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Aus aller Welt

Unglück nach Erdbohrung

Jetzt ist die Unglücksquelle in Wiesbaden endlich dicht

Eineinhalb Tage lang strömten Minute für Minute Tausende Liter Wasser aus der Erde. Jetzt konnte das Bohrloch endlich abgedichtet werden.

Nach eineihalb Tagen ist die durch eine Erdwärmebohrung ausgelöste Wasserfontäne am hessischen Finanzministerium in Wiesbaden im dritten Anlauf endlich gestoppt worden.
Foto: dpa

Wiesbaden. Nach eineihalb Tagen ist die durch eine Erdwärmebohrung ausgelöste Wasserfontäne am hessischen Finanzministerium in Wiesbaden im dritten Anlauf endlich gestoppt worden. Aus dem Bohrloch waren seit der Nacht zum Freitag riesige Mengen unter Druck stehendes Grundwasser geströmt, das einen See bildete. Mit hohem Druck wurde Beton in den 130 Meter tiefen Bohrkanal gepresst, so dass am Sonnabend das Bohrloch endlich abgedichtet werden konnte.

Vor der Erkundungsbohrung für eine Erdwärmeheizung des Finanzministeriums war nicht bekannt, dass sich ein sogenannter artesischer Grundwasserleiter an der Stelle befindet. Die Fachleute sprechen von einem extremen Einzelfall. „Schadensfälle in dieser Größenordnung kommen – verglichen mit den jährlich rund 30.000 problemlosen Erdwärme- und Grundwasser-Bohrungen zur Nutzung der Geothermie in Verbindung mit einer Wärmepumpe – extrem selten vor“, teilten die Geothermische Vereinigung und der Bundesverband Wärmepumpe mit.

Aus dem Gelände nahe der Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden schoss bei der Bohrung plötzlich eine bis zu sieben Meter hohe Fontäne aus der Erde. Zeitweise traten bis zum 6.000 Liter Wasser pro Minute aus. Große Mengen Beton wurden in das Loch eingebracht, das Wasser kam jedoch an drei neuen Stellen wieder an die Oberfläche. Die Menge reduzierte sich allmählich auf 30 bis 40 Liter pro Minute. Ein neues Bohrgerät wurde angefordert, mit dessen Hilfe die Fachleute unterhalb der wasserdurchlässigen Kiesschicht einen neuen Betonpfropfen anbringen wollten.

Am Sonnabendmorgen war zunächst ein weiterer Versuch, den Wasseraustritt zu stoppen, fehlgeschlagen. Im Verlaufe des Tages gelang es jedoch, den Wasseraustritt fast völlig zu stoppen. Dafür sei Beton mit einem sehr hohen Druck von 20 Bar in die Tiefe gepresst worden, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Michael Hohmann. Die Feuerwehr errichtete eine Sandsackbarriere, um die umliegenden Gebäude zu schützen. So entstand ein 50 mal 20 Meter großes Reservoir. „Zum einen wird so die Fließgeschwindigkeit des Wassers gebremst. Außerdem fängt sich dort der Zementschlamm, den das Wasser mitbringt. Der würde sonst unsere Kläranlage schädigen“, sagte Stadtsprecher Siegfried Schneider.

Für das Wasser im Untergrund ist Wiesbaden berühmt: Die Stadt verfügt über insgesamt 27 heiße und ungezählte kalte Quellen. Der Quellenreichtum wird durch die Lage am Rande des Taunus begünstigt. Einige Quellen sprudeln bereits seit der Steinzeit am gleichen Ort.

(ap/abendblatt.de)

 

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