06.02.13

Urteil in Hamm

Tochter erfährt Namen des anonymen Samenspenders

Sarah P. ist Tochter eines anonymen Samenspenders und will den Namen ihres leiblichen Vaters erfahren. Dieses Recht bekam sie zugesprochen.

Foto: dpa
Name von anonymem Samenspender muss preisgegeben werden
Die Klägerin Sarah P. und Tochter eines anonymen Samenspenders hat das Recht auf die Herausgabe des Namens ihres biologischen Vaters erreicht

Hamm. Eine Samenbank muss einem anonym gezeugten Kind den Namen des leiblichen Vaters nennen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm am Mittwoch in einem wegweisenden Urteil entschieden. Geklagt hatte eine 21 Jahre alte Frau, deren Mutter sich auf diese Weise befruchten lassen hatte. Die Richter im westfälischen Hamm werteten das im Grundgesetz festgelegte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit höher als das Recht eines Spenders auf Anonymität (Az: I-14 U 7/12). Das Urteil ist rechtskräftig. Eine Revision ist laut OLG nicht zugelassen.

Der beklagte Fortpflanzungsmediziner Thomas Katzorke beruft sich weiter darauf, dass die Daten zu dem Fall nicht mehr vorlägen. Die Unterlagen hätten damals nur zehn Jahr aufbewahrt werden müssen, sagte Katzorke der Nachrichtenagentur dpa in einer ersten Reaktion auf die Gerichtsentscheidung. Katzorke, der bei der Verkündung der Entscheidung nicht anwesend war, bezeichnete das Urteil als "rein theoretisch".

Die Richter des Oberverwaltungsgerichts nahmen dem Mediziner die Argumentation nicht ab. Bei einer Befragung hatte er sich in Widersprüche verstrickt und zugegeben, dass nicht alle Daten vernichtet wurden.

Die Klägerin Sarah P. wollte sich nicht selbst zu ihrem juristischen Erfolg äußern. Der Anwalt der jungen Frau kündigte aber eine Stellungnahme an. Seit rund vier Jahren weiß die 21-Jährige, dass ihr Vater nicht ihr Erzeuger ist. Sie kämpft gemeinsam mit dem Verein Spenderkinder auf juristischem Weg für das Recht, den biologischen Vater kennenzulernen.

Bereits 1989 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass es zu den Persönlichkeitsrechten eines Menschen gehört, seine genetische Herkunft zu kennen. Erst das Jahr 2007 brachte mit dem Gewebegesetz eine Neuerung: Unterlagen zur Samenspende, die als Gewebeübertragung gilt, müssen jetzt 30 Jahre aufbewahrt werden.

Zur Zahl der Betroffenen in Deutschland gibt es nur Schätzungen. Das Essener Novum-Zentrum für Reproduktionsmedizin, das der jetzt beklagte Mediziner Katzorke leitet, geht von rund 100 000 Kindern anonymer Samenspender aus.

(dpa)
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. AuslandTusk und MogheriniDas neue Team an der Spitze der EU
  2. 2. AuslandEU-RatspräsidentDonald Tusk hat ein einziges Problem im neuen Amt
  3. 3. AuslandEU-AußenbeauftragteDiese junge Römerin vertritt Europa in der Welt
  4. 4. GeldanlageEdelmetallWarum Gold trotz Kriegsgeschrei noch billig ist
  5. 5. AuslandUkraineNato-Beitritt könnte den großen Krieg auslösen
Top Video Alle Videos
Ein Ausbruch des Bardarbungas würde den internationalen Flugverkehr stark beeinträchtigen.Brightcove Videos

Nach Einschätzung des meteorologischen Dienstes steht ein Ausbruch des isländischen Vulkans unmittelbar bevor oder hat schon begonnen. In der Nacht löste eine kleine Eruption einen rund 1 Kilometer…mehr »

Top Bildergalerien mehr
Bundesliga

HSV desaströs gegen Paderborn

Hamburg-St. Pauli

Knapp 1300 Demonstranten bei Hausbesetzer-Demo

Erste Bundesliga

Die Bilder des 2. Spieltags

Sternschanze

Das Konzert der Beginner auf dem Schulterblatt

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr