Therapie-Drama in Berlin
Drogen-Therapie: Ein Teilnehmer berichtet
Nach der tödlichen Drogen-Therapie liegt ein Patient noch immer im im Koma. Jetzt berichtet ein Mann, was in den Sitzungen geschah.
Drei Tage nach einer tödlichen Therapiesitzung in Berlin liegt ein dritter Patient noch immer im Koma.
Foto: dpa/DPA
Berlin. Auch drei Tage nach einer tödlichen Therapiesitzung in Berlin lag ein dritter Patient noch im Koma. Der 55-Jährige befinde sich in unverändert kritischem Zustand, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Unterdessen berichtete ein Überlebender von der lebensgefährlichen Gruppensitzung in Berlin-Hermsdorf, bei der zwei Männer im Alter von 59 und 28 Jahren nach der Einnahme von Drogen gestorben waren. Dem 50 Jahre alten Therapeuten, der ihnen einen Mix verschiedener Drogen verabreicht hatte, wird gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge in zwei Fällen vorgeworfen.
In der Zeitung „B.Z.“ erzählte ein Mann von den Sitzungen, deren Teilnehmer jeweils 100 bis 150 Euro zahlen mussten. Am Samstagnachmittag habe der Therapeut nach Gesprächen und Meditation zwei Becher mit Drogen angeboten: weißes Pulver und weiße Tabletten. Die Begriffe Ecstasy und Ephedrin – eine pflanzliche Droge – seien gefallen. Beide Substanzen gehören zur Gruppe der Amphetamine, Drogen mit stimulierender und euphorisierender Wirkung. Die Drogen seien auch bei früheren Sitzungen konsumiert worden. Alle Mitglieder der Gruppe hätten Bescheid gewusst.
Dem Bericht zufolge probierten neun der zwölf Teilnehmer Drogen, darunter die später Gestorbenen. Die meisten Männer und Frauen seien im Delirium gewesen. Nach einigen Stunden sei ein Mann mit Herzstillstand zusammengebrochen. Die beiden Todesfälle seien ein Unglück gewesen. „Die Situation ist außer Kontrolle geraten.“
Der Vize-Vorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung, Hans-Jochen Weidhaas, forderte unterdessen einen besseren Schutz der Patienten. „Im Augenblick kann sich jeder ein Schild an die Tür hängen, auf dem steht: psychologische Behandlung nach dem Heilpraktikergesetz“, sagte Weidhaas der „Berliner Zeitung“. „Der Laie kann aber kaum unterscheiden zwischen einem Facharzt und einem Mediziner, der sich lediglich weitergebildet hat.“ Im Psychotherapeutengesetz sei nur die Ausbildung geregelt, nicht aber, wie in diesem Fall, die Weiterbildung eines Allgemeinarztes. „Um diese Regelungslücke zu schließen, muss der Titelschutz klarer gefasst werden.“ Berufsverbände hatten schon in den vergangenen Tagen von „Scharlatanerie“ gesprochen.
Das Analyseergebnis der Rückstände in den Leichen liegt laut Staatsanwaltschaft noch nicht vor. Der Therapeut sagte den Ermittlern zwar, was er seinen Patienten gab, die Staatsanwaltschaft wollte das aber nicht veröffentlichen. Derzeit werden noch die neun inzwischen wieder gesunden Teilnehmer des Drogen-Experiments vernommen.





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