Studie zum Glauben
Persönliche Krisen kein Grund für Glaubensfindung
Persönliche Krisen sind laut einer Studie der Universität Greifswald nur selten der Grund für eine Glaubensfindung.
Greifswald. Ausschlaggebend für eine Hinwendung zur Kirche sei eher der persönliche Kontakt zu anderen engagierten Christen, sagte der Greifswalder Theologe Johannes Zimmermann bei der Vorstellung der Forschungsergebnisse am Dienstag in Greifswald. So besuchten kirchendistanzierte Menschen häufig auf Initiative von Familienmitgliedern und Freunden hin wieder kirchliche Veranstaltungen. Für die empirische Studie hatte das an der Universität Greifswald angesiedelte Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung bundesweit 462 Menschen befragt, die eine Hinwendung zum christlichen Glauben erlebt haben. Demnach erfolgt die Bekehrung von Menschen durchschnittlich in der Lebensmitte bei 41 Jahren. Zudem kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass selbst Menschen, die keinerlei religiöse Vorbildung haben, sogenannte Konversionen erleben können.
Unterschiede zwischen den westlichen und den östlichen Landeskirchen gebe es vor allem beim Alter, in dem Erwachsene zum Glauben fänden, sagte Mitautor Zimmermann. Während in Ostdeutschland auffällig viele 26- bis 30-Jährige konvertieren, fänden in Westdeutschland vor allem die 60- bis 66-Jährigen wieder mehr zur Kirche. Vor allem im Osten Deutschlands spiele zudem der traditionelle Gottesdienst für die Hinwendung zum Glauben eine starke Rolle. Aber auch sogenannte Glaubenskurse würden sich in den vergangenen Jahren bundesweit wachsender Beliebtheit erfreuen.
Überdurchschnittlich hoch sei bei den Konvertiten zudem der Bildungsgrad. So habe fast jeder zweite der Befragten Abitur, sagte Zimmermann. Das stelle die Kirche vor die Frage, wie sie auch bildungsferne Schichten erreichen könne. Der Direktor des Greifswalder Instituts, Michael Herbst, hatte bereits bei der Vorstellung der Studie im Oktober in Stuttgart davor gewarnt, erwachsene Menschen auf ihre Kirchendistanziertheit festzulegen. Die Erhebung habe gezeigt, dass aus der heutigen Ablehnung der Kirche morgen eine Zuwendung werden könne.
Aufgabe der Kirche sei es, die Sprachfähigkeit von Christen zu fördern, damit sie mit anderen über ihren Glauben reden können. Menschen neu für den Glauben zu begeistern, sei eine anstrengende Aufgabe. „Die Kirchen haben die Menschen massenweise verloren – wir werden sie nur einzeln zurückgewinnen“, hatte Herbst formuliert. Entstanden ist die Studie den Angaben zufolge in Zusammenarbeit mit den Landeskirchen von Württemberg, Sachsen, Mecklenburg, dem Rheinland und Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Finanziell gefördert wurde sie von der Deichmann-Stiftung (Essen).


Branchenbuch Hamburg
Schatzbüdel

100. Geburtstag
Axel Springer




Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages



