04.02.13

Belgien

Kindermörder Dutroux: Gericht berät über Freilassung

Belgiens meistgehasster Verbrecher will das Gefängnis verlassen. Marc Dutroux, Mörder und Vergewaltiger, erscheint vor Gericht.

Foto: dpa
Marc Dutroux (Archivbild)
Der belgische Kinderschänder Marc Dutroux (Archivbild)

Brüssel. Der belgische Mädchenmörder Marc Dutroux (56) hat vor Gericht seine vorzeitige Haftentlassung beantragt. Der bekannteste Kriminelle Belgiens erschien am Montag persönlich zu einer Anhörung im Brüsseler Justizpalast. Dutroux sei mit seinem Anwalt im Saal, sagte ein Polizist der Deutschen Presse-Agentur dpa. Besuchern blieb der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder verborgen. Die Öffentlichkeit war nicht zugelassen. Für Belgiens Kriminellen Nummer eins wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Metalldetektoren und 120 Beamte waren im Justizpalast im Einsatz. Mit einer Eskorte hatte die Polizei den 56-Jährigen in einem abgedunkelten Wagen am Morgen aus dem Gefängnis von Nivelles rund 25 Kilometer nach Brüssel gebracht.

Schon im September hatte Dutroux schriftlich seine vorzeitige Freilassung mit elektronischer Fußfessel beantragt, nun beriet erstmals ein Gericht darüber. Nach Gerichtsangaben sollte es am Montag keine Entscheidung über den Antrag geben. Der Richter hat zwei Wochen Zeit, sich zu äußern. Erst in einem zweiten Schritt könnten Richter dann über eine mögliche Entlassung befinden. Die "Affäre Dutroux" hatte in den 1990er Jahren ganz Belgien erschüttert. Dutroux entführte sechs Mädchen, missbrauchte sie und folterte sie in einem geheimen Verlies seines Kellers. Dort starben vier von ihnen. 2004 wurde der meistgehasste Verbrecher Belgiens verurteilt. Seine damalige Frau und Komplizin Michelle Martin kam im vergangenen Sommer unter Auflagen frei.

Nach Ansicht von Experten sind die Chancen des verurteilten Mörders, in absehbarer Zukunft wieder auf freien Fuß zu kommen, gleich Null. Selbst Dutrouxs Anwalt geht nicht davon aus, dass sein Mandant mit seinem Antrag durchkommt. "Es ist ein symbolischer Schritt", sagte Anwalt Pierre Deutsch dem belgischen Radiosender RTBF. Belgiens Justizministerin Annemie Turtelboom wollte sich im Fernsehsender RTL nicht zu den Chancen äußern: "Das ist Sache der Unabhängigkeit der Justiz."

Nach Angaben der Polizeigewerkschaft belaufen sich die Kosten für den Einsatz auf rund 50 000 Euro. Am Montag waren bei der Anhörung zwar Angehörige der Opfer zugelassen, viele hatten aber einen Boykott angekündigt. Die Opferfamilien werden üblicherweise zu den Auflagen bei einer vorzeitigen Haftentlassung angehört. Nach belgischem Recht ist es möglich, dass verurteilte Mörder einen Antrag auf Freilassung stellen, wenn sie ein Drittel der Strafe abgesessen haben. Im Fall Dutroux entspricht das 16 Jahren, diese wären genau am 30. April 2013 abgelaufen.

(dpa)
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