Fr, 16.11.12, 11.15

TV-Sender BBC einigt sich nach Missbrauchsvorwurf mit Politiker

Britain Jimmy Savile

Foto: DAPD

Britain Jimmy Savile

Der britische Rundfunksender hat sich mit Lord Alistair McAlpine auf eine Entschädigung in Höhe von 185.000 Pfund (230.000 Euro) geeinigt.

London. Die BBC erhob ungerechtfertigte Missbrauchsvorwürfe gegen einen konservativen Politiker und muss nun dafür zahlen: Der britische Rundfunksender einigte sich mit Lord Alistair McAlpine auf eine Entschädigung in Höhe von 185.000 Pfund (230.000 Euro). Die Einigung spiegele die Schwere der fälschlicherweise erhobenen Anschuldigungen wider, teilte der Sender am Donnerstag mit. McAlpine äußerte sich erleichtert.

Er habe beim Aushandeln der Summe berücksichtigt, dass sie von Gebührengeldern bezahlt würde, sagte der 70-jährige Politiker. Nun wolle er auch gegen Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter vorgehen, die diffamierende Bemerkungen gemacht hätten. McAlpine war Anfang des Monats in einer Sendung der BBC mit einem schweren Fall von Kindesmissbrauch in Wales in Verbindung gebracht worden. Sein Name wurde nicht genannt, allerdings wurde nach der Ausstrahlung im Internet über seine Rolle in dem Skandal spekuliert.

McAlpine erklärte, die BBC habe vor der Sendung nicht versucht, ihn zu den Vorwurfe zu befragen. "Sie hätten mich anrufen sollen und ich hätte ihnen genau das gesagt, was sie später herausgefunden haben. Und zwar, dass die Geschichte kompletter Schwachsinn ist", sagte McAlpine. Er äußerte Verständnis für das Missbrauchsopfer, das ihn beschuldigte. Ihm sei großes Leid angetan worden.

Die BBC hatte sich bereits vor der Einigung für den Vorfall entschuldigt. Generaldirektor George Entwistle trat wegen des Falschberichts zurück.

Die BBC war im vergangenen Monat in die Krise geraten, weil sie beschlossen hatte, einen Bericht über Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen den früheren Moderator Jimmy Savile nicht zu senden. Savile starb im vergangenen Jahr im Alter von 84 Jahren. Im Zuge der Ermittlungen wurden inzwischen vier Verdächtige festgenommen. Die Polizei geht von rund 450 möglichen Opfern aus.