater scheint ihr Sohn kein Interesse an Frauen zu haben. Zwar bestreiten er und sein Verteidiger eine sadistisch-homosexuelle Beziehung des Prinzen zu seinem Opfer, Bandar Abdullah Abdulasis, 32. Doch die Fakten, darunter Videoaufnahmen einer Überwachungskamera und pornografische Fotos von Bandar auf dem Laptop des Prinzen, sprechen dagegen.
Bandar war ein Waisenkind, das als Erwachsener in die Dienste der Herrscherfamilie trat, wo er Sauds ständiger Begleiter wurde. Am 20. Januar quartierte sich der Prinz mit ihm im Londoner Fünf-Sterne-Hotel "Landmark" ein. Die britische Hauptstadt - Tummelplatz ölreicher Scheichs, die ihre Luxuswagen wegen der arabischen Kennzeichen knöllchensicher vor Nachtklubs und Edelkaufhäusern zu parken pflegen und, meist ebenso straflos, ihr Personal misshandeln - sollte die letzte Station eines Trips sein, der sie anhand eines Schwulenreiseführers schon nach Mailand, Budapest, Prag, Marrakesch und den Malediven geführt hatte.
Im Schlafzimmer ihrer Suite 312 standen ein riesiges Doppelbett und zwei Couchen. Das Bett freilich behielt der Prinz sich selbst vor, während Bandar vor dem Bett auf dem Fußboden zu nächtigen hatte. Der erste Zwischenfall ereignete sich zwei Tage nach ihrer Ankunft. Eine Überwachungskamera im Hotelfahrstuhl zeichnete auf, wie der Prinz seinen Begleiter mit Bissen, Faustschlägen, Ellbogenhieben und Fußtritten so brutal misshandelte, dass eins von Bandars Ohren auf mehr als das Dreifache anschwoll.
Seine Vormittage verbrachte der Prinz im Bett. Nachmittags gingen Saud und Bandar shoppen, abends speisten sie in Toprestaurants, bevor sie Bars und Nachtklubs aufsuchten. Am 14. Februar feierten sie den Valentinstag in einem italienischen Restaurant und danach in der Mirror-Bar ihres Hotels, wo sie bis 1.30 Uhr morgens Champagner und Cocktails tranken.
Bald darauf wurde Cornelius Avezaat, der Gast in Zimmer 212, durch Lärm aus der Suite über ihm aus dem Schlaf gerissen. Avezaat hörte wütende Männerstimmen, Möbelpoltern und schließlich einen "dumpfen Aufprall von oben". Dann wurde es still. In dieser Stille, so der Staatsanwalt, versuchte der Prinz, die Blutspuren aufzuwischen. Erst zwölf Stunden später alarmierte Saud seinen Chauffeur: "Ich kann Bandar nicht wach kriegen." Es war bereits 16.45 Uhr, als ein Krankenwagen gerufen wurde, dessen Besatzung nur noch den Tod Bandars feststellen konnte.
Gerichtsmediziner fanden Bissabdrücke des Prinzen an Bandars Wangen und Blut von Bandar an Sauds Unterwäsche. Eine Obduktion ergab schwere Verletzungen an Kopf und Unterleib des Toten. Unmittelbare Todesursache war jedoch eine Strangulierung.















