10.01.13

Kanada

Zwölf Schwertwale im Eis der Hudson Bay gefangen

Eine Herde Orcas hat sich in die Hudson Bay verirrt und schnappt in einem winzigen Eisloch nach Luft. Nur ein Eisbrecher könnte sie retten.

Foto: dpa
Orca-Wal
Zwölf Orcas sind im Eis in der Hudson Bay in Kanada eingeschlossen

Montréal. Im dicken Eis der Hudson Bay in Kanada sind zwölf Schwertwale eingeschlossen. Die auch als Killerwale bekannten Tiere nutzten eine kleine Öffnung im Eis, um Luft zu holen, berichtete die Zeitung "Montreal Gazette" am Donnerstag in ihrer Online-Ausgabe. Tierschützer fürchten um das Leben der Wale und fordern einen Eisbrecher, um den Tieren den Rückweg zum Meer zu bahnen.

Die Orcas wurden dem Bericht zufolge dicht vor der Küste der Gemeinde Inukjuak im Norden der Provinz Québec gesichtet. Ein Inuit-Jäger habe die Tiere bei der Robbenjagd entdeckt. Orcas seien im Winter dort selten zu finden. Inzwischen seien schon viele Schaulustige zu dem Eisloch geströmt, das ungefähr eine Motorschlittenstunde von Inukjuak entfernt sei.

Die Meeresökologin Lyne Morisette von der Universität Québec sieht die Schwertwale in großer Gefahr. "Das sind große Tiere, die um Atemraum in einem Loch nicht größer als Ihr Tisch kämpfen", sagte sie der Zeitung. Nach dem Bericht trennt eine etwa 25 Kilometer Eisdecke die Tiere von der offenen See. Sie könnten nur mit Hilfe eines Eisbrechers befreit werden.

Die Gemeinde Inukjuak nahm Kontakt zur kanadischen Fischerei- und Ozeanbehörde auf, die sich aber noch nicht festlegen wollte, ob sie einen Eisbrecher schickt: Der wäre teuer und würde womöglich nicht rechtzeitig eintreffen. Inukjuaks Bürgermeister Peter Inukpuk sagte, dass die Wale bei den Einwohnern gemischte Gefühle weckten. "Wir wollen sie freihaben, aber wir wollen auch, dass sie verschwinden. Killerwale fressen Robben und Weißwale. Die Robbenjagd ist ein wichtiger Teil unserer heimischen Wirtschaft", sagte er.

Unklar war die Herkunft der Walherde. Sie könnte sowohl von der kanadischen Westküste als auch aus dem Atlantik stammen, sagte Morisette. Der Klimawandel verändere die traditionellen Wanderrouten der Meerestiere. "Das Eis hat sich wahrscheinlich hinter ihnen geschlossen, als sie in die Bay hinein schwammen", sagte Morisette.

Die eingeschlossenen Wale beschäftigten am Donnerstag auch die sozialen Netzwerke. Der britische Unternehmer Richard Branson ("Virgin") startete eine Unterschriftenaktion, um die Behörden dazu zu bringen, einen Eisbrecher zu schicken.

(dpa)
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