Proteste bei Eröffnung
Berlin feiert Park in Tempelhof und neuen Flughafen
Anderthalb Jahre nach der Schließung des Parks strömten am Samstag rund 80.000 Besucher auf die 300 Hektar große Freifläche.
Spaziergänger laufen auf dem Flugfeld des Flughafens Tempelhof in Berlin. Auf dem Gelände des einstigen Flughafens Tempelhof ist Berlins größter Park eröffnet worden.
Foto: dpa/DPA
Berlin. Begleitet von Protesten ist Berlins größter Park auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof eröffnet worden. Anderthalb Jahre nach der Schließung strömten am Samstag rund 80.000 Besucher bei herbstlichen Temperaturen auf die 300 Hektar große Freifläche, wie eine Sprecherin der Senatsverwaltung sagte. Auch in Schönefeld wurde gefeiert: 50.000 Ausflügler erkundeten das Gelände des künftigen Großflughafens Willy Brandt, wo am Freitag Richtfest gefeiert worden war. In Tempelhof gab es bei der Eröffnungsrede von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ein Pfeifkonzert. Etwa 50 Demonstranten forderten auf Schildern und mit Sprechchören, den Zaun um das Gelände zu entfernen. Sie bemängelten auch, dass der Park nachts geschlossen bleiben soll.
Demonstranten wollten Zaun stürmen
Am Abend kam es zu einem von der Polizei begleiteten Protestzug quer über das Tempelhofer Feld. Im Osten des Geländes versuchten rund 250 Demonstranten, vorwiegend aus der linken Szene, den umstrittenen Zaun zu stürmen. Die Polizei, die mit gepanzerten Einsatzkräften vor Ort war, hinderte sie allerdings daran. Zu Auseinandersetzungen kam es nicht.
Zuvor hatten Sicherheitskräfte des Veranstalters einige Eingänge gesperrt. Sie wollten verhindern, dass Teilnehmer einer zuvor friedlichen Demonstration auf das Gelände gelangen. Besucher, die noch in den Park wollten, reagierten verärgert und forderten eine Öffnung der Tore. Vor den Eingängen bildeten sich vorübergehend teils lange Schlangen. Unter den Wartenden waren auch viele Radfahrer und Familien mit Kindern.
Ströbele hält Zaun für „absurdes Theater“
Grünen-Politiker Christian Ströbele, der auch mit dem Fahrrad auf dem Gelände unterwegs war, sagte, er gehe davon aus, dass der Zaun in ein paar Jahren ganz verschwinden werde. Das Abriegeln bezeichnete er als „absurdes Theater“. Der Popsänger Frank Zander sang gerade „Nur noch Hause gehen wir nicht“ – seine Version von Rod Stewarts „Sailing“, als Demonstranten an seiner Bühne vorbeizogen.
Der Senat erwartet am Wochenende insgesamt 200000 Besucher zu dem Fest. Zwei junge Männer wurden laut Polizei wegen Farbschmierereien des Geländes verwiesen. Rund 500 Angehörige der linken Szene demonstrierten am Hermannplatz. Kein Stadtpark im herkömmlichen Sinne Tempelhof wirkt anders als ein Stadtpark im herkömmlichen Sinne. Kein Baum ist zu sehen, wenn der Blick über die Wiesen und die stillgelegten Landebahnen schweift. Noch ist der Park ein Provisorium - die Bagger sollen erst 2013 kommen.Wo einst die Rosinenbomber landeten, fuhren nun Besucher mit dem Fahrrad, auf Skates oder in einem Velo-Taxi herum.
400 Sportbegeisterte machten am Morgen bei einem „Volkslauf“ mit, der auf die Internationale Gartenschau 2017 einstimmen sollte. Lokaler Budenzauber und kein Glühwein Trotz der Proteste und des wolkenverhangenen Himmels: Den meisten Besuchern schien der Park zu gefallen. Sie gingen von einer Wurstbude zur anderen, aßen Waffeln und kauften Lebkuchenherzen. Bei Temperaturen um zehn Grad fragten manche nach Glühwein – Fehlanzeige. Die Kleinsten nahmen an Mitmach-Parcours teil, die Größeren liehen sich Inline-Skates aus. Zum Auftakt des zweitägigen Fests in Schönefeld sahen sich die Gäste auf geführten Bustouren, Hubschrauber-Rundflügen und von einem Aussichtsturm aus die Baustelle an. „Wir sind total überwältigt von dem Rieseninteresse“, sagte ein Sprecher der Flughafen-Gesellschaft. Für Sonntag sollten zusätzliche Busse geordert werden. Bei dem Familienfest gab es ein Bühnenprogramm, Gewinnspiele, eine Hüpfburg und Imbissbuden. In Betrieb gehen soll der neue Flughafen im Oktober.



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