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Aus aller Welt

Edmond Salis' Abenteuer

Franzose fliegt mit Oldtimer-Flugzeug über Ärmelkanal

Edmond Salis wollte es sich beweisen: Er präparierte ein historisches Flugzeug und überquerte damit den Ärmelkanal.

Der Franzose Edmond Salis flog mit einer restaurierten Blériot XI über den Ärmelkanal.
Foto: AFP

Paris. Waghalsiges Abenteuer in luftiger Höhle: Auf den Tag genau 100 Jahre nach dem ersten Flug über den Ärmelkanal hat der 39 Jahre alte Franzose Edmond Salis das Abenteuer wiederholt. Zu Ehren des Luftfahrtpioniers Louis Blériot, dem damals als erstem die Überquerung gelungen war, flog er am Sonnabend von einer Wiese bei Calais in Nordfrankreich nach Dover in England. Tollkühn stieg er in das gleiche Flugzeug, das auch sein berühmter Landsmann und Vorgänger benutzt hatte.

Ganz genau gelang Salis die Wiederholung allerdings nicht. Er brauchte für den Flug mit der restaurierten Blériot XI rund 45 Minuten - und war damit etwa sieben Minuten langsamer als der Ingenieur, Konstrukteur und Rekordflieger Blériot am 25. Juli 1909. Rund 500 Zuschauer verfolgten den Start am Sonnabend - einige hatten sich in Kleidung aus der damaligen Zeit gehüllt.

Wie sein Vorbild vor 100 Jahren trug der mutige Franzose Lederhaube und Pilotenbrille. Beim Flug flatterte sein weißer Schal in der Vormittagsluft. „Es ist immer noch ein großes Abenteuer“, sagte der 39-Jährige, kurz bevor er den knatternden Motor des Eindeckers startete. „Das war überwältigend“, strahlte er nach seiner Ankunft in England.

Ganz so berühmt wie Blériot dürfte Salis die Aktion aber nicht machen. Dessen Rekordflug 1909 ließ ihn zu einem der populärsten Franzosen über Jahrzehnte hinweg werden. Sein Name wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zum Begriff, seine Flugzeuge weltberühmt und seine spektakulären Rekorde sicherten ihm ganze Kapitel in Geschichtsbüchern. „England ist keine Insel mehr“, titelte die „Daily Mail“ am Tag nach dem Flug über den Ärmelkanal. Die Zeitung hatte den Preis von 1000 Englischen Pfund für den ersten Flug über den Ärmelkanal ausgeschrieben - eine fürstliche Summe vor 100 Jahren.

Blériot, von Haus aus Automobilfabrikant, hatte das Geld allerdings auch dringend nötig. Seine vielen aufwendigen Experimente, seine zahlreichen Flugzeugkonstruktionen und seine Unfälle hatten ihn an den Rand des Konkurses geführt. Er war buchstäblich pleite. Zudem humpelte er an Krücken; bei einem seiner zahlreichen Abstürze hatte er schwere Verbrennungen erlitten.

Schließlich musste er sogar um den erträumten und zielstrebig vorbereiteten Erfolg bangen. Sein französischer Konkurrent Hubert Latham wollte ihm mit dem Antoinette-Eindecker zuvorkommen und startete am 19. Juli 1909 von Cap Blanc-Nez südlich von Calais, doch stürzte er nach 16 Kilometern ab - ein Torpedoboot rettete Latham das Leben.

Sechs Tage später startete Blériot dann in aller Frühe mit seinem zerbrechlich wirkenden Eindecker, der in der Luft an ein riesiges Insekt erinnerte. Er stieg auf 50 Meter Höhe und hatte erst beim Anflug auf die englische Küste unerwartete Probleme. Die Kreidefelsen stiegen steil aus dem Meer auf, viel zu hoch für die kleine Blériot XI mit ihrem 25-PS-Dreizylindermotor.

Blériot war etwas vom Kurs abgekommen - bei Dover selbst waren die Kreidefelsen nicht so hoch. Doch er hielt durch, folgte der Spur eines Frachters, umrundete dreimal den Hafen von Dover und landete schließlich am Rande eines Golfplatzes neben dem imposanten Schloss der englischen Stadt. Dass das Fahrwerk bei der Landung einknickte, störte ihn nicht mehr. Er hatte den Preis der „Daily Mail“ gewonnen, er konnte weiter fliegen und weiter Flugzeuge bauen. In London wurde er vom englischen König begrüßt, in Paris erhielt er das Kreuz der Ehrenlegion.

 

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