15.01.13

Discounter

Lidl muss 1,5 Millionen Euro wegen Listerien-Käse zahlen

Hat Lidl beim Rückruf von verseuchtem Käse geschlampt? Ein Gericht entscheidet: Ja – und verhängt hohe Geldstrafen. Discounter akzeptiert.

Foto: AP
Discounter Lidl soll bei Listerien-Käse falsch reagiert haben
Discounter Lidl soll bei Listerien-Käse falsch reagiert haben

Heilbronn/Neckarsulm. Drei Jahre nach einem Skandal um verseuchten Käse muss der Discounter Lidl Geldbußen von insgesamt 1,5 Millionen Euro zahlen. Das Amtsgericht Heilbronn verhängte die Strafe laut einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom Dienstag wegen Verstößen gegen das Lebensmittelrecht. Das Unternehmen aus Neckarsulm kündigte an, die Entscheidung anzunehmen, und bedauerte, damals die Ergebnisse von routinemäßigen Untersuchungen falsch interpretiert zu haben. Zudem wurden Geldstrafen gegen vier Beschäftigte verhängt.

Die Handelskette hatte am 23. Januar 2010 Harzer Käse der österreichischen Firma Prolactal zurückgerufen, weil dieser mit Listerien belastet war. Diese Bakterien können bei Menschen schwere Infektionen auslösen und bei Kranken, Geschwächten, Schwangeren oder Neugeborenen lebensbedrohlich werden. Sie werden üblicherweise durch die Pasteurisierung vernichtet, können sich aber vermehren, wenn befallene Lebensmittel eingefroren werden.

Laut Staatsanwaltschaft waren 2010 vier Konsumenten des Käses an Listeriose erkrankt, ein Mensch starb an den Folgen der Lebensmittelvergiftung. Lidl betonte, dass das Unternehmen seine gesetzlichen Untersuchungspflichten jederzeit eingehalten habe. Allerdings habe es auf erste Hinweise im Juni 2009 falsch reagiert, räumte ein Sprecher ein. Das Gericht entschied, dass Lidl spätestens Ende 2009 einen Lieferstopp hätte veranlassen müssen.

Zunächst hatte Lidl nach eigenen Angaben bei Prolactal nachgefragt und Untersuchungsergebnisse angefordert, die keinen Keimbefall nachwiesen hätten. Zudem habe Lidl die fraglichen Produkte aus dem Verkauf genommen. Den Rückruf leitete das Unternehmen allerdings erst nach einer behördlichen Warnung aus Österreich ein.

Zu den vier bestraften Mitarbeitern sagte ein Unternehmenssprecher nichts. Der Staatsanwaltschaft zufolge setzte das Gericht Geldstrafen zwischen 27.000 und 58.500 Euro fest sowie zusätzlich gegen zwei von ihnen Geldbußen in Höhe von je 7000 Euro.

Eine strafrechtliche Verantwortlichkeit der Beschuldigten für die Erkrankung oder den Tod von Geschädigten lasse sich nicht mit Sicherheit nachweisen, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft, die Lidl nicht namentlich nennt. Wegen der langen Inkubationszeit von bis zu 70 Tagen bei Listeriose könne nicht ausgeschlossen werden, dass selbst ein Rückruf Ende 2009 den Verzehr durch die später Erkrankten verhindert hätte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Hauptverantwortung für die Beachtung der einzelnen Sorgfaltspflichten beim Hersteller lag. Dies sei bei der Bestimmung der Strafhöhe entsprechend berücksichtigt worden.

Der Harzer Käse ist laut Lidl seit Januar 2010 nicht mehr im Verkauf. Die Zusammenarbeit mit dem Hersteller sei beendet worden. Zudem baute das Unternehmen sein Qualitätsmanagement in den vergangenen Jahren aus. So gebe es nun eine eigene Abteilung für Risikobewertung und Produktsicherheit.

(dpa)
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