17.01.13

Indien

Vergewaltigungsprozess an Schnellgericht übergeben

Die neuen Schnellgerichte befassen sich ausschließlich mit sexuellen Verbrechen in Indien. Der Prozess wird mit Spannung erwartet.

Foto: dpa
A Delhi police van believed to carrying the five men accused in a
Fünf Angeklagte in Indien müssen sich wegen Entführung, Vergewaltigung und Mordes verantworten

Neu Delhi. Einen Monat nach der Gruppenvergewaltigung in einem fahrenden Bus in Indien ist der Fall an eines der neuen Schnellgerichte übergeben worden. Die mutmaßlichen Peiniger der vergewaltigten und getöteten Studentin treffen am Montag auf ihre Richter. Das Gericht in Delhi werde dann voraussichtlich täglich tagen, sagten die Anwälte der Beschuldigten am Donnerstag.

Den Verdächtigen wird vorgeworfen, die 23 Jahre alte Studentin Mitte Dezember in einem Bus entführt, vergewaltigt und mit einer Eisenstange tödlich verletzt zu haben. Den fünf volljährigen Beschuldigten droht die Todesstrafe wegen Mordes. Der sechste mutmaßliche Täter gibt an, minderjährig zu sein. Ob das stimmt, ist noch immer nicht klar. Dann käme er vor ein Jugendgericht, und ihm drohte eine mehrjährige Haftstrafe.

Die fünf volljährigen Beschuldigten mussten bereits mehrfach zu Anhörungen vor Gericht erscheinen, ehe der eigentliche Prozess begann. Dabei wurde ihnen unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Anklageschrift übergeben. Ihre Verteidiger reichten zahlreiche Anträge ein, um den Beginn der Hauptverhandlung hinauszuzögern.

Sie beklagten unter anderem ungenügende Dokumente, fehlende Übersetzungen und verlangten alle ärztlichen Unterlagen der behandelnden Ärzte in Neu Delhi und Singapur. Dorthin war die 23-Jährige nach der Tat ausgeflogen worden. Doch konnten auch die Spezialisten in Singapur ihr Leben nicht retten, da die Vergewaltiger ihre inneren Organe zu schwer verletzt hatten.

Auch am Montag werde der Mordprozess wahrscheinlich noch nicht formal beginnen, sagten die Verteidiger V. K. Anand und A. P. Singh. Denn zunächst würden sie mit den Richtern über die Anklagepunkte diskutieren. Wenn sie sich darauf geeinigt hätten, können sich die fünf Angeklagten für schuldig oder unschuldig erklären. Erst zu diesem Zeitpunkt beginne der Prozess. Wann es soweit sein könnte, war noch nicht klar.

Die neuen Schnellgerichte, die sich ausschließlich mit sexuellen Verbrechen beschäftigen, waren Anfang Januar als Reaktion auf die Gruppenvergewaltigung eingerichtet worden. Diese hatte national und international Anteilnahme und Proteste ausgelöst und eine Debatte über die Rolle der Frau in Indien losgetreten.

(dpa)
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