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Ludwigshafen

Tödliche Rache an einem Lehrer für schlechte Noten

Großalarm an einer Berufsschule in Ludwigshafen. Ein 23 Jahre alter Ex-Schüler wurde festgenommen und hat ein Geständnis abgelegt.

Beamte des Sondereinsatzkommandos sichern das Gelände der Berufsschule Technick 1 in Ludwigshafen.
Foto: dpa/DPA

Hamburg/Ludwigshafen. Es stand Farbgestaltung im Fach Malen und Lackieren auf dem Stundenplan, als plötzlich Schreie auf dem Gang im Untergeschoss der Ludwigshafener Berufsschule für Technik zu hören sind. "Alle rannten in Panik aus dem Klassenzimmer", sagt der 16-jährige Ramazan geschockt. Auf der Treppe habe der Lehrer der Klasse gelegen. "Alles war voller Blut!" Als die Polizei wenige Minuten später in der Malerwerkstatt eintrifft und dem 58-jährigen Pädagogen Erste Hilfe leistet, ist es bereits zu spät. Lehrer Rudolf B. stirbt noch am Tatort. Erstochen von seinem ehemaligen Schüler Florian K. (23) - aus Wut über schlechte Noten.

Wie konnte das geschehen? Nach Rekonstruktion der Polizei betritt der Täter kurz vor 10 Uhr morgens ein Nebengebäude des Bildungszentrums im Ludwigshafener Stadtteil Mundenheim. Er sucht offenbar gezielt nach dem Pädagogen. Lothar Liebig, Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal: "Auf der Kellertreppe sind sich der mit einem Kampfmesser und einer Schreckschusspistole bewaffnete Täter und sein Opfer begegnet." Es sei zu einem heftigen Kampf gekommen, in dessen Verlauf der Lehrer lebensgefährlich verletzt wurde.

Anschließend nimmt die Tat amokhafte Züge an. Der Messerstecher rennt in das Hauptgebäude, entzündet ein bengalisches Feuer, schießt um sich und greift einen weiteren Lehrer an. Doch dieser kann fliehen. Irgendjemand löst geistesgegenwärtig Feueralarm aus, worauf die knapp 2000 Schüler das Gebäude fluchtartig verlassen.

Als der Schulleiter im dritten Obergeschoss sichergehen will, dass kein Schüler mehr im Gebäude ist, steht der Täter plötzlich vor ihm und feuert mit seiner Schreckschusspistole auf den Direktor. Bevor Schlimmeres passiert, gelingt es vier Polizisten - die Besatzung von zwei Funkstreifenwagen -, die zuerst am Tatort eintrafen, den Täter zur Aufgabe zu überreden. In der ersten Vernehmung sagte Florian K., er habe "sehr große Wut" auf den Lehrer gehabt, weil er ihn immer schlecht benotet habe. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 23-Jährigen wegen Mordes.

Hatte er die Tat von langer Hand geplant? In seinem Profil auf einer Internetseite postete er nach Recherchen der "Rhein-Zeitung" unter dem Stichpunkt "Persönliches": "Fragt mich oder das BKA." Offenbar beschäftigte er sich schon länger mit dem Thema Amoklauf. In dem Internet-Auftritt legte er auch sein Todesdatum fest: " * 2010." Zu seinen Hobbys zähle er "Schützensport & alles, was mit Waffen zu tun hat". Im Netz sei er zudem Mitglied in Gruppen wie "Legale Waffenbesitzer" und "Liberales Waffenrecht". 2007 habe er ein achtminütiges Video hochgeladen, in dem er Fotos zu dem Amoklauf von Erfurt mit 17 Toten aus dem Jahr 2002 zusammengestellt habe. Dort zeige er mit Rap-Texten unterlegte Bilder von dem Polizeieinsatz im Erfurter Gutenberg-Gymnasium.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) ist wenige Stunden nach der Tat sichtlich geschockt, kämpft mit den Tränen. "Wir alle haben mit Nachdruck gehofft und gewünscht, dass so etwas in einer rheinland-pfälzischen Schule nie geschehen würde." Der Unterricht wurde bis Montag abgesagt. Ludwigshafens Kripochef Franz Leidecker: "Wir wissen von dem Täter bisher nur, dass er keiner regulären Beschäftigung nachging und sich zuletzt in einer Fördermaßnahme des Christlichen Jugendwerks befand." Er habe keinen Migrationshintergrund und habe die Schule nach eigenen Angaben bereits 2004 verlassen.

Bei dem Lehrer handelt es sich um einen Familienvater mit Wohnsitz in Hessen. Rudolf B. unterrichtete Mathematik, Malen und Lackieren, galt bei vielen Schülern als sehr streng. "Unfassbares Leid ist über die Familie gekommen", sagte die Bundesbeauftragte für Integration, Maria Böhmer, die aus dem nahe gelegenen Frankenthal stammt. Die betroffene Schule sei eine Bildungseinrichtung, die sich mit großem Engagement Schülern annehme, die sich in einer schwierigen Lernsituation befänden: "Umso bitterer ist es, dass eine solche Tat dort stattfindet. Florian K., der nicht vorbestraft ist, soll heute dem Haftrichter vorgeführt werden.

Chronik: Amokläufe an Schulen:

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