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S-Bahn-Mord: Angeblich 15 Personen am Tatort

Keine Ermittlungen gegen Gaffer

Nach dem Mord an dem Münchner Geschäftsmann Dominik Brunner (50) auf einem Bahnsteig der Münchner S-Bahn ist eine Debatte um die Rolle der Augenzeugen entbrannt.

München. Die Staatsanwaltschaft sieht keinen Ansatz für Ermittlungen, ob ein beherztes Einschreiten den Tod des Mannes hätte verhindern können. Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger sagte, es gebe keine konkreten Hinweise, dass Passanten zu Hilfe hätten eilen können. Laut Polizei wurde der Geschäftsmann in etwa fünf Minuten totgeprügelt. Sprecher Peter Reichl berichtete, eines der bedrohten Kinder habe angegeben, es habe Passanten um Hilfe gebeten. "Wir haben eine Aussage, dass die Kinder noch Passanten angesprochen hätten, aber dass das auf taube Ohren gestoßen ist." Möglicherweise sei das aber noch vor dem Angriff auf den 50-Jährigen gewesen, als noch nichts auf die Eskalation hindeutete. Als die Schlägerei dann im Gange war, seien mehrere Notrufe verschiedener Zeugen bei der Polizei eingegangen. 15 Menschen sollen zur Zeit des Überfalls am Sonnabend auf dem Bahnhof gewesen sein. Dominik Brunner war von zwei 17 und 18 Jahre alten Jugendlichen mit mehr als 20 Faustschlägen und Fußtritten umgebracht worden. Gegen diese sowie einen dritten Jugendlichen wurden Haftbefehle erlassen.

Der frühere Bundesminister Carl-Dieter Spranger fordert für das Opfer das Bundesverdienstkreuz. "Ich schlage dem Bundespräsidenten vor, Dominik Brunner posthum das Bundesverdienstkreuz zu verleihen", sagte der frühere Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit der "Bild"-Zeitung. "Herr Brunner hat mit seinem beherzten Einschreiten ein Zeichen für Zivilcourage gesetzt." Er habe Mut und Verantwortung gezeigt, wo Eltern mit schwersten Erziehungsfehlern versagt hätten, sagte Spranger. Der frühere Berliner Justizsenator Rupert Scholz fordert als Konsequenz aus der tödlichen Prügelattacke ein schärferes Vorgehen gegen Gaffer. Die Staatsanwaltschaft München solle prüfen, "ob es in diesem Fall eine strafrechtlich relevante Verantwortung der tatenlos umherstehenden Zeugen und Fahrgäste wegen unterlassener Hilfeleistung gibt".

Für heute haben evangelische und katholische Pfarreien zu einer ökumenischen Andacht am Tatort, dem S-Bahnhof Solln, eingeladen.

 

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