Gewalt an Schulen
Stiftung plant Hotline für Amok-Hinweise
Mit einer Telefon- und E-Mail- Hotline will die geplante Stiftung „Gegen Gewalt an Schulen" Amokläufe wie in Winnenden künftig verhindern.
Schueler trauern in Winnenden vor der Albertville-Schule neben Kerzen in Gedenken an die Opfer des Amoklaufs mit 16 Toten.
Foto: ddp/DDP
Stuttgart. Mit einer Telefon- und E-Mail- Hotline will die geplante Stiftung „Gegen Gewalt an Schulen“ Amokläufe wie in Winnenden künftig verhindern. Die Stiftung werde am 18. November gegründet, sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses Amoklauf, Hardy Schober, am Montag in Stuttgart. Das Bündnis hatte sich nach der Bluttat gegründet, bei der am 11. März 2009 ein 17- Jähriger an einer Realschule in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) und auf der anschließenden Flucht nach Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschossen hat. Schober, dessen Tochter bei dem Amoklauf getötet worden war, sagte, die Stiftung „Gegen Gewalt an Schulen“ werde von Bundespräsident Horst Köhler unterstützt.
Schober sagte, geplant sei auch, einen Notruf für Eltern einzurichten, sich für den Aufbau einer Modellschule einzusetzen, Lehrer-Eltern- Seminare zu organisieren und Wettbewerbe für Schulklassen auszuschreiben, die sich vorbildlich für Prävention engagieren. Bei der rund um die Uhr geplanten ständigen Anlaufstelle sollen Schüler telefonisch, per E-Mail oder SMS Anzeichen für Gewalt, Mobbing von Mitschülern oder Amokdrohungen melden können. Die Sprecherin des Aktionsbündnisses, Gisela Mayer, kündigte an, die Stiftung wolle auch Spenden einwerben, um zusätzliche Schulpsychologen zu finanzieren.
Schober nannte als einen der Gründe für die Stiftung auch die Tatsache, dass sich das Aktionsbündnis zunehmend in die politische Diskussion über die Verschärfung des Waffenrechts oder das Verbot von Computerspielen mit brutalen und gewaltverherrlichenden Inhalten eingeschaltet habe. Für die Präventionsarbeit und die notwendigen Spenden von Unternehmen sei eine Organisation wichtig, die nicht in der dauernden politischen Debatte stehe. Das Aktionsbündnis ist ein Zusammenschluss der Angehörigen der Opfer des Amoklaufs.
Mayer sagte: „Wir führen auch Gespräche mit den sogenannten Trittbrettfahrern.“ Sie bräuchten dringend jemanden, der mit ihnen spricht. Diese meist jungen Menschen drohen in den Tagen und Wochen nach einem Amoklauf an ihrer Schule oder in ihrem Umfeld selbst ähnliche Gewalttaten an. Allein in den ersten drei Wochen nach dem Amoklauf belief sich ihre Zahl auf rund 130, von denen die Polizei etwa 100 aufspürte. Eine ganze Reihe von ihnen wurde zu saftigen Geldstrafen verurteilt.



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