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Aus aller Welt

Neue Erklärung des Universums

Stephen Hawking und das Universum ohne Gott

Der Astrophysiker Stephen Hawking bestreitet in seinem neuen Buch die Existenz eines Gottes. Ein Hamburger Forscher widerspricht.

Der Astrophysiker Stephen Hawking kann sch nur mithilfe eines Sprachcomputers verständigen.
Foto: picture-alliance/ dpa

London. Wo liegt der Ursprung allen Seins? Gibt es einen Gott? Der Astrophysiker Stephen Hawking, 68, fällt jetzt offenbar vom Glauben ab. In seinem am Donnerstag in Deutschland erscheinenden Buch "Der große Entwurf - Eine neue Erklärung des Universums" schreibt der Brite, dass sich unser Universum aus dem Nichts erschaffen habe. "Spontane Schöpfung ist der Grund, warum es statt dem Nichts doch etwas gibt, warum das Universum existiert, warum wir existieren", zitiert die Londoner "Times" Hawking. Aus den Reihen der Kirchen hagelt es Kritik.

1988 hatte Hawking die Existenz Gottes noch für möglich gehalten

Der renommierte Wissenschaftler, der wegen des Nervenleidens ALS gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt ist, hat offensichtlich einen Sinneswandel vollzogen. In dem Bestseller "Eine kurze Geschichte der Zeit" aus dem Jahre 1988 urteilte der Kosmologe noch ganz anders. Gott, so schrieb er darin, sei nicht notwendigerweise unvereinbar mit dem wissenschaftlichen Verständnis vom Ursprung. Damals zeigte sich Hawking noch als Kirchenfreund. Auf einer von den Jesuiten im Vatikan ausgerichteten Konferenz hielt er einen Vortrag, er sprach von einer Art "Ultimativen Theorie", die womöglich auch auf einen Gott hinweisen könnte.

Die ultimative Kehrtwende, die Hawkings mit seinem neuen Buch vollzieht: Ein Schöpfergott ist überflüssig. "Weil es ein Gesetz der Schwerkraft gibt, kann und wird sich ein Universum selber aus dem Nichts erschaffen", schreibt der Physiker. Mit seinen Thesen bricht Hawking auch mit dem Gedankengut von Isaac Newton (1643-1727), der die Ansicht vertrat, dass sich das Universum allein nicht aus dem Chaos gebildet haben könnte - Newton machte einen Gott hinter allem aus.

Unterstützung erhielt Hawking von dem prominenten britischen Biologen Richard Dawkins. Der Darwinismus habe Gott "aus der Biologie gekickt", so der Wissenschaftler. In der Physik sei dies bislang noch nicht möglich gewesen. Hawking sei dieser "Paukenschlag" nun gelungen.

Verwundert über Hawkings Thesen zeigt sich der Hamburger Astrophysiker Dr. Hans-Jürgen Hagen. Er relativiert den Allmachtsanspruch der Physik: "Ich denke, dass wir als Naturwissenschaftler Gesetze finden und beschreiben können. Mehr aber auch nicht." Hagen vergleicht die Suche nach dem Ursprung mit einem Buch, "das wir versuchen zu verstehen, aber von dem wir nicht wissen, wer es geschrieben hat." Wenn jemand den Ursprung mit physikalischen Gesetzen erklären wolle, sagt Hagen, dann stelle sich doch die Frage: "Woher kommen diese Gesetze?"

Distanziert reagiert auch der Direktor der Katholischen Akademie Hamburg, Stephan Loos: "Der entscheidende Punkt ist, dass es sich um zwei verschiedene Weisen handelt, die Wirklichkeit zu verstehen", sagt er. Die Naturwissenschaft müsse methodologisch atheistisch vorgehen, um Ursachen zu ergründen. "Ich würde Hawking nicht absprechen wollen, dass er zu neuen Erkenntnissen kommt. Problematisch ist bloß wenn er urteilt: Es gibt keinen Gott." Die zwei verschiedenen Sichtweisen auf die Welt, die Metaphysik und die Physik, sagt Loos, folgten unterschiedlichen Logiken: "Sie sollte man nicht miteinander vermischen." Kritik übt er an der Vorstellung, dass Gott den Menschen lediglich dazu diene, für all das, was sie nicht verstehen, einzustehen zu müssen. "Gott wäre nach dieser Logik nur ein Lückenbüßer-Gott, der mit dem wissenschaftlichen Fortschritt immer kleiner werde. An so einen Gott wollen wir Christen nicht glauben."

Hawkings geschiedene Frau glaubt, Gott helfe Bücher zu verkaufen

Hawkings geschiedene Ehefrau bezeichnete den Wissenschaftler schon lange als Atheisten. Sie glaubte stets an eine ganz andere Logik. So habe es eine ganz einfache Antwort auf die Frage gegeben, warum in Hawkings Werken so oft von Gott zu lesen ist: "Es hilft Bücher zu verkaufen."

 

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