Duisburgs Oberbürgermeister
Adolf Sauerland - Vom Liebling zum Buhmann
Immer mehr Rücktrittsforderungen werden laut, doch OB Sauerland will seinen Stuhl nicht räumen. Vor der Loveparade-Katastrophe galt er noch als beliebt.
Für viele ist er der Verantwortliche für die Katastrophe bei der Duisburger Loveparade, durch die bislang 21 Menschen starben und über 500 zum Teil schwer verletzt wurden. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) steht seit Tagen in der Kritik, weil seine Stadtverwaltung und damit zumindest indirekt auch er selbst, die Massenveranstaltung genehmigt hatte. Unter welchen Voraussetzungen ist bislang unklar.
Die Stimmung gegen das Stadtoberhaupt ist derart aufgeheizt, dass Sauerland inzwischen unter Polizeischutz steht. Er erhielt Morddrohungen, bei einem Besuch der Unglücksstelle wurde er von Trauernden ausgebuht, beschimpft und mit Müll beworfen. Vor diesem Hintergrund will er auf eine Teilnahme an der zentralen Trauerfeier am Samstag verzichten. Weil er „die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren“ wolle, wie es heißt.
An seinem Sessel im Rathaus hält der 55-jährige gebürtige Duisburger aber fest. Es müsse zunächst darum gehen, die „schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen“, heißt es auf seiner Internetseite, auf der er vor schwarzem Hintergrund eine persönliche Stellungnahme eingestellt hat. Der Frage nach der Verantwortung, auch seiner persönlichen, werde er sich dann stellen.
Für viele Bürger und auch immer mehr Politiker kann ein Rücktritt des vierfachen Vaters indes nicht schnell genug gehen. So sagte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU) im SWR, je schneller Sauerland seinen Hut nehme, desto besser.
Unterstützung oder aufbauende Worte für den CDU-Mann finden sich in diesen Tagen – zumindest öffentlich – nicht. Der eigentlich als lebensfroh bekannte Sauerland scheint nach dem Unglück allein dazustehen. Medien berichten, selbst Mitarbeiter sehnten sich offenbar danach, dass das Stadtoberhaupt aufgebe und sein Amt zur Verfügung stelle. Die Situation sei unerträglich geworden, zitiert die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ einen nicht näher genannten Mitarbeiter.
Bei der Pressekonferenz am Tag nach dem Unglück wirkt Sauerland in sich zusammengesunken. Den bohrenden Fragen der Journalisten hat er wenig entgegenzusetzen. Immer wieder verweist er auf die laufenden Ermittlungen, weshalb er noch keine Antworten geben könne. Dieses Verhalten erzürnt viele Bürger. Auf einer Demonstration am Donnerstag prangern Teilnehmer an, der Oberbürgermeister verstecke sich feige. Sie fordern, dass die Stadt „endlich die Verantwortung übernimmt“ und „die Schuldigen Farbe bekennen“.
Die Stimmung ist enorm schnell umgeschlagen. Vor dem Unglück bei der Loveparade galt Sauerland noch als beliebt und volksnah. Die vergangene OB-Wahl im September 2009 entschied er mit 44,6 Prozent der Stimmen für sich. Fünf Jahre zuvor hatte er in der eigentlich „roten“ Industriestadt Duisburg das Oberbürgermeisteramt von seiner SPD-Vorgängerin Bärbel Zieling übernommen.
Nach der Schule hat der heute 55-Jährige in Duisburg Maschinenbau, Geschichte und Pädagogik studiert und wurde Berufsschullehrer im nahe gelegen Krefeld-Uerdingen. In die CDU trat er 1980 ein, wurde später stellvertretender Vorsitzender seiner Partei in Duisburg und Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Schließlich zog er ins Oberbürgermeisterbüro ein. Wann er seinen Schreibtisch dort wieder räumen muss, ist offen.


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