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Aus aller Welt

Flüchtlingsdrama vor Lampedusa - über 70 Tote

Kapitäne fuhren an Schiffbrüchigen vorbei

Bei einem Flüchtlingsdrama im Mittelmeer sollen mindestens 73 Menschen ums Leben gekommen sein; nur fünf überlebten. Mehrere Schiffe fuhren vorbei - ohne zu helfen.

Nur fünf Flüchtlinge konnten lebend geborgen werden.
Foto: AFP

Lampedusa. Nach dem erneuten Flüchtlingsdrama im Mittelmeer mit mindestens 73 Toten hat ein deutscher Helikopter der europäischen Grenzpatrouille Frontex sieben Leichen gesichtet. Das teilte Maltas Militär in Valletta mit. Der Fund scheint die Angaben von fünf Immigranten aus Eritrea vom Donnerstag zu bestätigen, wonach auf ihrer Überfahrt von Libyen nach Europa 73 Menschen entkräftet gestorben seien. Kein Boot, das sie gesichtet hätten, habe ihnen helfen wollen: „Wir sind die einzigen Überlebenden“, hatten die Flüchtlinge nach ihrer Rettung auf der italienischen Insel Lampedusa erklärt. „Die anderen sind gestorben, und wir haben ihre Leichen dann über Bord geworfen.“

Die Überlebenden des Flüchtlingsdramas gaben an, vor drei Wochen von der libyschen Küste aufgebrochen zu sein. Andrej Mahecic vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sagte, die Flüchtlinge seien von etlichen vorbeifahrenden Schiffen ignoriert worden.Ein Fischerboot habe ihnen Brot und Wasser gegeben und sie dann wieder zurückgelassen. Dies widerspreche der maritimen Tradition, Menschen in Not zu retten. Feindselige Einstellungen von Regierungen gegenüber Flüchtlingen führten offenbar dazu, dass Schiffsführer ihre Pflichten vernachlässigten.

Einer der Geretteten sagte, ein Patrouillenboot sei vor Tagen auf sie aufmerksam geworden. Man habe ihnen Treibstoff und fünf Rettungswesten gegeben, „und dann fuhren sie wieder ab und ließen uns trotz unseres Zustands zurück.“ Maltesische Militärkreise in Valletta bestätigten den Vorgang. Die internationalen Verpflichtungen seien von Malta erfüllt worden, der zuständige maltesische Offizier habe aber nicht versucht, das Boot an der Weiterfahrt zu hindern.

Die Flüchtlingen drifteten tagelang in einem Zwölf-Meter-Schlauchboot, wie es von Schlepperbanden öfter eingesetzt wird, bis sie dann südlich von Lampedusa gerettet wurden. Italiens Innenminister Roberto Maroni ordnete eine Untersuchung der Angaben an. Die Überlebenden kamen in äußerst schlechter Verfassung an, sie sahen aus wie „Skelette“, berichteten Helfer. Der Westen verschließe seine Augen vor den Flüchtlingsdramen „wie zu Zeiten des Holocaust“, kritisierte die Zeitung „Avvenire“ der italienischen Bischofskonferenz am Freitag.

Im Mittelmeer spielen sich immer wieder Flüchtlingsdramen ab. Migranten machen sich mit untauglichen Booten auf den Weg, oftmals kommen sie völlig entkräftet an Land, immer wieder gibt es viele Tote. Jedoch erreichen kaum noch Boote aus Libyen Lampedusa, weil Tripolis und Rom sie seit einigen Monaten in einer gemeinsamen und höchst umstrittenen Aktion in internationalem Gewässer abfangen und nach Libyen zurückbringen. In der Vereinbarung hat sich Libyen auch verpflichtet, die Kontrollen an den Küsten des Landes zu verstärken. dpa/rtr/HA

 

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