28.01.13

Nach Brandkatastrophe Discobesitzer und Musiker in Brasilien verhaftet

Nach dem Brand in einer brasilianischen Diskothek läuft die Suche nach den Schuldigen. Es gibt erste Festnahmen. Abschied von den Opfern.

Porto Alegre. Nach der Brandkatastrophe in einer brasilianischen Diskothek mit mehr als 230 Toten hat die Polizei einen der Besitzer und zwei Mitglieder einer Band verhaftet. Mit der Inhaftierung für maximal fünf Tage solle verhindert werden, dass die Männer die Stadt verlassen, erläuterten die Behörden. Die Musikgruppe "Gurizada Fandangueira" hatte während ihres Auftritts in der Nacht zum Sonntag mit einem Feuerwerk vermutlich den Brand in dem Club in Santa Maria ausgelöst. Dabei starben mindestens 233 Menschen. Viele Verletzte kämpften noch um ihr Leben. In Brasilien galt Staatstrauer.

Der Besitzer der Diskothek dürfte in seinen Vernehmungen dazu befragt werden, warum eine wichtige Fluchttür zum Zeitpunkt der Katastrophe offenbar abgesperrt war. Außerdem sollen Sicherheitsleute die nach draußen drängenden Gäste zunächst am Verlassen des Clubs gehindert haben. Das hatten Zeugen berichtet.

In den Krankenhäusern wurden noch über 100 Verletzte behandelt. Davon waren nach Angaben der Behörden mindestens 40 in einem kritischen Zustand. Die meisten Patienten erlitten Rauchvergiftungen. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass sich die Zahl der Todesopfer noch erhöht.

In Brasilien wurde eine dreitägige Staatstrauer um die vielen Opfer der Feuerkatastrophe in der Diskothek "Kiss" angesetzt. Die Flaggen wehten auf halbmast. Die ersten Opfer wurden auf den Friedhöfen der Universitätsstadt Santa Maria bereits bestattet. Der Tag, an dem Brasilien eigentlich den Countdown für die 500 noch verbleibenden Tage bis zum Anpfiff der WM 2014 feiern wollte, wurde zum Trauertag.

Nach Katastrophe in Brasilien

Zu der Tragödie kam es, als die Band eine Art Leuchtfackel am Boden einsetzte, die hohe Funken sprühte. Dadurch geriet vermutlich das Dämmmaterial aus Isolierschaum an der Decke in Brand. Es verbreitete sich hochgiftiger Qualm. 90 Prozent der Opfer starben an Rauchvergiftung.

Die Behörden veröffentlichten eine Namensliste von 231 Opfern, unter ihnen sind auch viele junge Menschen, die einen deutschen Nachnamen tragen. Im Bundesstaat Rio Grande do Sul leben viele deutschstämmige Brasilianer, die vor Generationen in das südamerikanische Land einwanderten. Aber nur eines der Opfer hatte nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa neben dem brasilianischen auch einen deutschen Pass.

Die Tragödie gilt als die zweitgrößte Brandkatastrophe in der Geschichte Brasiliens. 1961 kamen in Niteroi bei einem Feuer in einem Zirkus über 500 Menschen ums Leben.

Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich tief betroffen, dass so viele junge Menschen bei dem Unglück den Tod fanden. In einem Beileidstelegramm brachte auch der Papst am Montag seine Betroffenheit zum Ausdruck.

((dpa))