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Aus aller Welt

Raub in Stockholm

Geldraub wie in Hollywood: Hubschrauber-Räuber vor Gericht

Vor zehn Monaten wurde eine Bank in Stockholm ausgeraubt. Vier Millionen Euro sind wie vom Erdboden verschluckt – und einige Drahtzieher auch.

Am 23. August des vergangenen Jahres sorgte der Raubüberfall weltweit für Aufsehen. Für Tipps zur Ergreifung der Täter hatte der Gelddepot-Betreiber eine Belohnung von sieben Millionen Kronen (685 000 Euro) ausgesetzt.
Foto: dpa/DPA

Stockholm. Ob das als Drehbuch in Hollywood durchgehen würde? Die Gangster landen mit einem gestohlenen Hubschrauber auf dem Dach der Geldzentrale. Drei schwer bewaffnete Männer seilen sich durch das verglaste Pyramidendach ins Innere ab. Sie nehmen 21 Wachleute als Geiseln und sprengen den Weg in die Gelddepots frei. Ihre Beute hievt der Hubschrauber-Pilot hoch, während die Polizei vor dem Depot tatenlos zuschaut. Sie muss auf Antiterror-Spezialisten warten. Der einzige Polizei-Helikopter ist durch eine Bombenattrappe „unschädlich“ gemacht, die Helfer der Räuber auf dem Stellplatz platziert hatten.

Zehn Monate nach diesem spektakulären Stockholmer Coup vom 23. September wurde jetzt Anklage gegen zehn mutmaßliche Bandenmitglieder erhoben. Staatsanwalt Leif Görts wirkte am Montag aber bestimmt nicht wie ein siegessicherer Ankläger, als er bisher unbekannte Details verkündete: Umgerechnet 4,1 Millionen Euro (39,1 Millionen Kronen) gingen mit, als der Pilot vor den Augen der Polizisten zur Flucht abhob und über dem morgendlichen Stockholm verschwand, ohne dass er in der Luft verfolgt werden konnte. Das Geld ist bis heute unauffindbar. Die zehn Männer halten dicht. Ab 2. August stehen sie vor Gericht. Zehn weitere Verdächtige sind auf freiem Fuß.

Zu ihnen gehören die wahrscheinlichen Drahtzieher aus Serbien. Neben der Beute sind auch zwei der drei Männer, die in die Geldzentrale eingedrungen waren, wie vom Erdboden verschluckt. Dabei hatte die serbische Polizei ihren schwedischen Kollegen schon Wochen vor dem Raub ziemlich klare Hinweise gegeben, was im Busche war. Seltsamerweise wurden aber alle vorbeugenden Maßnahmen kurz vor dem entscheidenden Datum wieder abgeblasen.

Relativ leicht fiel es der Kripo, den Piloten des gestohlenen Hubschraubers dingfest zu machen. Es kamen wenige Personen infrage, die das fachliche Können zum Landen auf dem engen Hausdach und gute Ortskenntnisse hatten. Wohl deshalb hatten die Gangster einen Unfall mit dem Auto des Piloten inszeniert, der fast gleichzeitig mit dem Überfall passierte. Aber es nützte nichts.

Der Pilot kommt jetzt vor Gericht mit neun anderen Verdächtigen aus aller Herrenländer. In der Anklageschrift sind schwedische und osteuropäische Namen sowie ein südamerikanischer und ein syrischer Name zu lesen.

Die Polizei findet nicht, dass die Gruppe Sympathie für ihren raffinierten Einsatz verdient hat. „Sie haben das Leben des Wachpersonals bei ihren Sprengaktivitäten im Gelddepot völlig rücksichtslos aufs Spiel gesetzt“, meinte ein Kriposprecher. Körperlich verletzt wurde aber niemand.

Überheblichkeit kam dazu: Der mutmaßlich als Pilot beteiligte Schwede hatte die Nerven, nach der Landung des Hubschraubers, der dann gefunden wurde, zu einem nahe gelegenen McDonald's zu gehen. Das Video der Überwachungskamera zeigt, wie er seelenruhig einen Hamburger bestellt – und das ist wohl nicht so gut für dieBemühungen um ein Alibi. Dumme Fehler nach einem scheinbar brillanten Coup gehören in Stockholm offenbar genauso zur Gangstergeschichte wie in Hollywood.

 

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