24.11.12

Missbrauchsverdacht

Charité-Chef Einhäupl wirft Kollegen Versäumnis vor

Charité-Chef Einhäupl verteidigte sich gegen Vorwürfe, er habe auf Hinweise zu dem Missbrauchsverdacht nicht schnell genug reagiert.

Foto: dapd
Pressekonferenz zu Missbrauchsvorwuerfen an der Charite
Karl Max Einhäupl, Leiter der Charité, steht unter Druck

Berlin. Versäumnisse von Kollegen haben nach Darstellung des Berliner Charité-Chefs Karl Max Einhäupl zu den Informationspannen nach dem Missbrauchsverdacht an Deutschlands größtem Uni-Klinikum beigetragen. Einhäupl verteidigte sich in der "Welt am Sonntag" und der "Berliner Morgenpost" gegen Vorwürfe, er habe auf erste Hinweise zu dem Missbrauchsverdacht nicht rasch genug reagiert. Ein 58 Jahre alter Pfleger soll demnach eine 16-jährige Patientin sexuell missbraucht haben.

Der Klinik-Chef erklärte in dem Interview, er sei davon ausgegangen, dass der Ärztliche Direktor und die Pflegedienstleitung dem Fall nachgingen. "Für mich war zunächst nur erkennbar, dass zwei leitende Mitarbeiter der Charité sich verantwortlich kümmern", sagte Einhäupl. "Mir waren keine Details bekannt, es wurde mir gesagt, es sei bereits in den Händen von A und B..."

Er selber habe nicht gewusst, dass es sich um ein Kind und eine Patientin gehandelt habe. Er habe das nicht richtig eingeordnet. "Aber ich erwarte als Vorstandsvorsitzender, dass solche gravierenden Probleme mir in ihrer gesamten Tragweite geschildert werden", betonte Einhäupl. Der 58-jährige Pfleger soll auch schon früher auffällig geworden sein. Die Charité kündigte derweil an, gegen den betroffenen Pfleger erste Konsequenzen zu ziehen. Einhäupl sprach sich für die Einführung eines erweiterten Führungszeugnisses aus. Zudem hält er es für sinnvoll, einen "Kommunikationsmanager" an der Spitze des Hauses einzusetzen.

Die Leitung des größten Universitätsklinikums in Deutschland steht gehörig unter Druck, Vorwürfe der mangelnden Führungskompetenz wurden laut. Auch nach der Entdeckung von Darmkeimen in der Charité vor wenigen Wochen war es zu Kommunikationspannen gekommen. Berlins Gesundheitssenatorin Sandra Scheeres (SPD) forderte den Charité-Vorstand auf, bis zum Montag einen Bericht über den Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen vorzulegen.

Zudem tauchten über eine neue Hotline des Klinikums nun womöglich neue Missbrauchsvorwürfe auf. Einem anonymen Hinweis zu "Grenzüberschreitungen" solle genauer nachgegangen werden, hieß es. Eine Sprecherin der Charité sagte am Sonnabend: "Das muss man ernst nehmen. Bislang sind wir aber noch nicht weitergekommen." Charité-Chef Einhäupl hält ein erweitertes Führungszeugnis für sinnvoll – das hatte zuvor bereits der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, gefordert. "Wir werden künftig von Mitarbeitern in sensiblen Bereichen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis verlangen (...)" , sagte Einhäupl der "Berliner Morgenpost". Ein Sprecherin der Charité bestätigte die Pläne.

Für Menschen, die direkt mit Kindern arbeiten, dürfen Arbeitgeber ein erweitertes Führungszeugnis beantragen. Es gibt in größerem Umfang Auskunft darüber, ob Stellenbewerber wegen bestimmter Sexualdelikte an Kindern und Jugendlichen vorbestraft sind. In einem "normalen" Führungszeugnis stehen nur die Delikte, die eine Geldstrafe von mindestens 90 Tagessätzen oder eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten nach sich gezogen haben.

Zudem kündigte Einhäupl an, die Kommunikation verbessern zu wollen. "Wir müssten einen Kommunikationsmanager an der Spitze einsetzen, um alle Schwierigkeiten zu bewältigen", sagte er der "Berliner Morgenpost". Die Charité müsse ihre Prozesse auch mit ihren Fehlern transparent kommunizieren. Am Montag soll erstmals ein externes Expertengremium tagen, das die Strukturen und Abläufe in der Charité überprüfen soll.

(dpa)
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