WHO-Erklärung
Schweinegrippe-Pandemie ist zu Ende
Glück: Die Schweinegrippe-Pandemie ist glimpflich zu Ende gegangen. Trotzdem sei der H1N1-Virus nicht zu verharmlosen. Er ist noch da.
Mit Mundschutz wegen einer möglichen Schweinegrippeinfektion warten einige Chinesen am Flughafen in Tijuana (Mexiko) am 05.05.2009 auf ihren Abflug. Das ist laut WHO nicht mehr notwendig. Sie haben die Schweinegrippe-Pandemie offiziell für beendet erklärt.
Foto: dpa/DPA
Genf. Die Schweinegrippe-Pandemie ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu ihrem Ende gekommen. Das neue H1N1-Virus sei größtenteils ungefährlich geworden, sagte WHO-Chefin Margaret Chan am Dienstag in einer Telefonkonferenz in Genf. „Wir kommen nun in eine Phase nach der Pandemie.“ Eine WIssenschaftler-Gruppe hat die Herabstufung der Schweinegrippe vom höchsten Warnniveau empfohlen.
Dem Erreger fielen seit dem Ausbruch im Frühjahr 2009 nach WHO-Angaben mehr als 18 400 Menschen in etwa 200 Ländern zum Opfer. Es würden momentan keine vermehrten Ausbrüche der Grippe beobachtet, weshalb der 15-köpfige "Notfall-Ausschuss" der Genfer UN-Behörde sich für die Neueinstufung entschieden hatte.
Das H1N1-Virus hatte sich Anfang vergangenen Jahres zunächst vor allem in Mexiko und in den USA rasant ausgebreitet. Im Juni stufte die WHO die Seuche als eine globale Pandemie ein.
Aus Sicht Chans verlief die Schweinegrippe insgesamt glimpflich. Es hätte sehr viel schlimmer kommen können, meinte die WHO-Chefin. „Dieses Mal hat uns schlichtweg viel Glück geholfen. Das Virus mutierte während der Pandemie nicht zu einer tödlicheren Form.“
Der Umgang der Weltorganisation mit der Schweinegrippe war auf heftige Kritik gestoßen. So hieß es, die WHO habe überzogen reagiert, da das Ausmaß weitaus geringer war als zunächst angenommen. Inzwischen haben nicht nur die WHO selbst, sondern auch Experten diese Vorwürfe als nicht stichhaltig zurückgewiesen.
Chans Sonderberater Keiji Fukuda trat am Dienstag erneut Vorwürfen entgegen, wonach viele WHO-Mitgliedstaaten durch verschiedene Pandemie-Definitionen aus Genf verunsichert worden seien. „Es gibt drei zentrale Dokumente, in denen die WHO Richtlinien zur Vorbeugung gegen Pandemien vorgeschlagen hat“, erklärte er. Von der ersten Fassung 1999 über die zweite (2005) und dritte (2009) Version hätten sich „Beschreibungen“ einzelner Grippe-“Phasen“ womöglich geändert. Fukuda räumte ein, dass dies Verwirrung ausgelöst haben könnte.
Nach Fukuda dürfe man den H1N1-Erreger nicht verharmlosen. „Man kann sagen, dass die Länder auf der nördlichen Halbkugel das Gefühl haben, dass es jetzt vorbei ist. Aber auf der südlichen Halbkugel gibt es viele Diskussionen.“ Alle WHO-Staaten müssten wachsam bleiben: „Obwohl wir ein Ende der Pandemie haben, ist das Virus immer noch da.“
In Deutschland gab es vom Herbst 2009 bis August 2010 über 226 000 gemeldete Schweinegrippe-Fälle. 258 der Patienten starben nach Angaben des Robert Koch - Instituts (RKI). Die meisten Fälle gab es im Herbst und Winter 2009. Die wahre Zahl der Infektionen schätzen Experten um ein Vielfaches höher. Die Impfquote in Deutschland lag bei nur etwa 8 Prozent.
Die neue saisonale Grippeimpfung im Herbst umfasst auch eine Komponente gegen die Schweinegrippe. Daher sei eine Extra-Impfung gegen die Schweinegrippe laut RKI nicht mehr nötig. Die saisonale Grippeimpfung hingegen sei wichtig, da in diesem Winter wahrscheinlich mehrere Grippeviren zirkulieren.



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